Was ist der Unterschied zwischen einer HipHop-Crew und einer HipHop-Band? Keene Ahnung? Dann lasst euch mal von den bescheuerten Jungs von Automato belehren.
Text: Renko Heuer aus De:Bug 81

Automato
HipHop-Band mit DFA-Produktion

Kleingeld raus aus den Taschen und rein in die Maschine. Würde beim unerwarteten Pogo sowieso aus der Hose fallen. Analoge Blinklichter gehen an, hopsen säulenförmig auf und ab: Automato ist eine sechsköpfige Maschine aus New York. Außen glatt, im feingeschliffenen Gewinde mit Dreck aus New Yorks Straßen geschmiert und tief im Inneren sehnig, denn sie wird mit Muskelkraft betrieben. Die Rede ist dabei nicht von glänzenden 50-Cent-Muskeloberarmen, sondern von handgemachtem HipHop. Und, was viel wichtiger ist, von einer Band(!), einer Einheit, und eben keiner im HipHop eher üblichen “Crew“.
Im Automaten wird geschwitzt, gejammt und improvisiert. Stilbruch mit Stil und ohne Puristenkonzept lautet die schweißgetränkte Formel: ”Normalerweise haben weiße Rapper eine Neigung dazu, etwas Bescheuertes zu machen und den Verrückten zu mimen. Wir sind weiß, und wir sind vielleicht auch ein bisschen bescheuert, aber eigentlich versuchen wir bloß, etwas zu erschaffen, das gut klingt. Die Beastie Boys haben das genauso gemacht.“
Während die Beasties noch mit der im HipHop fast unumgänglichen Alias-Maskerade operierten, kommen Automato – weil ja wie gesagt eine Band – ohne so etwas aus: “Wäre ich in einer richtigen HipHop-Gruppe gelandet, hätte ich wahrscheinlich schon ein Alias. Wahrscheinlich wäre ich dann einer von unzähligen Battle-MCs geworden, mit durchschnittlichen Tracks und einem nachgemachten, langweiligen Company Flow/Juggaknots-Album. Dazu kommt, dass es nun einmal für die Band nicht wirklich Sinn macht, und ich will keine Abgrenzungen zwischen mir und dem Rest der Band kreieren.“
Die Band, von der Abstrakt-Frontrapper Jesse Levine spricht, sind Alex Frankel, Ben Fries, Nick Millhiser, Andrew Raposo und Morgan Wiley. Sie müssen sich mit ihren Gitarren, Bässen, Moogs, Keyboards, Mikrofonen (für den Refrain) und dem Schlagzeug stellenweise zurückhalten, um den trockenen Band-Rap-Funk nicht überladen wirken zu lassen. Als Sahnetüpfelchen haben die beiden platinbeschwerten Hitmacher Tim Goldsworthy und James Murphy von DFA Automatos wohldosierte Soundeskapaden zu einem nach der Quersumme von Cannibal Ox, Sole, Al Green, Wu-Tang, André 3000, Coltrane und den Talking Heads klingenden Ganzen verwoben: “Wenn man berücksichtigt, wie schwierig es war, überhaupt jemanden zu finden, der unseren Sound versteht, kann ich mir nicht vorstellen, dass wir nicht auch in Zukunft mit ihnen arbeiten werden. Wie dem auch sei, die Platte wurde vor dem ganzen DFA-Hype aufgenommen, und jetzt bleibt uns nur zu hoffen, dass wir es uns in Zukunft leisten können, von ihnen produziert zu werden. Die beiden sind zwei der wenigen (wenn nicht die EINZIGEN) Leute in NYC, die den Hype wirklich verdienen. Sie sind wirklich genauso talentiert, wie es von den beschissensten Magazinen behauptet wird. Ich kann mir leider kaum vorstellen, dass es in Zukunft leicht sein wird, sie für sechs Monate zu bekommen.“ Wenn genügend Kleingeld eingeschmissen wird, sollte aber auch das klappen.

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Elektronische Lebensaspekte.