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Mike Ladd – Welcome to the afterfuture [Ozone Music] Der Titeltrack war Ô98 auf der B-Seite seiner Big Dada-12″ ÔBlah BlahÕ, und auch der Rest des Albums scheint zum Größtenteil aus den letzten 5 Jahren zusammengetragen zu sein.. Sein Debutalbum von Ô97 hat hierzulande kaum einer wahrgenommen (inkl. mey(n)er selbst), doch mit seinem aktuellen Prototyp afrofuturistischer Poetry sollte Mike ÔStarship NiggaÕ Ladd einige Aufmerksamkeit geschenkt werden. Schließlich weiß der Mann nicht nur ein äußert faszinierendes Gemisch aus SF-Metaphern mit political consciousness zu verbinden, sondern das Ganze auch noch höchstpersönlich (all Songs written, performed, produced, programmed & mixed by ML!) in selten gehörte Kombinationen aus Hip Hop, Free Jazz und freestyle Electronic einzubinden. Wer die kleine Erde vom Universe 77777 (gleich neben Sun Ras Hütte) aus betrachtet, der hält sich natürlich nicht mit kleinkarierten Genregrenzen auf, um seinen social impact einzubinden. 5 Punkte MEYER Hundred Strong – Strenght of a hundred [Hombre] Jazzinfiziertes Producer-Album, bei dem neben Flöte, Akustikgitarre und Streichern vor allem die omnipräsenten Kontrabass-Samples auffallen. Wenn diese Beschreibung nach Lounge-Jazz klingt, muß ich korrigieren: nervöse Freigeister-Stimmung wühlt sich permanent an die Oberfläche. Die höchstens semibekannten MCÕs (von denen All Natural mit Abstand die populärsten sind) arbeiten der open minded Stimmung zuverlässig zu. 5 Punkte MEYER V/A – Universal DJ Invasion [M-Pire Rec.] Turntablism-Compilation mit Leuten aus Deutschland, der Schweiz, Österreich und einmal GB, die ganz schön weit vorne mitspielt: Beatgefleddere und Soundabstraktionen bis zum Anschlag. Wäre ÔflowÕ die kompakteste Definition von Hip Hop, dann hätte auf dieser CD jedenfalls das wenigste damit etwas am Hut: hier ist stolpern bis (klar:) zum umfallen angesagt! Das Vinyl wird u.a. von Marius No.1, Stylewarz, Noisy Stylus und den Waxolutionists malträtiert. Have fun! 4-5Punkte MEYER Mirage – Life is a rhythm [Good Vibe] 5-Tracker aus dem Hause Good Vibe, bei dem die klassischen Gang Starr (2. & 3. LP) Pate standen: Jazzy-Loops drehen beständig ihre Kreise und werden nur von den leicht dissonanten Refrains aufgebrochen. Mirage ist allerdings etwas agiler als Guru, und die Beats kommen ebenfalls fetter, Gang Starrs kontemplative Connaisseur-Stimmung steht hier also nicht so sehr im Vordergrund. 4-5 Punkte MEYER Royal Fam Ð Yesterday, today, iz tomorrow [Wu-Tang Rec.] Trotz des Labels ist die Royal Fam Wu-Tang freie Zone (der letzte Track ist allerdings doch von RZA produziert).Verwandtschaften sind jedoch auszumachen: am deutlichsten erinnert der fette, metallische Sound an Method Man, doch die deepness, die die Royal Fam hier verbreitet, ist selbst im Vergleich zu Meth beeindruckend und liegt anscheinend nicht einmal in übermäßigem Drogenkonsum begründet! 4 Punkte MEYER Styles of Beyond/Ugly Duckling [Loosegroove] Auskopplung aus der The Funky Precedent-Compilation: dementsprechend verbreiten die beiden Tracks von Styles of Beyond und Ugly Duckling Funky-Old-School-Flavour. Styles of Beyond eher trocken und schnörkellos (in diesem Fall ein Synonym für unspektakulär), Ugly Duckling mit verträumtem Gitarrenklimpern sehr anschmiegsam. 4 Punkte MEYER V/A – Decks ÔnÕ Mics [Deck8] Okaye bis sehr gute Compilation mit deutschem Hip Hop ohne nennenswerte lyrische Peinlichkeiten. Im Gegenteil: hier zeigt sich, daß es anscheinend doch noch eine gewisse Vielfalt an Issues gibt und sogar Battle-Texte wieder Spaß machen können (der Freestyle von Main Concept und Blumentopf ist auch äußerst kurzweilig). Musikalisch ist hier mit den Waxolutionists, Main Concept, Dike, Marburg Asozial(!) u.a. auch einiges möglich. 3-5 Punkte MEYER MC Rene – Zieh Dir das rein [F-Rec] MC Ren, back on the scen… mit einem Track, der wie ein netter Partytune daher kommt, gleichzeitig aber auch Renes Verarbeitung seiner Krise und eine Abrechnung mit einigen ehemaligen Kollegen ist. Daß er rappen kann, muß er keinem mehr beweisen, leider ist das musikalisch (abgesehen vom uplifting Sleepwalker-Mix) alles eher mau. 3-4 Punkte MEYER Beanie Sigel – The Truth [Roc-A-Fella] Der Jay-Z-Zögling mit seinem Debut-Album, auf dem Jay-Z dann auch gleich 3 Gastauftritte hat. Wer jetzt vermutet, Beanie Sigel sei einfach Jay-Z No.2, hat vielleicht sogar Recht. Allerdings ist Sigels Platte langweiliger als das meiste seines Protegées (Ausnahme: Mac Man). Also: just another Mainstream-Hip Hop Production! 3 Punkte MEYER

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Elektronische Lebensaspekte.