Die Vorabauskopplung ”You’re so Just Just“ kündigte es bereits fulminant an: das Debutalbum der deutsch-französischen Combo ”Rework“ auf Playhouse. Die Stuttgarter Produzenten Daniel Varga und Michel Kübler über die Anfänge von Rework, die Zukunft mit nunmehr zwei Französinnen am Mikro sowie die alte Liebe zu den Heroes aus der New Wave Ära.
Text: Oliver Klangschneider aus De:Bug 68

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Wie fühlt ihr euch mit dem Prädikat ”New Wave des aktuellen europäischen House-Sounds“?

REWORK:
(schmunzelnd) Wir nennen unsere Musik ganz gerne ”Indie-House“, aber da wir mit New Wave aufgewachsen sind – und davon auch viel gehört haben-, distanzieren wir uns jetzt nicht davon oder finden es schlecht. Die Leute bei Playhouse haben das so an die Presse gegeben und wir sind damit einverstanden.

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Wie hat sich eure Soundästhetik letztlich herausgearbeitet?

REWORK: Das war zu der Zeit, als es darum ging, einen gemeinsamen Nenner zu finden. Wir hatten, jeder für sich, ne Menge Techno, House und anderes Zeug gemacht, bevor wir anfingen zu überlegen, auf welcher Schiene wir zusammen weiterfahren könnten. Dabei kamen wir auf die alten Heroes wie Joy Division und anschließend New Order. Ein sehr bedeutender Einfluss, viel größer als von jeder anderen Veröffentlichung aus dieser Zeit. Es ist schon so eine ”Style-Sache“. Klar, wir hätten auch die Möglichkeit, andere Styles zu machen, aber es war uns wichtig, das Rework erkennbar ist. Es sollte in eine Richtung gehen, die unserer beiden Vorstellung entsprach – und natürlich wollten wir dabei einen eigenen Stil finden.

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Wie hat das mit Rework eigentlich angefangen?

REWORK:
Anfang 2000 gab es einige Jam-Sessions mit der vagen Idee, etwas Gemeinsames zu machen. Damals waren mit Philip Roller und Milan von den Cybordelics noch zwei andere Jungs mit an Bord. Wir ließen Beats laufen, haben an den Synthies rumgeschraubt und begannen auch vereinzelt Tracks zu machen – aber bei so vielen Leuten gehen die Vorstellungen dann doch weit auseinander. Und Musik, die hauptsächlich am Computer entsteht, macht das Ganze ja noch schwieriger.

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Die Jungs gingen, die französische Chanteuse Laetitia kam – und mit ihr drei Maxis und nun das Debütalbum auf Playhouse. Seit Kurzem habt ihr mit Caro sogar noch eine zweite Französin am Mikrofon.

REWORK:
Wir möchten auf der nächsten Platte mit beiden arbeiten. Mit Caro entstehen gerade die ersten Tracks.

DEBUG:
Habt ihr eigentlich ein besonderes Faible für Frankreich, oder hat sich das schlicht so ergeben?

REWORK:
Es ist jetzt nicht so, das wir gesagt haben ”wir machen einen auf französisch“ – so war’s also nie … (Michel schaut Daniel an und fügt süffisant hin zu) …“Wieso – so war es doch …“ (schallendes Gelächter)

DEBUG:
Diesen Monat erscheint euer Debütalbum ”Fall Right Now“. Man könnte glauben, ihr versuchtet damit, die gesamte Palette an Gefühlszuständen zu initialisieren. Trockene Clubtunes und melancholische Minimalballaden Seite an Seite …

REWORK:
Wir haben auch Stehblues auf der Platte (lachen). Nein, wir finden es schon wichtig, verschiedene Gefühlswelten auf einer Platte zu vereinen. Wenn wir jetzt ein Album gemacht hätten, das nur im Club funktioniert, dann wäre das nicht so zufriedenstellend gewesen. Wir wollten auch richtige Songs drin haben, mit Aussage im Text.

DEBUG:
Ihr baut erst die Tracks und der Gesang kommt auf der letzten Spur?

REWORK:
Eigentlich schon. Wir hatten aber auch schon Instrumentalstücke, die plötzlich zu einem Gesangsstück wurden. Laetitia war im Studio, wir haben ein paar Sachen probiert, und dann hatte sie gerade zu diesem Stück eine Idee. Sie fand den Song gut, der dadurch auch eine völlig andere Qualität bekommen hat und ohne Gesang vielleicht niemals veröffentlicht worden wäre.

GERN MAL NEBEN DER SPUR

DEBUG:
Sie liegt mit ihrem Gesang auch gerne mal eine Spur neben der absoluten Harmonie. Mögt ihr es ein wenig ”off key“?

REWORK:
Auf jeden Fall. Das ist genau das, was uns interessiert. Perfekt singende Soulröhren dagegen überhaupt nicht – wir mögen es eher ein bisschen schräger. Es darf nicht zu perfekt rüberkommen, es soll eher authentisch klingen. Wir haben auch nicht ewig daran rumgefeilt, Laetitia hat drei mal eingesungen und daraus haben wir dann was gemacht.

DEBUG:
Herrscht bei Rework der Bandgedanke vor, oder seht ihr euch eher als Teilzeitprojekt?

REWORK:
Der Bandgedanke. Auf jeden Fall bis zur nächsten LP. (lachen herzhaft) Nein, wir machen das Schritt für Schritt und beobachten, wie es sich entwickelt.

DEBUG:
Als eure Schritte noch kürzer waren, so im Alter von zwölf Jahren, habt ihr bereits erste eigene Kompositionen auf dem Klavier geschrieben. Liebeslieder für Mädels, wie man hört. Bekennt ihr euch dazu?

REWORK:
(lautes Lachen) Wo hast du denn das aufgeschnappt? Aber ja – eine wahre Geschichte. Wir hatten beim selben Klavierlehrer Unterricht und Michel kam eines Tages an und meinte, das er was komponiert hätte. Zu diesem Zeitpunkt hatte auch ich etwas fertig. Wir haben uns die Sachen gegenseitig vorgespielt – und das war natürlich ”für die Girls..“ (lacht) Für wen schreibt man sonst Lieder?

DEBUG:
Fragt mal Xavier Naidoo …

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Elektronische Lebensaspekte.