Der Turiner Gian Luca Pallotta wirft sich im abgedunkelten Schlafzimmer in den Glitzeranzug und sendet seine Melodie-intuitive Umgarnung von Minimalhouse. Warum das in Italien immer auch mit Disco zu tun hat und dann auf dem Kölner Label Traum erscheint, erklärt sich von selbst. Oder? Aus Italien: Anett Frank.
Text: Anett Frank aus De:Bug 73

Italiener schwitzen nie

Diesen Sommer wird intim geschwoft. Oxtongue oder auch bürgerlich Gian Luca Pallotta werkelt lieber in Turin an sonnengebleichtem, minimalem Pophouse, als sich auf dem Weg in die nächste Großraumdisco auf der Serpentinenstraße zu Tode zu fahren. Und macht trotzdem fix einen touristischen Abstecher. Dabei sei dem verklickert-forschen Ausflug nichts entgegengestellt. Mit entrüstender Zugänglichkeit reiht sich Oxtongue harmonieverdächtig in die Kölner Minimalismusschule 1a ein. Dort steht er richtig und singt sich und uns mit italienischem Akzent selbst das Liedchen von einer besseren Zukunft, in der alle Debutplatten beeindrucken.

Scusi, wo geht’s zu Traum?

Durch die “Process”-CD hat Gian letzten Sommer das Kölner Label Traum entdeckt – ein Label, dass mit seinem Output nicht nur auf der übersichtlichen Homepage glänzt. Ein Fixpunkt für den Turiner, der ihn veranlasst, eigene Tracks aufzunehmen. Zunächst noch einfache Ambient-Tracks, aber immerhin. “Sehr hypnotisch”, beschreibt er sie selbst und “nur für sein persönliches Vergnügen” – natürlich um etwas Eigenes zu schaffen. “Elba Life”, sein Debut-Track auf der “Interkontinental Compilation I” (Traum CD 07), ist ein weicher und ambienter Vierviertler, ein sehr tiefer und relaxter Song.
“Ich habe es im Dunkeln meines Schlafzimmers aufgenommen, während ich die Kanäle meines Mixers in einer Art Liveset ohne Publikum an- und ausgeschaltet habe. Oliver Hacke meint, dass ‘Elba Life‘ einen sehr mediterranen Flair hätte. Ich glaube, es ist beides zur gleichen Zeit, warm und kalt. Vielleicht hört es sich für Leute in Köln oder Berlin exotisch an.” Mit dem Stück war alles klar. Oxtongue wird Newcomer auf Traum.
Nach seiner ersten romantisch-balladesken 12″ im ”Autobianchi”-Stil arbeitet er gerade an seinem Live-Set. Gian will sehen, wie seine Sachen im Club funktionieren. “Windows” zum Beispiel verweist nach dem minimal perkussiven Einstieg auf italienisch inspirierten Vocal-House, ist aber kein Krümelchen cheesy. Ein Pop-Hit. Daneben erzählt “Delight” eine Disco-Lovestory mit Happy End. Die Traumproduktion #28 ist jetzt für die erste ”Kompakt Pop”-Maxi ausgekoppelt. Damit ist es offiziell. Kompakt hat sein eigenes Pop-Label. Auf dem Debut sind neben dem Original Mix Benjamin Diamond- und Voigt & Voigt-Remixe zu erlauschen.

“Einen neuen Track anzufangen, ist wie einen neuen Tag zu beginnen. Musik zu produzieren ist ein lebendiger Teil in meinem Leben, wie ein Instinkt, ein Grundbedürfnis.”

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Elektronische Lebensaspekte.