Der New Yorker Klamauk-Rapper Biz Markie hat sich eine lange Release-Pause gegönnt und nach jahrelangem Party Rocken als DJ jetzt ein neues Album gemacht. Und es stimmt: Biz Markie ist ein unfassbares Phänomen.
Text: Jan Kage aus De:Bug 76

Nobody phones the Biz

Telefonieren tut man mit Promotern, mit Mutti oder wenn man sich verabredet. Ansonsten sucht man nach Möglichkeit eine direkte Aussprache oder schreibt eine e-mail. Es sei denn, man will zum Beispiel ein Interview mit einem Amerikaner machen, der so berühmt ist, dass er es zeitlich nicht schafft, nach Europa zu kommen. Oder keine Lust hat, nach Europa zu kommen, und so berühmt ist, dass er es sich leisten kann, den Euro-Markt stiefmütterlich zu behandeln. Dann macht man mit ihm einen so genannten “Phoner”, also ein Telefoninterview. Ist praktisch, die Plattenfirma spart sich den Flug und der Star die Zeit. Der Leser merkt es eh nicht. Interview ist Interview. Hat man es mit sehr berühmten und entsprechend launigen Typen zu tun, platzen solche Phoner schon mal.
Ein anderer Stolperstein im Phonerbusiness sind die Phoney-Phoner, vor denen mich unlängst ein Hamburger Kollege warnte. “Leg dir ein paar Fangfragen zurecht, die nur der Künstler beantworten kann”, war sein gut gemeinter Rat, als ich ihm erzählte, dass mein Biz-Markie-Phoner wegen angeblicher Krankheit des Rappers geplatzt sei und die darauffolgende Woche wiederholt werden sollte. Fangfragen: Was kann ich über Biz Markie wissen, was irgendein New Yorker Promoter-Typ nicht wissen wird?
Seinen Auftritt beim letztjährigen Splash-Festival vielleicht, den er, auf einem Stuhl sitzend, weil inzwischen zu schwer und schwitzend, glamourös inszenierte. Ja, das vielleicht. Aber kaum kam ich in die Redaktion, um erneut mein Telefon-Glück herauszufordern, rief die deutsche Promoterin wieder an, es täte ihr sehr leid, was ich ihr ohne weiteres glaubte, und sagte ab. Stolz hin, cool her: Ab einem gewissen Punkt reagiert man schnippisch. Na, denn halt nicht!
Und nun doch: Also, Biz Markie hat eine neues Album. ”Weekend Warrior” heißt es und ist nicht schlecht. Es ist sein erstes Album seit bald zehn Jahren. HipHop hat er hierfür nicht neu erfunden, aber das war ja auch weder nötig noch zu erwarten. Wer eine Persönlichkeit wie Biz Markie besitzt, könnte auch zu fünfzig Minuten Tamburin rappen und würde dabei gut unterhalten. Markie ist sich, was Themen und Flows angeht, weitestgehend treu geblieben. Und wer “Just a Friend” liebte, wird den Titel “Friends” wohl auch mögen.
Biz erklärt die Pause in seiner Promotion-Bio so: “Ich wollte von vorne anfangen und DJen lernen. Mir wurde rappen langweilig, weil Rap nicht mehr das Gleiche war wie früher.” So hat sich Biz Markie in den letzten zehn Jahren vor allem als DJ auf Promi-Parties verdingt und bei Men In Black II an der Seite von Will Smith ein beatboxendes Alien gespielt. Einen seiner Promi-Party-Gastgeber konnte er zur Kooperation bewegen. So findet sich ein P.-Diddy-Feature nebst der ausgekoppelten Elephant-Man-Kollaboration auf dem Album.
Das Sampling beruht auf Wohlbekanntem, was angesichts seiner Geschichte – Anfang der Neunziger musste er Präzedenz-Verfahren durchstehen – nur sympathisch ist.
Biz: “Wir hatten bei ‘Weekend Warrior‘ ca. 20 Platten, die wir nicht klären konnten, weil einige der gesampelten Künstler lachhafte Geldsummen haben wollten, obwohl wir nur ein ‘boom‘ oder so benutzt haben. Die wollen allein dafür 50.000 $. Die sind alle verrückt. Ich erinnere mich an die Zeit vor dem Verfahren, als wir alles gesamplet haben und überhaupt niemandem was gezahlt haben.”
Quintessenz: Alles beim Alten. Nobody beats the Biz! Vor allem nicht am Telefon.

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Elektronische Lebensaspekte.