Große Spielfilme werden durch ein "Making Of" im Vorfeld beworben. Dieses Making Of wird immer öfter durch Videoblogs ersetzt. Die sind zwar oft längst nicht so autonom, wie sie behaupten – unterhaltsamer aber allemal.
Text: Verena Dauerer aus De:Bug 98

Wie der Videoblog kommerzialisiert wird

Mit Blogs wird mittlerweile eine Menge kommerzieller Schabernack getrieben. Auch Hollywoodproduktionen versuchen nun für ihre Verhältnisse geradezu hurtig, neue Techniken und Plattformen kommerziell zu nutzen: Bei Mammutvorhaben wie “King Kong” oder demnächst “Superman Returns” begleiten Vlogs mit regelmäßigen Sendungen, den Videocasts, die Produktion eines Films: Zur Produktbindung im Vorfeld werden halb charmante, halb dilettantische Videoberichte vom Drehbeginn bis zum letzten Tastengriff in der Postproduktion ins Netz gestellt. Ist das mal wieder der Ausverkauf der Mittel der Grassroots-Bewegung? Zumindest werden sie zum Marketing-Faktor ausgebaut und die Ergebnisse natürlich auch dank BitTorrent verbreitet.
So ein Videocast ist natürlich viel lässiger als das übliche “Making Of” mit seinem faden Promomaterial. Es will vor allem keine Standardfloskeln der Crew zum Film. Gedreht wird für “jugendliche” Fans, zielgruppengerecht verwackelt mit der DV-Kamera und der Schnitt gestaltet sich dementsprechend schnell. Das fertige Videocast steht dann alle paar Wochen auf den Seiten. Dabei geht man im besten Fall an die Technikabteilungen ran und befragt die Kameracrew und die Set-Designer, später die sfx-Nerds, die Animatoren und all die anderen, die an der Postproduktion feilen. Es ist ja nicht so, dass die Bunte ans Set kommt und zeigt, wie “King Kong”-Regisseur Peter Jackson im Gorillakostüm für das Motion Capturing in der Nase popelt oder wie Superman Bryan Singer wirklich ist, wenn er morgens seinen Kaffee trinkt. Das kann aber vorkommen und ist meistens unterhaltsam.
Im schlechteren Fall wird herumprobiert, aber das Medium nur zögerlich bis uninspiriert angetastet: Bei “Hitchhiker`s Guide To the Galaxy” wurde ein luschiger Blog während der Dreharbeiten offensichtlich aus Ratlosigkeit aufgegeben. Der Videoblog zu David Cronenbergs “A History of Violence” bleibt ungeschmeidig und zeigt großteils banale Aufnahmen vom Regisseur auf dem Filmfest in Cannes oder wie der Autofetischist in eine Filmkarre steigt.

Bildung der Öffentlichkeit

Ein herausragendes Exemplar ist dagegen der Vlog KongisKing.net zu “King Kong”. Das kommt zunächst aber wirklich aus der Hardcore-Fangemeinde selbst. Seine Macher besuchten schon bei der “Herr der Ringe”-Trilogie das Set und ließen sich über jedes Detail auf TheOneRing.net aus. Sicher wird auf KongisKing.net betont, nichts mit der offiziellen Seite von Universal zu tun zu haben – beide sind aber miteinander verlinkt. Rechtlich arbeitet der Blog mit dem Copyright des “Fair Use”, darf also Filmmaterial und Bilder in der Grauzone zur “Bildung der Öffentlichkeit” verwenden.
KongisKing.net zeigt, wie aus kleinsten Details ausgetüftelt ein künstliches Ganzes zusammenmontiert wird: Von der Retusche der Einzelbilder mit Photoshop bis zu den Soundarrangements wird alles durchexerziert. Wie für einen Werbetrailer werden einzelne Instrumente wie die Perkussion oder die Streicher herausgehoben und sollen die Spannung steigern. Nichts bleibt zufällig, wenn ein vorbeifahrender Zug poltert oder dumpf den Dialog im Vordergrund dramatisiert. Und es ist einfach Entertainment, wenn die DV filmt, wie die 3D-Modeler durch die Bürogänge hüpfen und klettern, um die Bewegungen von King Kong authentisch für ihre Animationen zu rekonstruieren. Der Vlog erhellt vor allem auch die CGI-Manie des Peter Jackson. Der lässt den kompletten Film im “Previz Department” statt eines üblichen Storyboards in 3D vormodeln, “vorvisualisieren”. Am Set fuchtelt er dann mit dem Laptop herum und hält den Schauspielern die Previz-Sequenzen unter die Nase, die sie in etwa nachspielen müssen.
Doch was bei KongisKing.net liebevoll beobachtet wird, wirkt bei bluetights.net manchmal marktgerecht zusammengeklatscht. Beim Vlog zu “Superman Returns” war zwar nicht die Filmproduktion, aber der Comicverlag DC Comics ausnahmsweise schnell und hat den “King Kong”-Blog nachgebaut. Mit Pedanterie – von den Sendungen gibt es säuberliche Transkripte und der Link zum Merchandise fehlt nicht. Da wird das Unterfangen spätestens lustig, wenn sich Paparazzi hinter Sonnenschirmen ans Set anschleichen und die Blogger sowohl Singers Kommentar dazu filmen, als auch gleich zu den Fotografen laufen und nach ihrem Equipment fragen.

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Elektronische Lebensaspekte.