Die elektronische Musik-Szene Hollands ohne Stefan Robbers? Undenkbar. Mit dem Label Eevolute war er schon Anfang der 90er dabei. Und auch die aktuelle Elektronik-Hausse zwischen Amsterdam und Njimegen kurbelt er mit seinem neuen Imprint FFWD entscheidend an.
Text: sascha kösch aus De:Bug 36

/holland FFWD The EEVOLUTION Stefan Robbers, der erste Holländer im All Sascha Kösch bleed@de-bug.de Vielleicht stimmt es historisch so ganz nicht, aber Stefan Robbers erschien mir immer als einer der allerersten holländischen Acts, die die Vorgaben von Transmat und Metroplex, aber auch von diversen Chicagolabeln nicht nur umsetzen konnten, sondern dafür sorgten, dass es auf dem Kontinent eine nicht mehr wegzudenkende Tradition von futuristisch elektronischer Musik gibt. Während Detroit einen Klassiker nach dem anderen aus dem Ärmel schüttelte und sich schon mitten in dem befand, was hinterher Third Wave heissen sollte, in England offiziell Summer Of Love gefeiert wurde und in Deutschland noch die Tiefe Nacht importierter Acidtracks herrschte, begann mit Robbers und seinen ersten Platten auf Djax Up, das ohne ihn vermutlich gar nicht entstanden wäre, und eben nicht immer einfach ein Technolabel war, das nächste Zeitalter elektronischer Musik auf dem Kontinent. 1989. Sein eigenes Label Eevolute setzte dann konsequent den von Carl Craig beschrittenen Weg fort und hatte einen immensen Einfluss auf das tiefere Verständnis von Detroit, einfach schon deshalb, weil es einem die Stadt und “ihren” Sound in aller Perfektion plötzlich vor die Haustür holen sollte, vor allem aber zeigten sich dort mit Max404, Hans Veenemann usw. die ersten Ausblicke auf eine konsequente Elektronikszene Hollands. Merkwürdig, dass gerade er, vermutlich sogar wegen des Namens, mit Acid Junkies Jahre später zu einem der Vorreiter des grossen Acidrevivals in Deutschland werden sollte. Merkwürdig auch, dass trotz des ultrafrühen Beginns die Elektronikszene in Holland in den folgenden Jahren trotz vieler guter Releases hierzulande nie wirklich ankam, und dass gerade jetzt, wo die Acts überall in Holland wieder aus dem Boden zu schiessen scheinen, Stefan Robbers sich mit einem neuen Label FFWD zurückmeldet und nur an die Zukunft denken möchte. Robbers: Ja, es war alles sehr, sehr neu. Es gab damals, so 1998, 1990, eine sehr kleine Gruppe von Producern, die stark vom Detroit- und Chicagosound beeinflusst waren. Neben mir und natürlich Speedy J waren es Leute wie Human Beings, 2000 & One (aka Dylan Hermelijn, der vermutlich die erste holländische 303 Platte gemacht hat), Orlando Voorn, Fierce Ruling Diva (Jeroen Flammen & Abraxas), Quasar (Gert van Veen), A-Men, Eddy The Clerq, Hollands berühmtester DJ, der House nach Holland gebracht hat mit seinem Roxy Club in Amsterdam. Mich hat damals der Detroit- genau so wie der Chicagosound motiviert, ein wenig noch London. De:Bug: Mir scheint es, dass, verkürzt gesagt, danach schnell eine Phase kam, in der Djax sich auf die härteren Chicago Tracks konzentrierte, sehr viele nur noch Acid produzierten. Und als der Gabba Onslaught begann, stand Holland für gnadenlose Ravemusik. Robbers: Das ist wirklich eine recht simple Herangehensweise an die Geschichte. Aus unserer Perspektive sieht das ganz anders aus. Während sich die Szene in Deutschland sehr schnell sehr massiv entwickelt hat, nachdem sie so spät anfing, passten die holländischen Label wohl dort nicht so recht. Viele haben sich ständig den gesamten Trends gegenüber vollkommen indifferent verhalten. Sicher gibt es eine Hardcoreszene in Holland, schliesslich haben die Holländer sie erfunden, und sie existiert auch immer noch und hat ihren Platz auch in der Entwicklung elektronischer Musik auf einer grösseren Timeline, wo alles seine Wirkungen hat. Debug: Mit der nächsten Welle, Labeln wie Sigma, U-Track und dem immensen, aber nicht immer ganz stabilen Vertriebenen-Output der Bunker Szene schien sich dann die breitere Grundlage für das zu entwickeln, was man heute als die holländische Elektronik Szene beschreiben könnte, und die grade jetzt erst wieder sehr, sehr aktiv ist. Robbers: Ich dachte auch lange Zeit, dass die Leute, die sich um Qualität und Innovation kümmern, verschwunden wären. Es hat mich sogar demotiviert, aber ich musste dann feststellen, dass es einfach nicht stimmt. Sie bewegten sich einfach in eine abstraktere Ebene, die ich sehr mochte, der ich gefolgt bin, ohne es zu wissen. Es ist ein kleines Movement, aber sehr steady und mit einer brillianten Zukunft, wenn man sich nicht um die Verkaufszahlen kümmert. Ich betrachte es als Hobby. Eins, das allerdings kein Minus machen sollte. Debug: Spielen Städte in der Entwicklung der elektronischen Musik, regionale Szenen, eine wichtige Rolle? Robbers: Sicher hatte jede Stadt, zumindest am Anfang, ihre Spezialitäten, aber das ist auch recht albern, weil es ja die Menschen sind. Ich würde sagen, die aktivsten Städte waren Eindhoven, Amsterdam, Rotterdam und Utrecht, später auch Den Hague. Utrecht ist im Laufe der Zeit vielleicht etwas untergegangen, dafür ist Njimegen weiter. Debug: Was hat dich dazu gebracht, jetzt ein neues Label zu starten, FFWD, während es doch immer noch Eevolute gibt? Robbers: Ich glaube, die Kommerzialisierung hat viele Momente, die gut waren, zerstört, im Nachhinein unerträglich gemacht. Und da ist es eben die Zukunft, die einen trägt. Es gibt an der Vergangenheit nichts zu ändern, aber die Zukunft ist wichtiger. Die Arovane EP auf FFWD war deshalb die erste, weil sie einen guten Ausblick auf das, was FFWD erreichen will, geben sollte. Auf Eevolute erschien es mir einfach eine zeitlang nicht interessant, Musik zu veröffentlichen. Meine Musik bezieht sich ja immer schon auf Stimmungen, Emotionen, Geist. Aber es ist ein bisschen so wie das Treffen mit einem Buchautor während meiner Highschool-Zeit. Man sagte von seinen Schriften, es sei alles autobiographisch. Aber er erklärte mir, es wäre komplett Fiction. Die Herausforderung, sich immer weiterzuentwickeln.

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Elektronische Lebensaspekte.