Vom Best Boy zum Superstar. Howie B. hat schon für U2 und Björk die Motorfader im Studio programmiert, Platten für Babies und Wim Wenders gemacht und reist mit seinem Pussyfoot Kollektiv durch die Welt, um seine Vision von Downtempo zu droppen und zu rocken, auch wenn es Backstage nach Klo stinkt. Genügsam, die Engländer.
Text: nicola hochkeppel [nicola@hochkeppel.de] aus De:Bug 34

/downtempo When B. Comes To Town Pussyfoot & Howie B. Wenn einer eine Reise macht, dann hat er was zu erzählen. Das wissen nicht nur Bildungsbürger oder Traveller, sondern auch die Menschen, die beruflich unterwegs sind. Davon gibt es in unserer globalisierten Welt immer mehr, so zum Beispiel Musiker oder DJs auf Tournee. In unserem Fall handelt es sich um die Pussyfoot Revue, das sind die Londoner Howie B., Jeremy Shaw und Simon Richmond. Die drei aus dem Pussyfoot-Stall sassen im Februar lachend im Berliner Pfefferberg und bezwangen mit vereintem Herren-Humor den beissenden Gestank der Toiletten. Respekt! Einmal im Redefluss, überboten sie einander in sozio-club-kulturellen Feldstudien ˆ la Howie B.: “Die deutschen Tänzer bewegen sich weniger” und Simon Richmond: “Nun ja, eher seltsamer, sieht aus wie Thai Chi auf Speed”. Und weiter gings mit den kulinarischen Eigenheiten der europäischen Mitgliedstaaten. Hervorzuheben sei, dass die Deutschen zwar die Butter zu dick auf die Brote schmieren, dafür jedoch das Label kennen und wegen der Musik zum Konzert kommen. Anders die Situation in Skandinavien, der gemeine Däne ist neugierig und hat ehÔ nichts Besseres zu tun, also guckt er sich die Jungs einfach mal an. Offeriert dafür aber – in Arhus warÕs – die besten Heringe von Europa, und das sogar auf drei verschiedene Arten. Zurück zu unseren Hauptfiguren, hier sind die Fakten. Howie Bernstein ist ein Tausendsassa, der Londoner Produzent und Mix-Maestro (Pressetext) beglückte schon Björk, Tricky, Luscious Jackson und U2. Mit denen ging er auch 1997 als DJ auf Tour. 1998 koproduzierte er die Sly & Robbie LP, bei der Jeremy Shaw wiederum Gitarre und Keyboards beisteuerte. Gemeinsam sind sie The London Daddylonglegs. Im Frühling letzten Jahres veröffentlichten die beiden das Album ãHorse”. Heraus kam ein Tonträger der Marke Homelistening, teils melancholisch gehalten, um dann mit Feedback-Noise anzutreiben. Die Spannbreite reicht von schleppendem DownBeat mit dissonanten Elektro-Elementen bis hin zu groovigen Uptempo-Tracks. Englische Cartoon-Cowboys ãHorse”, das sind Beats, die traben. Wenngleich Howie und Jeremy bei der Produktion eher an ein gemütliches Pferd dachten, das lässig, mit Zigarre im Maul, in die Stadt kommt und sich erst einmal lässig umschaut. Nachdem sich jedoch Simon Richmond a.k.a. Palm Skin Productions, der dritte Mann auf Tour, den Tracks widmete und munter remixte, kletterte die 12″ ‘When Betty Comes To Town’ im DJ-Mix bis auf Platz 4 der britischen Breaks & Beats Charts. Schön, wenn man unversehens Fortuna spielt und beim Interview positive Neuigkeiten überbringt. Auch Labelchef Howie freut sich: ãWow, das sind gute Nachrichten, du hast das auf unserer Seite gelesen? Matt (verantwortlich für die Homepage von Pussyfoot) ist unglaublich, er hängt sich wirklich rein und aktualisiert die Seiteninhalte ständig, ein guter Mann.” Und schon berichtet er von dem geplanten Live Webcast im Mafia Club in Reggio Emilia, Italien. Musik und Bilder gehören zusammen, das weiss jeder. Nicht umsonst schliessen viele Menschen die Augen, wenn sie sich auf Musik konzentrieren oder Töne und Klänge erfahren wollen. Und bebildern so den gegebenen Soundtrack. Das ist bei Howie B. nicht anders, mit dem Unterschied, dass er zunächst fertige Bilder vertonte und nun den Spiess herumdreht. Nachdem er drei Jahre lang dem Soundtrack-Komponisten Stanley Myers assistierte, steuerte er u. a. für Wim WendersÔ Spielfilm ãDas Ende der Gewalt” die Musik bei und wurde in Cannes beim Cartoon DÕOr für den Best Animated European Film nominiert. Dieser Hintergrund zeichnet sich bei den Themen-Kompilationen des Pussyfoot ÐLabels immer wieder deutlich ab. Die nächste Pussy Toons Veröffentlichung ist das lang vorbereitete Cartoon- Album Animasonics. Ursprünglich geplant als Musik für einen imaginären Cartoon, erweitert sich das Projekt nun und wird zu einem halbstündigen Animatonsfilm. Howie B.: ãWie der Film letztendlich wird, weiss ich noch nicht, aber Ron Rick und seine Freunde haben einen Produzenten gefunden, vier Charaktere gebaut, und alles weitere wird man sehen.” Aufbruch. Reisende soll man nicht aufhalten, dass weiss schon der Volksmund. Von den drei hören wir ehÔ noch.

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Text: daniel haaksman aus De:Bug 04

Howie B

Daniel Haaksman
haaksman@stud.uni-frankfurt.de

Seit gut zehn Jahren sitzt Howie B. an den Mischpulten dieser Welt und sorgt als Producer und Remixer bei den unterschiedlichsten Projekten für die richtigen Vibes. Howie B. hat bei derart vielen wichtigen Projekten mitgewirkt, daß sich in so ziemlich jeder gut sortierten Plattensammlung mit Sicherheit wenigstens ein Track findet, der von ihm produziert oder gemixt wurde.

Ob tiefster Untergrund oder vorderster Mainstream: Howie B. ist in vielen Areas zu Hause.Er produzierte und engineerte u.a. Siouxisie And The Banshees, Massive Attack und Goldie, Björk, Skylab und das U2/Brian Eno/Pavarotti-Projekt “Passengers”. Doch damit nicht genug. Vor drei Jahren gründete er das vielgerühmte Pussyfoot-Label und begann seine eigene, soundverliebte Musik zu veröffentlichen. Jüngst schmiedete er den irischen Emo-Rockern U2 und ihrem “POP”-Projekt die nötigen Vibes auf die Brust, als kleines Dankeschön nahmen sie ihn als DJ mit auf die Megatonnen “Pop Mart”-Welttournee, auf der er für den richtigen Groove im Vorprogramm sorgt. Soeben ist sein zweites Album “Turn The Dark Off” erschienen – Zeit, mit dem Mann aus Glasgow ein paar Worte zu wechseln.

Wie ist es so, wenn man als DJ vor 40.000 Leuten auflegt?

Es ist total irre. Ich glaube nicht, daß ich mich an so etwas gewöhnen könnte. Anfangs war das wirklich unglaublich, so viele Leute! Und alle schauen nach vorn auf die Bühne, wo ich stehe! Manchmal lache ich mich tot, manchmal könnte ich heulen – es ist so strange. Aber ich habe sowas noch nie gemacht und es ist echt eine einmalige Erfahrung.

Und wie reagieren die Leute auf die Musik, die Du spielst?

Das hängt davon ab, wo wir gerade sind. Das hängt davon ab, was ich so spiele…Das hängt von so vielen Sachen ab. In Amerika war das total anders als es hier in Europa der Fall ist. In den vorderen Reihen wird gegroovt, aber ich fände es schon besser, wenn ein paar mehr Leute tanzen würden. Nur manchmal scheint es mir, als wüssten die meisten Leute gar nicht, was ich da auf der Bühne mache. Aber ich mag das. Das stellt die Musik mehr in den Vordergrund.

Was legst du so auf?

In Europa spiele ich mehr so Club-Musik, in Amerika habe ich einfach alles gespielt. Aber das wechselt von Set zu Set. Im Moment spiele ich Headrillaz, Depth Charge, Midfield General und viele alte Sachen, Jimmy Smith und so. Und natürlich meine eigenen Sachen. Wenn es sich ergibt, dann spiele ich nach dem Konzert dann noch in dem einen oder anderen lokalen Club. Das ist ein wirklich guter Ausgleich. Am späten Nachmittag das Stadion, am Abend ein Club. Aber ich muß schon sagen: Der Club ist nach wie vor mein liebstes Environment. Für 200 Leute aufzulegen macht am Ende immer noch mehr Spaß, als für 40.000. Und auch die Musik die ich mache, die ist für Clubs gemacht, für kleine Läden, wo man direkten Response bekommt.

Bei dem ganzen Rumgetoure, wie kommst Du da noch zum Producen und Aufnehmen?

Für “Turn The Dark Off” habe ich 18 Tage gebraucht, von Anfang bis Ende. Ich wollte das auch total zügig machen, nicht polished und so, sondern einfach nach dem Motto: Ins Studio gehen, aufnehmen, fertig. Vor der Tour hatte ich vier Monate frei und da habe ich außer für das Album auch eine Menge anderer Sachen produziert. Und auch auf Tour mache ich total viel. Ich hab zwei, drei Gigs die Woche mit U2 und dann meine Gigs, aber dazwischen findet sich immer wieder Zeit, in irgendeinem Studio aufzunehmen oder rumzuprobieren.

Dein neues Album ist viel beatorientierter als Dein Debüt “Music For Babies”, wie kommt’s?

Ich wollte ein club-orientiertes Album machen, ich wollte ein positives Album machen, ich wollte ein Album machen das ausdrückt, wie ich mich zu dem Zeitpunkt der Aufnahmen fühlte. Da steckt eine Menge Herzblut drin in den Tracks. Ich hatte zu Beginn nicht gedacht, daß das Album derart positiv würde, weil ich zum Zeitpunkt der Aufnahmen ein bisschen down war, aber jetzt sehe ich daß das eine gute Plattform war, um aus meiner Downness herauszukommen. Und ich bin zufrieden damit und stolz darauf.

Mit welchen Instrumenten hast Du so gearbeitet?

Für den Bass habe ich Nordlead, Bassstation, Soundwave und einen Sampler verwendet, für die Beats natürlich auch eine Menge Samples, eine alte Rhythm-Box und meinen Mund. Ich liebe es, mit der eigenen Stimme zu arbeiten. Und man kann so viel mit seiner Stimme anstellen! Auf dem Album habe ich in fast jedem Track irgendetwas mit meiner Stimme gemacht. Für Keyboards habe ich einen GXP8 und einen Super Jupiter verwendet und dann….ein Piano und ein paar Gitarren, das war’s. Alles sehr handlich, alles sehr kompakt. Ich finde es immer wichtig, mit wenigen Mitteln zu arbeiten, das macht den Produktionsvorgang wesentlich überschaubarer.

In vielen deiner Tracks sind oft kleine, nur bei genauerem Hinhören zu erkennende Sounds versteckt, die den Charakter des Tracks entscheidend prägen. Auf diesem Remix den du für Sirkus-Records gemacht hast, ertönt ein hochgepitchtes Lachen, auf deinem Album ist ein Track, da hört man jemanden ständig ein gepreßtes “Yeah” sagen, ganz im Hintergrund.

Diese Details, diese einzelnen, klitzekleinen Soundbits, das ist für mich total wichtig. Denn die Kleinigkeiten machen doch letztlich den Unterschied aus. Und gerade mit einer Stimme kann man einem Track doch eine total persönliche Qualität verleihen. Also mit Gesang das ist ja klar, aber auch mit irgendwelchen Stimmgeräuschen, ohne Lyrics, kann man eine Menge machen. Ein Grummeln, ein Lachen, ein merkwürdiges Wort, schon bekommt der Track einen eigenen Twist. Und außerdem bedeutet es mir immer sehr viel, daß die Leute hören können, wieviel Spaß mir das Produzieren des Tracks bereitet hat. Und wenn der Zuhörer dann wegen solcher Sounds lacht, finde ich das Spitze.

Auf dem “Godfather-Track” der “Pussy in my pocket”-EP, dieser Part auf dem diese Zeile “Remember The Pueblo” erklingt, wie hast Du das gemacht?

(Bricht in schallendes Gelächter aus und fällt fast vom Stuhl) Das mit “Remember The Pueblo”, das war das Lustigste was ich seit langer Zeit gemacht habe. (Prustet) Mein Studio-Assistent und ich, wir haben eine halbe Stunde auf dem Boden gelegen und konnten nicht mehr aufhören zu lachen.

Ja aber wie hast Du das hinbekommen?

Das war reiner Zufall! Ich habe zufällig zwei verschiende Voices gefunden, die beide die Zeile “Remember The Pueblo” sprechen, das eine ist ein Navy-Offizier, das andere von einer Schnulzen Platte von 1968, auf der eine Sängerin eben zufällig genau das gleiche singt: “Remember The Pueblo”. Und ich habe es eben hintereinander montiert! Das war so lustig!

Und wie geht es mit Pussyfoot?

Könnte nicht besser laufen. Naked Funk bringen bald ihr neues Album heraus, wir haben neulich Leute aus Dublin gesignt, Inevidence, und wir haben ein paar gute Sachen in Vorbereitung, ein HipHop-Projekt und tausend andere Sachen. Es macht total Spaß. Es ist ein kleines Label, aber es hat einen großen Impact. Und ich bin froh darüber, einen Raum geschaffen zu haben, in dem Leute Musik veröffentlichen können. Es geht nicht darum, die Weltherrschaft anzustreben sondern einfach nur um das Releasen guter Musik. That’s it.

Hättest Du gedacht, das es einmal so groß würde?

Nein, vielleicht nicht, aber ich wußte immer, daß Pussyfoot wichtig ist. Wichtig, um die Musik von heute zu releasen, ich nenn das den Jazz von heute, you know? Es ist aber sehr wichtig, das Ganze auf einem coolen Level zu halten und kein Majorinvolvement zuzulassen. Das wird nicht passieren. Obwohl bei uns andauernd angefragt wird.

Was planst Du in der nächsten Zeit?

Mein Album weiter promoten, mit U2 rumtouren, Anfang nächsten Jahres gibt es ein neues Projekt mit Björk, dann etwas in Kuba, ich plane was in Japan zu machen und dann will ich im Frühjahr ein neues Album aufnehmen und releasen. So im März, April soll das dann erscheinen. Und generell will ich mehr meine eigene Musik machen, nicht mehr so viel produzieren sondern lieber meinen eigenen Kram veröffentlichen und mich natürlich mehr um Pussyfoot kümmern.

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