Nicht nur in seinem britischen Heimatort Brighton lungert DJ Format mit Vorliebe in Plattenfundgruben rum, besitzt er doch einen tragbaren Kinderplattenspieler. Der hat ihm bei der Produktion seines Albums gewiss treue Dienste geleistet. Dort hört man neben einigen MCs vor allem dicke Beats mit Hang zum pompösen Funk.
Text: Ekrem Aydin aus De:Bug 70

Beats für die Ewigkeit

Im letzten Sommer erschien eine seltsame Single mit dem bezeichnenden Titel “Ill Culinary Behaviour”, auf der ein MC vom Betreten bis zum Verlassen der Wohnung eines gewissen DJ Format, unter dessen Namen diese Platte erschien, die notwendigen Dinge für eine erfolgreiche Studiosession auf eine Art gerappte Speisekarte packte. Auffallend war nicht nur das Thema, sondern auch die Musik und die Art, wie sie produziert wurde, denn beides gehört definitiv in die Zeit, in der HipHop noch Spaß machen durfte. Auf der zweiten Seite dann “Last Bongo In Brighton”, eine energiegeladene Uptempo-Nummer, zusammengehauen aus unzähligen Classic-Breaks und Funk-Samples, wie es berufsverwandte à la Cut Chemist oder DJ Shadow nicht besser machen könnten. Letzterer überschüttete DJ Format dafür auch kräftig mit Lob: “Es war eine große Überraschung für mich, als ich auf Shadows Website die lobenden Worte über meinen Track ‘English Lesson’ lesen konnte. Ich hatte mich nicht getraut, die von Steinski angefangene ‘Lessons’-Reihe, die DJ Shadow (‘Lesson 4’) dann vor Jahren wieder aufgriff und Cut Chemist (‘Lesson 6’) fortsetzte, einfach nur Lesson 5, 7 oder 8 zu nennen. Aus reiner Ehrfurcht wählte ich den Titel ‘English Lesson’, denn es war ja ihr Baby.”

I drive Jurassic Five

Die Freude wurde noch größer, als DJ Format, der im wahren Leben Matt Ford heißt, die Chance bekam, Jurassic 5 bei deren erster Tournee als Fahrer durch halb Europa zu chauffieren. In den beiden DJs/ Produzenten der Crew, Cut Chemist und Nu-Mark, fand er schnell zwei Gleichgesinnte und zusammen plünderten sie jeden Plattenladen zwischen Formats Heimatstadt Brighton und Warschau. Bewaffnet mit einem kleinen Fisher-Price Portable Plattenspieler wurden bei dieser Fahrt die Sounds für weitere Projekte gefunden und der Sammlung einverleibt. Eine Eigenschaft, die Format sehr pflegt, denn auch für die beiden Interviewtage in Köln und Paris hat er immer einen Zusatztag für seine Leidenschaft eingeplant. Und als sei es zum Beweis nötig, zückt er besagten Plattenspieler aus der Tasche und spielt die gerade erworbene Platte einer tschechischen Big Band an, die es verdient hat, in unzählige Soundfragmente zerstückelt und dann in einem neuen Track getarnt wieder belebt zu werden. “Es ist in jedem Fall als Vorteil zu werten, dass ich meine Musik mit Sounds aus Europa aufnehmen kann. Unsere Quellen sind bei weitem noch nicht so verbraucht wie die der Amerikaner.” In der Tat, es finden sich kaum bekannte Samples oder Drumsounds und trotzdem klingt alles so vertraut, fast schon nostalgisch. Der Albumtitel “Music For The Mature B-Boy” erklärt dann auch warum. Es handelt sich um Musik, die im Geist der Pioniertage des HipHop bis hin zum Golden Age Mitte der Neunziger aufgenommen ist und überhaupt nicht versucht, mit aktuellen Produktionen Schritt zu halten. “Für mich war dies die beste Zeit, denn es steckte soviel Spaß in allem. Die Art und Weise, wie damals produziert wurde, war großartig. Egal was ich hörte, ich wollte alle Scheiben haben und auch die, die dafür gesampelt wurden. Dieses Gefühl fehlt mir bei neuen Sachen fast immer, auch wenn sie deswegen nicht unbedingt schlecht sein müssen. Sie entsprechen nur nicht meiner Philosophie von Musik und Beats.”

Mit genau dieser Philosophie und in klassischer Tradition ist dann auch das Album entstanden. Kein Keyboard, keine Ghetto-, Geld- und Rachetexte, sondern schöne Funk-, Jazz- und Soul-Samples garniert mit Gästen wie Abdominal aus Toronto, Akil & Chali 2NA von den Jurassic 5 oder The Aspects aus England. Ein Album, wie man es so nicht aus Europa erwartet hätte und das sich von englischen HipHop-Produzenten-Alben à la The Creators, Unsung Heroes oder The Next Men abgrenzt, da es trotz der amerikanischen Produktionsweise kein amerikanisches Album ist. Es ist ein DJ Format-Album, und deshalb gehört auch mehr als die Hälfte seinen Instrumentals.

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Elektronische Lebensaspekte.