Das vertrauenswürdige Label "Hieroglyphics" aus der Bay Area bringt seit mehr als zehn Jahren qualitativ hochwertigen Rap raus. Jan Kage fragte bei Tajai, einem MC aus ihren Reihen, nach, was es mit dem Verbund auf sich hat.
Text: Jan Kage aus De:Bug 84

Eine liebevolle Bruderschaft
Hieroglyphics

Vor sieben Jahren taten sich ein paar HipHopper aus der Bay Area zusammen und gründeten ihr eigenes Label: Hiero Imperium. Ihr Grundkonsens hieß Anti-Gangster. Souls of Mischief, Del The Funky Homosapien, Casual, Domino und Pep Love: allesamt Dissidenten der amerikanischen Majorkultur. Die Künstler waren nicht die ersten HipHop-Indies, aber mit inzwischen über drei Millionen verkauften Tonträgern ihrer Gruppen- und Soloprojekte und einer Nachwuchsplattform namens Hiero 2 ist das Hiero Imperium ein Bollwerk der Backpacker. Ist der brüderliche Mönchsorden die Organisationsform für Musiker im 21. Jahrhundert? Und ist der Indie-Status ein Wert an sich?

DEBUG:
Sieben Jahre Hieroglyphic Imperium – das verflixte siebte Jahr: Gibt es erste Anzeichen einer bevorstehenden Scheidung?
TAJAI:
Das Ding mit den Hieroglyphics ist: Wir sind eine Familie. Es ist nicht an erster Stelle ein Business. Wir haben schon viel schlimmere Zeiten als diese mitgemacht. Tatsächlich geht es uns sogar so gut wie nie. Wir sind eine Bruderschaft. Die Liebe, die wir füreinander haben, ist unsere Verpflichtung. Wir vertrauen uns völlig und legen unser Leben in unseres Bruders Hände und niemand betrachtet das als selbstverständlich. Wir haben ein gemeinsames Verständnis von den Hieroglyphics und das macht uns so stark. Wir machen einfach Powermoves, das ist es.

DEBUG:
Dass ihr Leute mit einer Philosophie seit, hört man auch eurer Musik an. Bevor ihr Hieroglyphics als Label etabliert habt, hatten einzelne Projekte von euch bereits Erfahrungen mit Major-Labels gesammelt. Wolltet ihr die absolute künstlerische Freiheit oder habt ihr einfach schlechte Erfahrungen mit Majors gemacht? Warum ein Künstlerlabel?
TAJAI:
Wir sind da mehr oder weniger reingestolpert. Nachdem wir vom Major-Label kamen, war der erste Gedanke: Wir müssen eine verdammte Platte machen. Es war nicht so, dass wir ein Label gründen oder ’ne Platte shoppen wollten. Das Fundament ist Musik! Das haben wir also getan und als die Platte fertig war, sagten wir: Hey, lass uns das selber rausbringen, wir wissen, wie man das promotet und vermarktet. Wir waren außerdem auch von der Industrie abgegessen und wir wollten zudem auch mehr kreative Kontrolle, das alles hat auch eine Rolle gespielt. Aber die Leute vergessen oft, dass die Musik die Grundlage von dem ganzen Scheiß ist – alles andere ist eine Frage der Promotion. Die Musik ist die wahre Basis und dahin sind wir zurück, weil es auch das war, was uns überhaupt an den Start gebracht hatte.

DEBUG:
Ihr habt für Künstler eures Umfelds eine neue Plattform geschaffen: Hiero 2. Was geht da?
TAJAI:
Das Album “Layover“ von Encore ist draußen und das von Z-Man auch und es gibt die Soul-Sängerin Goapele. Sie ist sehr talentiert. Sie ist nicht bei uns gesignt, aber wir haben ihr geholfen rauszukommen. Wir wollen in Zukunft viele Leute aus unserer Gegend promoten, die nicht die Kanäle haben, um ihre Musik rauszubringen, weil wir halt die Möglichkeit dazu haben. Es sind Künstler, die nach vorne denken und versuchen, alte Grenzen in der Musik aufzubrechen.

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Elektronische Lebensaspekte.