Underground Resistance ist nicht nur Techno. Neben Juan Atkins’ Label “Interface” ist vor allem “Hipnotech” der verlängerte HipHop-Arm des Submerge/UR-Imperiums. Hier verschmilzt, was in Detroit eh Realität ist ...
Text: Clara Völker aus De:Bug 91

Hipnotech Records

Nein, Detroit ist nicht nur die schrumpfende Hauptstadt von Techno und Booty. Neben Juan Atkins, Jeff Mills, Carl Craig und DJ Godfather kommen auch Eminem, Royce the 5″9′ und Slum Village aus The D. HipHop also, massenkompatibel bis real und in der Massivität der Sounds manchmal deutlich von Techno beeinflusst. Aber nicht nur Jay Dee, der ehemalige Produzent von Slum Village, versteht es, seinen Beats den richtigen Druck zu geben, auch Hipnotech Records sind für fühlbare Sounds bekannt. Hipnotech ist ein “Abkömmling” von dem legendären Techno-Label Underground Resistance und wird übrigens nicht Hipnotekk, sondern Hypno’dig (“hypnotic” in breitem Amerikanisch) ausgesprochen. Das schmälert den Wohlklang des Labelnamens zwar ein wenig, die bisher 15 Releases bleiben aber unberührt und die Mission des Labels ebenso: “Wir haben Hipnotech Records 1999 gegründet, um unsere eigene Musik rauszubringen. Hipnotech ist unserem Style von HipHop gewidmet. Wir nennen ihn Techhop. Techhop ist unsere Version von HipHop, ein Ding aus Detroit. Wir sind von HipHop beeinflusst, aber auch von Techno. In den späten 70ern, frühen 80ern haben wir Sugarhill Gang und Run DMC gehört, aber dann eben auch Juan Atkins und Kraftwerk”, erzählt Keith Butts, der das Label zusammen mit P-Gruv gegründet hat, aber nicht selber releaset. Er ist der Manager. Zwar haben Hipnotech nicht die generelle Medien-Skepsis von UR geerbt, eine Verbindung gibt es aber doch, auf visueller und inhaltlicher Ebene: “Submerge ist unser Vertrieb und Underground Resistance unsere Familie. Wir waren Teil von UR bevor es sie überhaupt gab. 1989 haben Underground Resistance eine Compilation auf Vibe Records rausgebracht, bei der P-Gruv dabei war. Wir sind seit fast zwanzig Jahren Underground Resistance angegliedert.” Die Idee, das Label zu gründen, kam Keith zufolge daher, dass P-Gruv und DJ Dez, der ansonsten Tour-DJ von Slum Village ist und House produziert, einfach massig Tracks rumliegen hatten, die sie rausbringen wollten. Sie sind auch bisher so ziemlich die einzigen Artists, die auf Hipnotech etwas veröffentlicht haben. Zusammen mit Sleepy D aka 3E sind sie Daennac (wird wie “da inner c” ausgesprochen), neben ihnen haben noch Steve Young, MC Shyzt und Geno XO, von dem es auch bald ein Album geben wird, bei Hipnotech Platten rausgebracht. Hauptsächlich 12″s, zwei so genannte LPs, eigentlich eine Maxi mit fünf Beats pro Seite bzw. einer Doppel-12″, und eine CD gibt es bisher im Hipnotech-Katalog. Damit zählen sie nicht gerade zu den größten HipHop-Labeln in Detroit .

Blühende Landschaft Detroit
“Jeder hat hier sein eigenes Label. Eminem’s Shady Records, Barak Records, wo Slum Village veröffentlichen, Rock Bottom Records von Rock Bottom, X-Labs Records mit Dynastie. Es gibt so einige. Der Mainstream ist HipHop, aber es gibt einen Techno-Einfluss in allem. In Detroit kann man auf eine Party gehen, wo der DJ HipHop, R&B und Techno spielt. Bei uns gibt es nicht nur R&B oder Techno, bei uns gibt es alles. Ich glaube, das macht Detroit einzigartig. Das hört man in Jay Dees Sachen sehr gut.” Und natürlich auch in Dabrye’s Tracks, Ghostly Records sind ja geografisch nicht weit entfernt. Mittlerweile lassen Hipnotech allerdings nicht mehr bei NSC mastern, dort wo auch UR mastert, sondern bei Miami Tape, was den sonst extremst räumlichen Klang ein wenig mildert. Der Grund dafür: “NSC sind ziemlich ausgebucht. Sie machen eine Menge Techno-Stuff und um unsere Sachen schneller gemastert zu bekommen, sind wir zu Miami Tape gewechselt.” Dabei geht es ihnen nicht primär um Schnelligkeit und Kurzlebigkeit, sondern im Gegenteil um kontinuierliche Präsenz: “Wir wollen im Spiel bleiben und laufen in unserem eigenen Tempo. Viele Leute, die Platten rausbringen, jagen einem Major-Deal hinterher. Wir lassen uns Zeit, arbeiten an unserer Basis und bringen über Jahre hinweg Platten raus und behalten dabei hoffentlich unsere Gefolgschaft.” Diese schätzt Keith Butts auf 50.000 Fans, da von der ersten Hipnotech Platte wohl an die 10.000 verkauft wurden. Dennoch: “Wir verfügen nicht über die Finanzen, um das Maschinen-Ding zu machen, bei dem jeder bezahlt wird. Aber ich glaube, wenn man gute Musik macht, erreicht man auch die richtigen Leute.” Es geht bei Hipnotech nicht so sehr um HipHop, als vielmehr um den Beat. Und für den braucht man ja bekanntlich nicht viele schmückende Worte.

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Elektronische Lebensaspekte.