Eigentlich sollte "Greenskeepers" eine Punkband werden. Aber als Nick Maurer sah, wie viel profitabler sich elektronische Musik zusammenkloppen lässt, hat er lieber seine Swinghouse-Satireshow mit Banjoeinlagen und Buddy James Curd so genannt. Eine Pflaume, reif für Derrick Carters Classic-Label.
Text: Oliver Koehler aus De:Bug 70

Wölfe im Schafspelz

Die Debüt-LP der Greenskeepers auf Classic, “Greenskeepers present The Ziggy Franklen Radio Show”, wird gerne mal als Jackass des House, als Output einer Hillbilly Combo und als modernes, musikalisches Pendant zu Monty Python zitiert. Oberflächlich mag die Platte auch den Eindruck erwecken. Oberflächlich! Unterschwellig schwingen dagegen ganz andere Vibes. Und zwar ganz schön subversive, sogar, wenn man sich die Lage der transatlantischen Beziehungen vor Augen führt.

Lass dir einfach mal von Nick Maurer, der in Heidelberg ansässigen Hälfte des Chicago House Duos Greenskeepers, erklären, wie ihr Hit vom letzten Jahr “Should I Sing Like This?” zustande kam. Wüsste man es nicht besser, man würde denken, Johnny Knoxville, umrühmter, masochistischer Anführer der MTV Jackass Posse, würde im Körper von Jimmypop von der Bloodhound Gang sitzen und seinen neusten halsbrecherischen Stunt einleiten: “Heute machen wir einen House-Track.” So erzählt Maurer, wie aus fünf Minuten indifferenter, beinahe beiläufiger Arbeit der Durchbruch in dem eitlen, aufmerksamkeitsgeilen House-Markt gelungen ist. “Eigentlich wollte ich nur noch weg. Das Stück klingt wie jemand, der nur noch aus dem Haus seines Partners, James Curd, raus musste. Wir hatten gerade 5 Stunden Studio hinter uns, da sagte James ‘Sing etwas, irgendwas’. Ich fing an, die Bass-Saiten an der Gitarre zu zupfen und ‘Wie soll ich singen? Soll ich so singen’ runterzuleiern. Seine Katze hatte in mir eine allergische Reaktion hervorgerufen und ich hatte mir Taschentücher in die Nase gesteckt. Wir haben das Ding in 5 Minuten gleich bei der ersten Aufnahme im Kasten, und ich bin sofort danach gegangen. Derrick Carter erhielt eine Kopie und spielte es gleich am nächsten Tag, wo es dann den Weg zu Classic machte. Das war unser Supersplash in die Welt der dreckigen House-Music!”

White Trash meets Monty Python

Eine solche Schilderung trägt unweigerlich die Handschrift eines waschechten, spätpubertierenden, Spaß-fundamentalistischen Amerikaners, der eher ein White Trash Herz für Monster Truck Racing Veranstaltungen hat als beispielsweise für altkontinentale Formel 1 Rennen. Auch wie House vom Teilzeit- zum Hauptprojekt zusammen mit dem noch in Chicago verweilenden Partner, James Curd, mutierte, war eher willkommener Zufall als kalkuliertes Risikounternehmen. Es war einfach die Punk-Attitüde aus seinem früheren Leben als Golfwart und Skateshop-Assistent (wo er seine deutsche Frau kennen lernte), die Maurer in dem Schlafzimmerstudio vollendet sah: “Einerseits wollte ich schon immer meine Punkband ‘Greenskeepers’ nennen, andererseits sah ich, wie einfach es ist, sich zwei Stunden hinzusetzen, Musik zu machen und dafür noch bezahlt zu werden. Naja, nicht so ganz bezahlt zu werden, aber immerhin seinen Namen an lauter coolen Plätzen wieder zu sehen.”

Aber so All-American und Monty Python, wie sich das Leben und die Musik der Greenskeepers vielleicht anhören mag, ist es irgendwie trotzdem nicht. Zum einen sind da die Augen Maurers, die so was wie eine getarnte Intelligenz unter der spaßigen Maske verraten. Zum anderen spricht die CD “Greenskeepers present The Ziggy Franklen Radio Show” eine sehr wohldurchdachte subversive Sprache. Mit ihrem Stilmix aus sehr unterschiedlichen Stücken – von elektroidem R&B zu pochenden Housepop-Tunes wie “Mesopotamian” (eine Anti-Kriegs-Ballade?) über beinahe willkürliche, aber sehr groovige Stücke wie “Should I Sing Like This?” und Curds eigene Swinghouse-Kompositionen -, dessen stilistische Sprünge gekonnt durch eine George Clooneyeske Radiostimme überbrückt werden, erfüllen die Greenskeepers einen scheinbar sehr globalen Musikanspruch (Sitz in Chicago und Heidelberg, Labels in London und Paris). So global sogar, dass es richtig Ärger geben könnte! Während sich Ronald McDonald Rumsfeld & Konsorten überlegen, wie man Importzölle auf französischen Wein und sonstige Embargos gegen Europa verhängen kann, schmuggeln die Greenskeepers ganz frech gediegene frankophone Django Reinhardt-Swingsamples und Eindrücke aus der Achse Berlin-Havana-Tripolis in die gutbürgerlichen, christlichen amerikanischen Househalte.

Wie man so was interpretieren mag, hängt natürlich vom einzelnen ab: Gemessen am Hintergrund der Empörung der neuen Welt über die Friedensmachenschaften der Alt-Europäer könnte man behaupten, die CD strotze nur so vor Versöhnung und Völkerverständigung zwischen den beiden Seiten des großen Teiches. Diplomaten sprechen dabei ganz gerne von “Herzen gewinnen”, Politologen von “soft power”. Für Nick Maurer hingegen ist die CD aber ein besonderer Durchbruch, nicht nur weil sie damit für das britische Label Classic “die erste Veröffentlichung jenseits der Grenzen von House produziert haben”, sondern weil er auch darin eine Chance sieht, dass seine Musik endlich mehr Anklang in Deutschland findet. Dennoch wird der Weltfrieden wohl doch bis zur zweiten CD warten müssen: Am meisten freut er sich darüber, dass das von ihm produzierte Stück “Fluid” extra für einen Sampler der Frauenzeitschrift COSMOPOLITAN in England ausgekoppelt wurde.

About The Author

Elektronische Lebensaspekte.