Heiko Hansen berichtet über das Royal College of Art London, an dem er "Computer Related Design" studierte. Weitere Zwischenstops von ihm waren die Hochschule für Bildende Künste Hamburg und das Medialab Helsinki, aber die rücken wir jetzt mal in den Hintergrund. Zur Zeit arbeitet er am "Institute for Media Communication" der Gesellschaft für Mathematik und Datenforschung bei Bonn (sozusagen dem deutschen MIT) und wirkt bei "netzspannung.org" mit. Und ganz nebenbei betreute er im Sommer einen Workshop am neugegründeten Design-Institut "Interaction-Ivrea" um die Ecke von Turin, Italien.
Text: heiko hansen | heiko@heiko.freeserve.co.uk aus De:Bug 53

design/hochschule

Royal College of Art/ London
Computer Related Design

Ich habe knapp zwei Jahre lang “Computer Related Design” in London studiert. Trotz der kurzen Zeit und der allgemeinen Hektik bekommt man viel mit von der Stadt. Das Institutsgebäude liegt im historischen Dreieck zwischen Hyde Park, Albert Memorial, Royal und Albert Hall. Bis zu den netteren Gegenden z.B. nach Notting Hill braucht man mit dem Fahrrad allerdings eine ganze Weile. Aber nebenbei gesagt, ist London auch keine Stadt für Fahrradfahrer, denn die werden dort überhaupt nicht ernst genommen. Will man sich dennoch fortbewegen, braucht das Zeit, Reiselust und Spaß am U-Bahn fahren. Ich kann sagen, das London und das RCA vor allem durch die interessanten Leute besticht, die man während der Zeit trifft. In meiner Zeit kamen Gäste zu Lectures wie Ettore Sottsass, Salman Rushdie, Luigi Colani, Laurie Anderson, Tom Dixon, Prince Charles, Antirom, Tomato und Alexei Shulgin. Und die soziale Infrastruktur ist einfach weit wichtiger als die räumliche und technische Ausstattung. In Kensington, dort wo die Schule liegt, sind die Mieten so teuer, dass alles auf kleinstem Raum funktionieren muss, jeder hat mit einem Schreibtisch auszukommen. Was dann auch kein Problem ist. Auch sonst gehen schwierige Sachen im Nu. Im Schnellverfahren wird den Anfängern, die noch kein Basiswissen haben, die Standardtechnologie beigebracht. Die Schule bietet übrigens ausschließlich Postgraduierten-Studiengänge an. Vielleicht sorgt das dafür, dass die Designausbildung insgesamt straffer organisiert ist als an deutschen Kunsthochschulen. Besonders gegen Ende der Ausbildungszeit wächst der Druck, da es keine Graduierung, sondern nur “bestanden” oder “nicht bestanden” gibt. Ich habe hier vor allem gelernt, prozessual zu denken und zu entwerfen. Das ist auch für die Zeit nach dem Studium sehr nützlich. Ach so, man sollte sich nicht von den hohen Studiengebühren und den Auflagen abschrecken lassen, es gibt die Möglichkeit, von der Schule finanziell Unterstützung zu bekommen.

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Elektronische Lebensaspekte.