Desirée Heiss aus Paris hat sich mit Ines Kaag aus Berlin zusammengetan, um innerhalb des Systems "Fashion" ihr Spiel mit seinen Regeln zu treiben. Seit 1997 entwickeln sie jede Saison keine Kollektion, sondern ein Produkt, das dann in limitierter Auflage erhältlich ist. Neben Kooperationen mit "Bulgari", "Adidas" und "Colette", erhielten sie dieses Jahr den "ArsViva" Preis des Kulturkreises der Deutschen Wirtschaft.
Text: Desiree Heiss aus De:Bug 54

Angewandte Universität Wien, Mode Design

Zwischen 1990 und 1994 habe ich an der Angewandten Universität in Wien Mode studiert. Schon allein die Lage mitten im Zentrum, die Räumlichkeiten und sogar die Mensa kann ich nur empfehlen. Besonders in Erinnerung geblieben ist mir eine entspannt träge Atmosphäre, die vielleicht von der österreichischen Mentalität herrührt. Durch die geringe Zahl der Studenten bekommt man guten Kontakt zu Studenten verschiedener Studienrichtungen. Was die Lehre selbst angeht, hängt es an dieser Uni wie beinahe überall sehr vom einzelnen Studenten ab, wie viel er lernt. Man kann, darf, muss sich das meiste selbst einteilen, daher arbeiten manche Studenten immer, andere eher weniger. Viel geholfen haben uns die wirklich hochqualifizierten, sehr netten und hilfsbereiten Assistenten. So hat man den großen Freiraum gut genutzt und Experimentierfreude entwickelt. Der Bezug der Realität ging dabei zwar ein wenig verloren, aber das kann sich inzwischen auch wieder geändert haben.
Gastprofessoren haben nur Zwei-Jahresverträge und wechseln daher ständig. Zur Zeit ist Raf Simmons dort. Ich glaube, dass er sicher praxisbezogenere Projekte anbietet, als das zu meiner Studienzeit der Fall war. Durch den ständigen Wechsel der Gastprofessoren (auch in anderen Studienbereichen ) kommt eine interessante Mischung zustande. Ein Vorteil ist, Lehrer zu haben, die parallel in den jeweiligen Berufen tatsächlich arbeiten und so ihre Erfahrungen weitergeben können. Ich als “Mädel vom Land” habe dort meinen Modebegriff, der sich bei Studienbeginn irgendwo zwischen “Brigitte” und “Petra” definierte, erstmal gründlich revidiert. Frida Parmeggiani und Helmut Lang waren rückblickend gesehen maßgeblich an meiner weiteren Entwicklung beteiligt. Als Nachteil habe ich eigentlich nur die typisch österreichische Freunderlwirtschaft unter den Professoren, die den Theorieteil abdecken, empfunden. Die legendärste Anekdote bleibt wohl die, dass Vivienne Westwood während ihrer Gastprofessur einen ihrer Studenten geheiratet hat. It´s all possible there.

About The Author

Elektronische Lebensaspekte.