Text: Fee Magdanz aus De:Bug 17

Design für die gegenwärtige Zukunft Sean O’Hagan von den High Llamas über Architektur, Mdels und Musik Fee Magdanz kalkfee@netcologne.de Warum fängt man eigentlich an Musik zu machen? Aus Langeweile, aus Überzeugung, weil man eine Idee hat, eine Botschaft oder vielleicht auch einfach so, weil es einem Spaß macht? Sean O’Hagan jedenfalls beansprucht für sich, “Musiker geworden zu sein, weil es ihn ein wenig glücklicher macht”, manchmal wenigstens. Bevor er zur Musik kam, hat er sich mit einer Vielzahl langweiliger Jobs über Wasser gehalten. Der Schule hat er bereits mit sechzehn Jahren den Rücken gekehrt. Seit Llanger Zeit arbeitet er nun schon, neben eigenen Projekten wie den High Llamas, unermüdlich mit oder für Kollegen wie Stereolab, Mouse on Mars oder Shonen Knife. Erst letztes Jahr wurden die High Llamas von V2-Records gesignt, wo jüngst das Remix-Album “Lollo Rosso” mit Variationen von Mouse on Mars, Jim O’Rourke, Kid Loco oder Cornelius erschienen ist. Musikalische Spurensuche Nachdem Sean O’Hagan als junger Mensch vor allem Rockmusik gehört hat, bis diese ihn langweilte, ist er über einige Umwege mittlerweile bei brasilianischer und deutscher elektronischer Musik angelangt. Ständiges In-Bewegung-Bleiben, Sich-Umschauen, auch in Richtungen, die nicht offensichtlich auf dem eigenen Weg liegen und dabei immer in sich hineinhorchen, sind Regeln, die er sich selbst aufstellt: “Viel zu oft ist man heutzutage im Buisness verstrickt, es gibt nur wenig Momente, in denen man Menschen wirklich nahe ist oder Zeit hat, seinem Instinkt zu gehorchen. Diese Momente sind dann immer so kleine, warme Lichtblicke…Verschiedene Arbeitsweisen helfen dir, zu lernen. Die Spannung besteht darin, anderen Musikern nahe zu sein, sie zu beobachten. Im April dieses Jahres habe ich beispielsweise mit Jim O’Rourke zusammengearbeitet. Vorher hatte ich immer Angst, zu den Gitarren zurückzukehren, aber er zeigte mir einen neuen Weg sie zu gebrauchen. Oder Tim von Stereolab, die Begegnung mit ihm war für mich eine Art Wiedergeburt. Die haben so viele kreative, technische Ideen, die wir heute in den 90ern komplett vergessen haben. Radikale Ideen sind sehr wichtig, um in der Musik etwas zu bewegen.” Privatheit Sean O’Hagan braucht zum Arbeiten neben der Auseinandersetzung mit seiner Umwelt vor allem privaten Raum. Diesen hat er sich jüngst in Gestalt eines kleinen viktorianischen Häuschens im Londoner Stadtteil Peckham geschaffen. Peckham, eine kleine, wenngleich nicht autonome Welt, fernab des ganzen bunten Londoner Popbuisness: “Es leben sehr unterschiedliche Menschen hier. Es ist eine Art Tummelplatz: die Modeindustrie sitzt hier, es gibt viele Bars und einige Musiker. Viele Leute, die ich kenne oder mit denen ich zusammenarbeite, leben hier. So steht man irgendwie immer in Verbindung miteinander.” Seinen Tag gestaltet er sehr strikt, insbesondere wenn er arbeiten muß und das tut er laufend: “Im Moment stehe ich zusammen mit meiner Freundin, die früh Arbeiten geht, um acht Uhr auf. Danach erledige ich dann meine geschäftlichen Telefonate. Ansonsten muß ich mich gerade selbst disziplinieren, nicht in mein eigenes neues Studio zu gehen, da ich derzeit eine neue Platte mit den High Llamas vorbereite. Ich schreibe niemals am Computer, sondern stets am Piano oder mit der Gitarre. Dabei zwinge ich mich sechs Stunden nur zu spielen, lasse nebenher einfach ein Dat laufen und schaue am Ende, was dabei herausgekommen ist. Architektur Neben der Musik spielt einzig das Lebensumfeld und seine architektonische Gestaltung für Sean O’Hagans eine vergleichbare Rolle: “Ich denke, daß die Idee des Designs häufig unterschätzt wird. Die meisten vergessen, wie wichtig es ist, daß wir selbst unsere Welt konstruieren und wenn wir unglücklich sind, hängt das auch damit zusammen. In den 80ern haben wir einfach geschlafen. Die Architektur ging einen falschen Weg. Man glaubte, die Vergangenheit wieder aufbauen zu müssen, während in anderen Bereichen, wie der Technologie der Blick weiter nach vorne gerichtet wurde. Erst jetzt ändert sich das langsam wieder. Ein weiteres Problem ist, daß die Menschen und die Architekten auf unterschiedlichen Planeten leben. Architekten sind Autokraten und haben viel zu viel Respekt vor dem Geld.” Nicht nur in der Architektur herrscht daher zur Zeit meist Konformität vor. Auch in der Musik ist diese kaum noch wegzudenken: “Es ist die Idee der Selbstverliebtheit. Sie zerstört die Persönlichkeit der Menschen. Ich denke, daß ist auch der Grund, warum Popstars meist mit Models ausgehen. Man hat umso mehr Erfolg, wenn man mit gutaussehenden Menschen zusammenhängt, auch wenn man mich deswegen anmaßend findet. Das ist katastrophal für die Subkultur und deshalb möchte ich auch nie dazugehören.” Zitate Viel zu oft ist man heutzutage im Buisness verstrickt, es gibt nur wenig Momente, in denen man Menschen wirklich nahe ist oder Zeit hat, seinem Instinkt zu gehorchen. Diese Momente sind dann immer so kleine, warme Lichtblicke… Radikale Ideen sind sehr wichtig, um in der Musik etwas zu bewegen. In den 80ern haben wir einfach geschlafen

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Elektronische Lebensaspekte.