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Text: felix denk aus De:Bug 32

Tief unten in Leipzig Frankman und das FM-Label Wenn man von dem Sound einer Stadt spricht, so passiert es, dass man mit einer vielleicht zutreffenden Charakterisierung ungefähr 99% des sonstigen Geschehens vor Ort nicht erfasst. Sound of Munich meint auch eher Giorgio Moroder als Münchner Freiheit, obwohl die nur um die Ecke wohnen. Das ist natürlich ein plumpes Beispiel, aber auch im elektronischen Musik-Mikrokosmos verstellt die einmal aufgeklebte Etikette manchmal den Blick auf das Besondere, abgesehen davon, dass in Zeiten, in denen der Autor als Kategorie gestorben ist, die Posse/Klüngel/Künstlergruppe ganz gerne als Substitut verwandt wird, denn Bennenbares verkauft sich besser. Ausserdem ist ein bisschen Kontext immer eine sichere Interpretationsgrundlage. Um nicht in die Falle zu tappen, muss jetzt ein grosser Rahmen angesetzt werden: In Leipzig mag man es gerne deep. Das an sich ist nichts Besonderes. Vermutlich mag es auch Finsterwalde deep, allerdings werden wir das nie erfahren, so wie im Falle von Leipzig, wo seit einiger Zeit eine spannende Produktion nach der anderen in die Plattenläden gelangt und entsprechend die Plattensammlungen veredelt. Deep, wie gesagt, nicht notwendigerweise Deephouse, denn der Vibe steht vor der Form. Nachvollziehen kann man das an Veröffentlichungen von USM und Out to Lunch, überhaupt am ganzen RAND Kollektiv, oder an neuen Labels wie Frost oder eben FM. Hinter FM verbergen sich Ralf Bürger, der sich vorwiegend um das Organisatorische kümmert, und Andreas Greiner, besser bekannt unter seinem DJ- und Produzentenpseudonym Frankman, der für die musikalischen Belange zuständig ist. Seit 1992 legt Frankman in den einschlägigen Clubs in und um Leipzig auf, vor allem allerdings in der Distillery, wo er seine Liebe zum US- und Vokalhouse den Leuten zugänglich macht. Mit der Zeit begann Frankman dann zu produzieren, ohne sich allzu ernsthaft über das Veröffentlichen Gedanken zu machen, bis sich irgendwann soviel Material angesammelt hat, das man sich die Frage stellen musste, was man denn mit all den Tracks anfangen sollte. Und so sagten sich Frankman und Bürger: “Lieber selber ein Label gründen als Klinken putzen gehen,” und hoben 1998 FM aus der Taufe. Die mittlerweile 4 Release, die bisher alle von Frankman himself sind, verraten dessen Vorlieben als DJ anschaulich. Eleganter Deephouse der flotteren Gangart, der nie den Tanzimpuls aussen vor lässt. Frankmans Soundästhetik orientiert sich recht stark am klassischen US House mit einem Hang zur Instrumentierung, wie man ihn zumindest von hiesigen Produzenten selten hört, und wenn in Europa, dann noch am ehesten mit Svek oder seltener mit Paper in Verbindung gebracht werden kann. Allmählich sprechen sich die Skills des Produzenten Frankman auch herum, so hat er gerade einen Remix für den Lorenzo-Track “Love is Dangerous” abgeliefert und eine Maxi auf dem ebenfalls aus Leipzig stammenden Label Piccolo veröffentlicht. Ohne den Anspruch, gross neue Artists für das Label akquirieren zu wollen, wird die neue FM (die fünfte), die demnächst in die Läden trudeln wird, übrigens von Gamat 3000 sein, die bereits durch Release auf Dessous aufgefallen sind. Und auch hier wird Deepness als Primärtugend gesehen und sich der Verdacht verhärten, dass man es in Leipzig vor allem tief unten mag.

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Elektronische Lebensaspekte.