Text: Nils Dittbrenner aus De:Bug 62

Es war live und ich war dabei

HyperKult

Zum 11. Mal fand vom 4.-6. Juli in Lüneburg der Workshop “HyperKult” statt. Diese von der Kulturinformatik an der Uni Lüneburg und der Fachgruppe “Computer als Medium” der Gesellschaft für Informatik organisierte Tagung öffnet Jahr für Jahr den Horizont Interessierter auf die Schnittstelle zwischen Kulturwissenschaften und Informatik. Seit 1991 ist so ein in Deutschland einzigartiger Austausch von Fachrichtungen entstanden, die nur auf den ersten Blick nicht zwingend zusammenpassen. Was ergibt das, wenn Philosophen und Informatiker, Medientheoretiker und Künstler sich gegenseitig ihre Perspektive auf das Thema vortragen? Erstmal eine Menge interessanter Vorträge, deren roter Faden in diesem Jahr in dem Tagungsmotto “Das Unsichtbare: Medien, Spuren, Verluste” bestand. So wurde zur Strategie der Anästhetik, dem BASIC-Wiederbelebungslabor und zur Gouvernementalität von SMS ebenso was gesagt, wie zum Ausbleichen des Farbfilms, dem Paradigma des Blinden Flecks oder unsichtbarer Musik. Nach den Vorträgen tritt die Diversifiziertheit der Anwesenden positiv in einem regen Diskussions- und Austauschbedarf an’s Tageslicht, stellt Georg Christoph Tholen doch immer wieder einmal eine seiner legendären langen Fragen oder einer der anwesenden illustren Informatik-Profs gibt eine kleine Spitze zu Unrichtigkeiten “aus Sicht der Informatik” ab. Zum Ende eines jeden Vortragstages lässt der Hyperkult-Verdichter Hartmut Sörgel das Gehörte samt Diskussion in frecher Manier Revue passieren. Anregend, auf hohem Niveau und interessant in netter Atmosphäre, gen Abend schon fast familiär das Ganze, ohne unsinnige Hierarchie und mit gemeinsamem Kneipenabend inklusive, bei dem ein jeder, ob Gast oder Vortragender, gern gesehen ist. Wieviel wir dergestalt angeregten Zuhörer mit nach Hause nehmen, bleibt am Ende doch unsichtbar, denn wie Wolfgang Coy passend im Abschlußvortrag erläuterte “Ob aber jemand etwas verstanden hat, kann man nicht sehen.”

http://www.uni-lueneburg.de/hyperkult/ (inkl. Videostream-Archiv)

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Elektronische Lebensaspekte.