Drei Bohème-Twins auf der Suche nach erwachsender Identität
Text: Anton Waldt aus De:Bug 149

Die Missverständnisse gehen in diesem Buch schon mit dem Titel los: “Home” bezeichnet nämlich nicht den Block, an dessen Ecke es cool und kleinkriminell abzuhängen gilt, sondern die “Heimat” in Homeland Security, für die jeder “Boy” aus Pakistan erstmal ein bombenlegender Terrorscheich ist.

Diese paranoide Heimatschutz-Mentalität ist bekanntermaßen als Reaktion auf die Anschläge vom 9. September 2001 entstanden und rund um dieses Datum ist die Handlung von “Home Boy” angesiedelt: Drei Bohème-Twens, Hipster vor dem Herren, ausstudiert und auf der Suche nach einer erwachsenen Identität zwischen Club-DJing, geisteswissenschaftlichem Expertentum und Investement Banking dödeln angetrunken durch New York, das glasklar ihre Stadt ist, und durch die sich die drei Protagonisten im traumsicheren Rausch bewegen.

Dass AC, Jimbo und Chuck pakistanische Wurzeln haben, spielt zunächst keine entscheidende Rolle, aber nachdem die Türme des World Trade Center gefallen sind, kriegen die Jungs mit der vollen Ressentiment-Packung auf die Fresse und die heiter-obskure Éducation-Sentimentale-Story kippt in die trostlose Realität engstirniger Rednecks. Sprachlich kommt Home Boy OK bis passagenweise großartig daher, aber wirklich bemerkenswert ist die Geschichte dann doch nicht. Antiamerikanisch ist sie am Ende ausschließlich im Ausbleiben eines Happy Ends.

H.M. Naqvi
Home Boy
Kiepenheuer & Witsch
http://www.hmnaqvi.com
http://www.kiwi-verlag.de

About The Author

Editor

Musikredaktion

One Response