Der Mann, der malt wie Antonioni filmt, so 60s pastelhipstermäßig, David Hockney, hat eine Ausstellung in Bonn. Beeindruckend viel Wasser mit beeindruckend schlichtem Strich. Gunter Reski fühlte sich gut geduscht.
Text: gunter reski | post@gunterreski.de aus De:Bug 52

kunst

Außer, wenn er Dackel malt
David Hockney in der Bundeskunsthalle Bonn

Qualität von Malerei lässt sich sehr einfach daran festmachen, wie gut jeweils Naturelemente dargestellt sind – so ein Einkaufsratgeber mit Jungsammlertipps von Sotheby’s. Vorausgesetzt, das Abgebildete hat auch nur entfernt mit weltlichen Erkennbarkeiten zu tun. Wem das als Bewertungskriterium zu heikel ist, kann es probehalber mal auf das Naturelement ‘Manneskraft’ bei Jackson Pollock anwenden. Borderlinejournalismus lohnt sich öfter, als man denkt. David Hockney hat diesen Testmoment besonders souverän gelöst. Er kann Wasser malen, dass es Durst löscht. Er kann Wasser malen, dass man es nahezu verdunsten sieht. Wahrscheinlich könnte er auch Wasser malen, das es sprechen kann, wenn er nur wollte. Hockney malt dann vermeintlich ungelenk ein Netz von kalkigen Schlenkerlinien auf billigtürkisem Grund, und trotz dieser sehr, sehr naiv-entfernten Darstellungsweise des feuchten Naturelements, bekommt man fast Angst, gleich wird mein T-Shirt nass. Legte man alle von ihm gemalten Swimmingpools nebeneinander, so käme als Gesamtfläche inzwischen sicher ein mittlerer Badesee zusammen. Natürlich ist Hockney viel zu schlau, als dass er einen blöden Baggersee malen würde. Darin kann man hübsche nackte Männerkörper viel zu schlecht erkennen. Wenn das jetzt formal nach enzyklopädistischen Naturstudien klingt, täuscht das über sein weites Motivspektrum von Dackel, Rasensprenger bis zu den Rocky Mountains hinweg. Eigentlich ist sein Rezept für tolle Bilder, denen man immerzu zujubeln möchte, viel zu simpel: Er liebt es zu malen und malt nur das, was er liebt. Ganz klar, dass da etwas in Richtung ‘optimierte Seherlebnisse’ kulminieren muss. Wie man in der Bundeskunsthalle Bonn sehen konnte, fällt sein starkfarbiges, ölhaltiges Spätwerk gegenüber den sehr vielen tollen Bildern aus den sechziger Jahren ab, aber das trübt den beneidenswerten Gesamteindruck seiner Malerei nur unwesentlich. Die vielen verschiedenen Abstraktionsgrade seiner Wasseroberflächenvirtuosität zeigen, wie sinnvoll Abstrahierungsmomente trotz aller modernistisch monochromen Sackgassen immer noch sein können. Man könnte auch ähnlich freudig über den Umstand schreiben, dass Hockney einer der wenigen ist, die überhaupt mit dem Genre “Porträt” umzugehen wissen oder selbst beim “Kubismus” als Ausgangsmaterial keine weichen Knie bekommen. Im letzten Jahr hat er ein Buch (“Secret Knowledge”) über die geheimen Techniken, also optische Hilfsmittel wie die “Camera Lucida” (Konkavspiegel), in der Malerei von anno dazumal bis heute fertig gestellt, das im Herbst erscheinen soll.

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Elektronische Lebensaspekte.