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Text: sascha kösch aus De:Bug 32

/house/brd Die Sicherheit der 4 Ohren Crane AK Crane AK sind Berliner. Jedenfalls die typischen, d.h. zugereist. DJ Knigge aus Freiburg und Michael aus Frankfurt. Beide trafen sich vor ungefähr einem Jahr das erste Mal, um eine Handvoll Tracks zusammen zu produzieren. Sie gaben die Tracks bei Force Inc. über die Connection Alexander Purkhart ab, den Knigge noch von Freiburg kannte. Zwar glaubten sie nicht, dass es jemals dort hinpassen würde, waren aber gleich einer der ersten Acts auf dem neuen Sublabel “Force Tracks”, in dessen Konzeption sie seitdem durch den ständigen Kontakt mit Vieltelefonierer Achim Schepanski eingebunden sind. Crane AK sind seither Teil einer neuen Szene deutscher Houseproduzenten, die weder eine Discovergangeneit, noch wirklich jemals viel anderes gehört haben als elektronische Musik. Eine Szene, für die House eher mit Minimalismus zu tun hat als mit den 70ern und für die die 80er als fremd in Sounds und Ästhetik nicht als Referenz auftauchen können. Was sie von jeglichem Retrovirus verschont (EBM und House waren schon immer das inkompatibelste). Crane AK sind Teil einer Szene, die einerseits sehr regional arbeitet, andererseits aber an so vielen Orten mit ähnlichen Konzepten auftaucht, dass man sich schon fragen muss: Warum eigentlich House? Und unter welchen Bedingungen? Das Tempo dürfte eins der wichtigsten und gleichzeitig das am leichtesten übersehbare Argument sein. Und das Land. Minimale Housetracks ohne allzu offensichtliche Samples und mit gelegentlichen Dubeinflüssen, die in ihrer Soundästhetik die Wärme eines “analogen”, “jazzigen” Klangs mit Arrangements kombiniert, die sehr strikt und klar sind, werden nun wirklich nicht überall produziert. Genaugenommen nirgendwo anders. Situationen sind immer spezifisch. Knigge. DJ. Während der 80er Front 242 und Nitzer Ebb Fan und in Freiburg. Oft im “Bleeps and Clonks” Plattenladen, eigenes Fach. Viel Techno, Mills und langsam immer mehr House. Gimbel und Purkhardt von Unknown Records, da erste Trackversuche 96. Seit zwei Jahren in Berlin und eigentlich seitdem erst DJ und seitdem erst House wirklich verstanden: “Ich habe bei Techno immer versucht, diesen Groove zu finden, das Gefühl. Und das fand ich erst bei House. Minimalere Housetracks konnte man in Freiburg nicht spielen, hier ist ein ganz anderer Anspruch da. Ware, Kompakt und all das ging dort nicht. Als ich nach Berlin kam, hatte ich das Gefühl, endlich nicht mehr gezwungen zu sein, schlechte Musik zu hören. Dieses Grosse, Schnelle, Düstere der Stadt, das Ost-West Ding, ist beeindruckend. Man wird ruhiger, vielleicht betrübter, dunkler, deeper, wenn man das Wort benutzen will. Berlin hat etwas Massives. Freiburg ist gefegt. Aber ich glaube, die Gegensätzlichkeiten zwischen uns beiden sind viel wichtiger für die Musik. Was ich zur Zeit sehr gerne mag, ist Antonelli Electric, Steve Bug natürlich, die Sachen von Clé, Martini Brös ist auch ganz gut, und der Kölner Sound. Auch wenn er sich so einkesselt. Aber wir lassen uns kaum davon beeinflussen, auch weil Michael die Tracks, die zur Zeit laufen, nicht wirklich kennt, und ich auch nicht versuche, ihm die vorzuspielen.” Michael schottet sich ab. Teils absichtlich, teils aus dem Wissen, dass es eh schon so viel Formalisiertes gibt. Er ist der musikalische Tüftler der beiden, der schon mal Stunden am Equipment für einen Sound sitzt. Seit zehn Jahren ein Frickler. Auch über EBM zu Techno gekommen, aber erst jetzt, in der Zusammenarbeit, dem sich gegenseitig Abschätzen, Zurückhalten und Vorwärtsbringen musikalisch seiner selber so sicher geworden, dass er planen kann, auch selber demnächst eigene Tracks zu veröffentlichen. Ein im Grunde klassisches Producerpaar – DJ/Engineer, Aussen/Innen, Kommunikation/Technologie – bei denen der Produktionsprozess irgendwie in die eigenen Lebensabläufe integriert werden will. Tracks kommen. Man macht es. Die Methoden sind immer anders, die Inspiration mal da, mal nicht. Die Konstanten minimal. Wie Minimalismus, Tempo und Tiefe.

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Elektronische Lebensaspekte.