“You love the anonymnity, you hide behind the shadowAlways tryin to get someone to chatroom battleCryin cause heads only rhyme one syllableWho made the rule you gotta use every millisecbecause it's fillable?”(Akrobatik, “Internet MCs”, Eastern Conference Records, 2000)
Text: Ekrem Aydin aus De:Bug 72

Wer ist Larry Bird?
Akrobatik

“Internet MC“ war nicht Akrobatiks erster Release, jedoch der erste überhaupt, der sich mit der von vielen angenervt aufgenommenen Thematik des Internet-“Hatens“ befasste. Mehr als drei Jahre später befindet sich der Urheber dieser Worte, der seinen Namen immer wieder mal geändert hatte, bis er sich letztendlich für Akrobatik entschied, zum sechsten Mal in Europa und stellt sein erstes Album ”Balance” vor. Der Titel ist Programm, denn lange Zeit gab es kein so gutes, abwechslungsreiches und in sich schlüssiges HipHop-Album mehr. Die Beats kommen von Philadelphias DJ Revolution, New Yorker Legenden wie den Beatminerz und Diamond (einst Diamond D von der D.I.T.C.-Crew.), Fakts One und auch Akrobatik selbst. Seine Beats hat er weise gewählt, denn auch wenn Samples klar heraushörbar sind, bekommt der Hörer den Eindruck, dass es sich um eigens komponierte, gar live eingespielte Musik handelt. Keine trendbewussten Produktionen und auch nicht krampfhaftes Herumexperimentieren. “Ich lasse mich von der Musik inspirieren. Ich schreibe meine Texte zur Musik und nicht anders herum, beides muss harmonieren“, erzählt dann auch der MC. Wer nun meint, dass die erwähnten Beatbastler ihre berühmten Signaturesounds abgeliefert hätten, der irrt gewaltig. “Natürlich erwartet jeder von einem DJ Revolution, dass er die Hook mit seinem Können an den Plattentellern auseinander nimmt, oder den smoothen Beat eines Diamond D, doch so funktionieren meine Musik und ich nicht. Ich brauche die Abwechslung, dazu gehört für mich, dass ich auch bei bekannten Produzenten lieber das vermeintliche Risiko eingehe, einen für sie atypischen Beat zu nehmen.“

Akrobatik ist der einzige, der zur erwarteten Zeit in Köln eintrifft, da er sich im Gegensatz zu seinen mittourenden Jungs, die mit dem Auto aus Berlin keinen Stau zwischen Hannover und Ruhrgebiet auslassen, in den Zug gesetzt hat. Er trägt ein Jersey der Boston Celtics, seiner Heimatstadt, von denen Basketballmuffel wie ich seit dem legendären C64-Spiel “Larry Bird vs. Magic Johnson“ nichts mehr gehört haben. Er ist entspannt, nicht wegen irgendwelcher HipHop-Sportzigaretten, sondern weil er in Balance ist, ausgeglichen wie sein Album. “Ich habe so viel Glück gehabt. Es gab eine Zeit, in der es nicht so gut lief und vor allem in der Familie Stimmen aufkamen, mir doch einen vernünftigen Job zu suchen. Ich blieb dabei und jetzt habe ich einen guten Deal, der mir dieses Album ermöglicht hat. Ich kann touren und meiner Meinung freien Lauf lassen. Das können nicht viele.“ Zu erzählen weiß Akrobatik viel, doch im Gegensatz zu den meisten seiner Kollegen vermittelt er dabei auch Inhalte. Denn neben dem hörbaren Spaß am Rap geben seine Texte – auch die lustigen – definitiv eine Botschaft, ein Statement des MCs ab. Sei es, dass er zu entspannterem Verhalten untereinander aufruft, in witziger Weise von den (Un-)Tiefen im Aufeinandertreffen mit dem anderen Geschlecht erzählt oder den maroden Zustand der Umwelt anklagt. Diese Texte erschöpfen sich jedoch nicht in Beliebigkeit, dafür ist Akrobatik einfach zu authentisch, geradezu “real“, wobei dieser Terminus ja längst völlig abgenudelt und missbraucht ad acta gelegt wurde. Für Akrobatik sollte er wieder eingeführt werden.

Akrobatik, Balance, erscheint am 06.06.03
Das ausführliche Interview gibt es unter http://www.wu-tal.de
Weitere Informationen: http://www.coupdetat.tv

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Elektronische Lebensaspekte.