Mit Dabrye hat der trockene Instrumental-HipHop einen neuen Helden. Und das ist nur der Anfang einer wundervollen Geschichte....
Text: Clara Völker aus De:Bug 73

Jung und unbekannt, aber großartig

Vertrackt und sprachlos
Dabrye

Dabrye macht definitiv mit die cleversten, lässigsten und elegantesten HipHop-Beats. Was man leicht übersehen kann, da er einerseits bisher nie mit MCs zusammengearbeitet hat und andererseits seine Platten bisher auf Ghostly International und Eastern Developments rausgebracht hat, was ja nicht gerade traditionelle Raplabel sind. Der Weg in den HipHop-Fachhandel ist also nicht unbedingt vorbestimmt, es lohnt sich aber auf jeden Fall, nach seinen Platten zu suchen. Denn Dabryes Instrumentals haben alle einen schwindelerregend coolen Klang und rocken mit ihrer niedlichen Melodiösität und unpompösen Gigantik maximal, auch ohne Stimme. Aus einem eher putzigen Städtchen bei Detroit kommt Dabrye, von Geburt an Tadd Mullinix genannt. Eine kleine hippe Studentenstadt ist dieses Ann Arbor in Michigan, aber seiner Ansicht nach sehr nett, weil viele Musiker da wohnen und es deswegen für ihn zu einer konstruktiven musikalischen Umgebung geworden ist. Tadd Mullinix macht nämlich nicht nur verquere HipHop-Instrumentals, sondern ist vielseitig unterwegs und produziert auch “experimentelle Elektronika, Techno+Acid+JackTraxx und Ragga-Jungle“. Für seine anderen Projekte hat er sich der besseren Klassifizierbarkeit wegen andere Namen ausgedacht, neben Tadd Mullinix James Cotton oder SK-1, HipHop macht er als Dabrye. Dabrye ist übrigens ein ausgedachter Name, Tadd Mulllinix fand, dass die Buchstaben sich zusammen gut machen und nett anzusehen sind, ausgesprochen wird es ”dahbrie”. Die räumliche Nähe seines Wohnorts Ann Arbor zu Detroit wirkt sich natürlich auch auf Tadd Mullinix Musikgeschmack aus: “James Cotton ist beeinflusst von Mayday und Jeff Mills (the Wizard), Electrifyin Mojo, Juan Atkins and Cybotron. Ich habe ihre Platten gekauft und aufgelegt, als ich ’97 mit dem DJen angefangen habe. Ich mag auch viel Ghetto Tek.“ Seinen Produktionen als Dabrye, die mit PC und diversen anderen Geräten entstehen, hört man die Nähe zu Techno positiv an. Dabei findet er es am wichtigsten, eine erkennbare Originalität zu haben, wozu seiner Meinung nach ein “gutes und erwähnenswertes Konzept“ und vor allem Stil gehören. Was Veränderungen nicht ausschließt, seine erste Platte ”One/Three” auf Ghostly findet er “roh“, die zweite,”Instrmntl” auf Eastern Developments, “wärmer und mehr samplebasiert. Mein neuer Scheiß ist rough and rugged.“ Im Endeffekt bleibt die Musik aber unverkennbar und eindeutig Dabrye zuschreibbar.

Skateboarden gegen HipHop-Schock

Es ist erfreulich, mal wieder von jemandem, der keinen Standard-HipHop produziert, zu hören, dass er HipHop gerade wegen seiner dreckigen Unmittelbarkeit und nicht wegen des auch möglichen und inzwischen fast Überhand nehmenden intellektuellen Ausdruckspotentials schätzt: “Ich mag die Art, wie sich HipHop entwickelt hat. Es ist roh und sexy, funky, smoked-out und gefährlich. Guter Techno ist auch roh, sexy, smoked-out und gefährlich.“ Sozialisiert ist Tadd Mullinix schließlich, wie es sich gehört, mit HipHop aus den goldenen 90ern, was “einen großen Eindruck bei mir hinterlassen hat. Ich habe es gehört und bin jeden Tag Skateboard gefahren.“ Umso verwunderlicher, dass er bisher noch keine Platte mit einem MC gemacht hat. Wie kommt’s? “Ich bin einfach eine Weile lang nicht gut mit MCs zurechtgekommen. Für Two/Three arbeite ich mit MCs und es wird bald eine Maxi mit Phat Kat und J Dilla geben.“ Schließlich hat Tadd Mullinix einen eher klassischen und tüfftlerischen musikalischen Hintergrund: “Als Teenager habe ich die meiste Zeit Cello gespielt. In der High School habe ich ein paar Indie/Shoegazer/Punkbands gegründet. Eine andere Kollaboration während der High School war zusammen mit Josh Height von the Detachment Kit. Wir haben altes Casio-Spielzeug an Gitarren-Effektgeräte gehängt und sie darüber modifiziert. Vor 5-6 Jahren habe ich an all meinen Aliasen gleichzeitig gearbeitet und zusammen mit Todd Osborn als SK-1 Rewind! Records angefangen. Als ich in Todds Plattenladen gearbeitet habe, habe ich da Sam Valenti getroffen. Ihm habe ich ein Tape mit allen möglichen Sachen, die ich gemacht hatte, gegeben und das meiste davon dann bei Ghostly untergebracht.“ Inzwischen nennt er so unterschiedliche Leute und Platten wie “J Dilla ’Rough Draft’, Jaylib, alles von Jamal Moss aka Hieroglyphic Being, die Voigt Brüder und Kompakt Freunde, T.Raumschmiere, Todd Dockstader, Old Chicago Jack Traxx und Chicago/ Cologne Acid“ als Lieblingsmusik und macht außer Musik was? “Ich skateboarde, rauche und mache Liebe. Aber nicht in der Reihenfolge.“ Aha. Die Musik ist jedenfalls sehr gut.

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Elektronische Lebensaspekte.