Gerade haben wir noch Basement Jaxx und The Streets durchgewunken, da stehen schon die Audio Bullys in der Tür, Englands neuester Kumpeltypen-Hype. Wir lassen's uns auf der Zunge zergehen und nehmen schonmal Tabletten gegen Magenverstimmung.
Text: Renko Heuer aus De:Bug 74

Neue Essgewohnheiten gefällig?

Englisches Frühstücksmenü. Ziemlich bunte und fettige Angelegenheit, mit Würstchen, Speck und Eiern. Wirkt irgendwie deplatziert, selbst für meine norddeutschen Augen. Tom Dinsdale, Produzent der Audio Bullys, sieht das anders, nimmt sogar Nachschlag. Um die Uhrzeit. Da man ja bekanntlich ist, was man isst, lassen sich vielleicht aus der Ernährung des neusten britischen Hypes einige Rückschlüsse ziehen.

1. Annahme: Was andere abends machen, kann man ruhig den ganzen Tag tun. Kommt hin, denn “Ego War“, ihr Debüt-Album, ist laut eigener Aussage schon eher für abends konzipiert, aber eben nicht ausschließlich: “Sie ist im Auto cool, im Ghettoblaster, meine Eltern stehen drauf, und dass, obwohl mein Dad früher eher dagegen war, dass ich Musik mache. Er wollte immer, dass ich ’nen 9-to-5 Job annehme.“ Guter Einwurf, vielleicht wussten die Eltern es einfach nicht besser, auch mit dem Frühstück. Denn Tom und sein Vokal-Kollege Simon Franks sind gerade erst knapp über zwanzig.

2. Annahme also: Man isst, was man vorgesetzt bekommt. Ja, auch das trifft es. Nur haben die beiden eine Menge (musikalischer) Väter und dementsprechend viel vorgesetzt bekommen: Pop von Mc Cartney, Funk, French House, Ska, New Wave, Punk, Nineties Rave und natürlich HipHop. Unweigerlich wohl auch The Streets, ihren Vorgänger in Sachen Hype. Alles wird dabei natürlich nicht geschluckt, aber zumindest doch mal durchgekaut, und dann vielleicht wieder ausgespuckt: “Der Vergleich mit Mike Skinner/ The Streets schmeckt mir so langsam gar nicht mehr. Genauso ist es mit Basement Jaxx. Alle müssen immer vergleichen und definieren. In England wird unser Sound schon als Hooligan-House bezeichnet, was nun wirklich irreleitend ist. Wir machen letztlich einfach nur das, was passiert, wenn wir zusammen ins Studio gehen.“ Und das ist meistens recht spontan.

3. Annahme: Gekocht wird, was schnell geht. Ja, so lassen sich die frei assoziierten Textentwürfe von Simon beschreiben. Live variiert er daher auch immer, wobei stets eine Form beibehalten wird: Vorspeise (Strophe) im Brit-Rap-Style, mit glitschigen Eigelb-Anleihen von Slick Rick, dann die deftige Speise im Refrain: Großraum-Disco-Shout-Outs, unbedacht und einfach, die Flasche Wein ist wohl schon auf, eine neue muss her. Soll ja gesund sein.

4. Annahme: Gegessen wird, was gesund ist. Tom: “Ja, die Musik ist schon so etwas wie Self-Medication. Ich mache sonst nicht viel anderes, höchstens mal Billard spielen, aber ich glaube nicht, dass ich klarkommen würde, wenn ich keine Musik machen würde.“

5. und letzte Annahme: Mit anderen kochen macht am meisten Spaß. Auch das kommt hin. Jetzt schon ist eine Remix-Platte geplant. Tom: “Meine Lieblingsgäste wären wohl Method Man und Redman, oder Ol’ Dirty Bastard, der ist schließlich wieder aus dem Knast raus. Ansonsten ist RZA ja viel in der Welt unterwegs, obwohl das auch alles davon abhängt, wem unsere Musik gefällt.“

Davon wird auch abhängen, ob der Hype hierzulande einschlägt. Reichhaltig ist das Menü der Bullys allemal, und wann man es zu sich nimmt, entscheidet letztlich jeder selbst.

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Elektronische Lebensaspekte.