Text: deutsche welle online aus De:Bug 27

Die Jahre im Netz In den Jahren 1989/90 ist das Internet 20 Jahre alt und nach wie vor ein Netzwerk, das überwiegend von studentischen und wissenschaftlichen Anwendern genutzt wird. Aber die kommende explosionsartige Verbreitung und Popularisierung kündigt sich bereits an. Zwanzig Länder schliessen sich in dieser Zeit erstmals am NSF-Net-Backbone, der zentralen Datenleitung des Internet an. Die Zeichen stehen auf Wachstum. Rund 20 Jahre dauerte es, bis die Anzahl der Hosts die 100.000er-Grenze erreicht hatte Ð in nur einem Jahr verdreifachte sich diese Zahl. Entsprechend steigt auch das Datenaufkommen. Liefen Mitte 1989 noch im Durchschnitt rund 1 Milliarde Datenpakete über den NSF-Net-Backbone, waren es ein Jahr später mehr als dreimal soviel. Auch die übrige Entwicklung deutet darauf hin, dass das Internet vor dem Durchbruch stand. Ende 1989 gibt es mit “The World” den ersten kommerziellen Internet-Dial-up-Provider, im Oktober des nächsten Jahres startet “Clari-Net” und bietet erstmals kommerziell Informationen via Internet an. Geschlossene kommerzielle Online-Dienste wie Compuserve oder MCI öffnen sich in Richtung Internet und bieten ihren Mitgliedern die Möglichkeit, Mails mit Internet-Anwendern auszutauschen. Auch die Behörden beginnen das Netz als Informationssystem zu nutzen. Im Rahmen des “Hermes-Projekts” veröffentlicht der US Supreme Court seit 1990 Urteile und Entscheidungen auf öffentlich zugänglichen FTP-Servern. Selbst den ersten Vorboten des kommenden Trends, alle möglichen und unmöglichen elektronischen Geräte ans Internet anzuschliessen, gibt es 1990: John Romkey schliesst einen Toaster ans Internet an, der als erstes via Internet fernsteuerbares Gerät in die Geschichte des Netzes einging. Den technischen Alltag im Netz bestimmen Ðneben E-Mail Ð vor allem Protokolle wie FTP und Telnet. Für beide Dienste entstehen in den Jahren 1989/1990 wichtige Hilfsmittel. Mit “Archie” entwickeln Peter Deutsch, Alan Emtage und Bill Heelan an der McGill-Universität in Montreal eine Suchmaschine für FTP-Server. Archie stösst auf reges Interesse, und nach nur sechs Monaten gibt es weltweit im Internet mehr als 60 Archie-Server. Für Informationen, die via Telnet abrufbar sind, entwickelt Peter Scott Ende 1990 das Programm “Hytelnet”, einen Hypertext-Browser, der den Zugriff auf Telnet-Server im Netz extrem vereinfacht. Das World Wide Web existiert 1989 vorerst nur als Idee einiger Wissenschaftler am Schweizer Kernforschungs- zentrum CERN in Genf. Hier entwickeln Tim Berners-Lee und Robert Cailliau unabhängig voneinander Hypertext-Konzepte, um der Datenflut am CERN Herr zu werden. Tim Berners-Lees “Proposal” sollte sich später als die Geburtsurkunde des “World Wide Web” erweisen (dessen Name schon 1990 von Berners-Lee während einer Konferenz in der Cafeteria des CERN geprägt wird). Eine erste Demonstration des Systems gibt es Ende 1990 und einige wenige Glückliche konnten einen Blick in die Zukunft des Internet werfen. Es ist nicht ohne Ironie, dass soviel Aufbruch von einem Ende begleitet wird: 1989 wird das ARPA-Net, mit dem alles begann, 20 Jahre alt Ð und abgeschaltet. Im Laufe der nächsten Monate wird Node um Node vom Netz genommen, Mitte 1990 ist das ARPA-Net endgültig Geschichte. Die Jahre im Netz März 1989 o Tim Berners-Lee schreibt mit Information Management: A Proposal die Geburtsurkunde des World Wide Web. Mai 1989 o Gründung der League for Programming Freedom, die gegen die Monopolisierung von Software-Entwicklung kämpft. August 1989 o Der 20. Geburtstag des ARPA-Net wird mit dem Symposium “Act One” gefeiert. Der Geburtstag markiert gleichzeitig die beginnende Auflösung des ARPA-Net. September 1989 o Das Kürzel FAQ, Frequently Asked Questions, wird geprägt. o Compuserve bietet erstmals Internet-Messaging. o Im RFC 1121 werden die Gedichte zu Ehren des ARPA-Net publiziert. Oktober 1989 o MCI-Kunden können über ein Mail-Gateway E-Mails mit Internet-Teilnehmern austauschen. o Gegen Ende des Jahres entwickeln Peter Deutsch, Alan Emtage and Bill Heelan Archie, ein Suchprogramm für Daten auf FTP-Servern. November 1989 o Die Richtlinien zu Aufgaben und Funktionen des RIPE werden verabschiedet. o The World, der erste kommerzielle Dial-up-Provider, geht online. o In Cuckoo’s Egg beschreibt Clifford Stoll die wahre Geschichte einer Hackerjagd im Netzwerk. Mai 1990 o Tim Berners-Lees “Proposal” zirkuliert erneut im CERN. o Im Rahmen des Hermes-Projekts beginnt der US Supreme Court, Urteile und Entscheidungen im Internet zu publizieren. Juni 1990 o Die letzten ARPA-Nodes werden geschlossen, das ARPA-Net ist endgültig demontiert. August 1990 o Auf dem 18. Meeting der IETF in Vancouver wird die mögliche Knappheit der IP-Adressen diskutiert. September 1990 o Mike Sendall, Berners-Lees Vorgesetzter, gibt das OK zur Anschaffung des Next-Computers und die Erlaubnis, dass sich Berners-Lee mit der Entwicklung eines Hypertext-Systems beschäftigt. Oktober 1990 o Tim Berners-Lee entwickelt ein Hypertext-System als GUI-Browser und nennt es World Wide Web. o In Zusammenarbeit mit Robert Cailliau entsteht eine neue Version des Proposals. o Start von Clari-Net, dem ersten kommerziellen Informationsanbieter im Internet. o Die Internet Movie Database startet in der Newsgroup “rec.arts.movies” . November 1990 o Gründung der Electronic Frontier Foundation (EFF). o Tim Berners-Lee hält ein Kolloquium zum Thema “Hypertext” am CERN. o In Versailles findet die erste European Conference on Hypertext (ECHT) statt. Dezember 1990 o Am CERN gibt es die erste technische Demonstration des World Wide Web mit dem “Line mode browser”. o Peter Scott entwickelt Hytelnet, einen Index für Informationen, die via Telnet zur Verfügung stehen. Außerdem: o John Romkey schliesst einen Toaster ans Internet an, der über das Netzwerk gesteuert werden kann. Zahlen & Daten o Im Juli 1989 übersteigt die Anzahl der Internet-Hosts die 100.000er-Grenze, Ende 1990 sind es bereits über 300.000. o Anfang 1989 gibt es rund 2.600 Domains, Ende 1990 sind es rund 10.000. o Im Durchschnitt werden 1989 pro Monat 1.000 Dateien via FTP angefordert. o 1989/90 werden die folgenden Länder an das NSF-Net angeschlossen: Argentinien (.ar), Österreich (.at), Belgien (.be), Australien (.au), Brasilien (.br), Schweiz (.ch), Chile (.cl), Deutschland (.de), Spanien (.es), Griechenland (.gr), Irland (.ie), Israel (.il), Indien (.in), Italien (.it), Japan (.jp), Korea (.kr), Mexiko (.mx), Niederlande (.nl), Neuseeland (.nz), Puerto Rico (.pr) und Großbritannien (.uk) o Von Mai 1989 bis Mai 1990 verdreifacht sich das monatliche Datenaufkommen auf dem NSF-Net-Backbone (von 1 auf 3,15 Milliarden Datenpakete/Monat). Netzwelt o Compuserve und MCI installieren Internet-Mail-Gateways o Der erste kommerzielle Dial-up-Provider geht online o Clari-Net verkauft Information via Internet Netzpolitik o Der US Supreme Court stellt Urteile ins Internet o Gründung der Electronic Frontier Foundation (EFF) o Die League for Programming Freedom wird gegründet

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Elektronische Lebensaspekte.


Text: w3.org aus De:Bug 29

1993 trifft das World Wide Web die letzten Vorbereitungen, das Internet zu erobern. Es fallen wichtige politische Entscheidungen, und mit Mosaic hat das Web seine Killerapplikation. Der April 1993 ist für die Entwicklung des WWW das vielleicht wichtigste Datum: In diesem Monat gibt das CERN die Entscheidung bekannt, für die WWW-Technologie keinerlei Patent- oder Copyright-Gebühren zu verlangen. Damit ermuntert das CERN alle Entwickler im Internet zur Nutzung der Web-Technologie und macht so den Weg für den phänomenalen Siegeszug des World Wide Web frei, der in diesem Jahr seinen Anfang nimmt. Auch im Januar fällt eine folgenschwere Entscheidung: Die National Science Foundation gründet das Inter-NIC, um den inzwischen recht umfangreichen Verwaltungsaufwand auf mehrere Schultern zu verteilen. Dabei übernimmt die kleine Firma Network Solutions die Registrierung neuer Domain-Namen. Noch kann niemand absehen, welche grosse Bedeutung gerade diese Dienstleistung im Rahmen der zukünftigen kommerziellen Nutzung bekommen wird. Im Laufe der Jahre wird Network Solutions zu einer der wichtigsten Firmen im Netz, die wegen ihrer Schlüsselposition ins Zentrum heftiger Kritik gerät. Die Zahl der Webserver im Netz steigt um das Vierfache: Zu Beginn des Jahres gibt es rund 50 HTTP-Server im Netz, Anfang des vierten Quartals sind es 200, und Ende des Jahres liegt die Zahl bei rund 250 Servern. Innerhalb eines halben Jahres steigt die Zahl der Websites von 130 auf 623. Entsprechend nimmt der WWW-Traffic auf dem NSF-Backbone zu. Anfang des Jahres liegt er bei verschwindend geringen 0,1 Prozent des gesamten Datenverkehrs, Ende des Jahres macht er sich mit 1 Prozent bereits messbar bemerkbar. Noch schneller als das Web verbreitet sich das Internet selbst. 17 neue Länder werden an das NSF-Net angeschlossen, die gesamte Hostzahl im Netz liegt bei über 1,5 Millionen, und der Datenverkehr steigt von 15 auf 24 Milliarden Datenpakete pro Monat. Der wachsenden Bedeutung des Internet trägt auch die Politik Rechnung. In den USA ist der Aus- und Aufbau eines leistungsfähigen Kommunikationsnetzwerks erklärtes Ziel der Regierung, das mit dem “US National Information Infrastructure Act” (NII) Gestalt annimmt. Seit dem Frühjahr sind der Präsident Bill Clinton und sein Stellvertreter Al Gore via E-Mail erreichbar, das Weisse Haus geht ebenso online wie die Library of Congress und die UNO. Im Februar kommt schliesslich die Alpha-Version des Browsers “Mosaic” von Marc Andreessen und Eric Bina heraus. Die Version 1.0 wird im April fertig und läuft anfangs nur unter Unix. Zum gleichen Zeitpunkt stellt Thomas R. Bruce von der Cornell Law School mit “Cello” den ersten Webbrowser für Windows-Systeme vor. Doch schon im September liegt Mosaic auch in einer Windows- und Macintosh-Version vor und schickt sich an, zum beliebtesten Browser aller Websurfer zu werden. Gegen Ende des Jahres gerät das Internet in Form des World Wide Web zunehmend ins Interesse der Medien, es erscheinen umfangreichere Artikel in der New York Times, The Guardian und The Economist. Bereits Mitte des Jahres macht das noch junge Magazin “Wired” auf das Web als ein “intriguing new tool for managing the cornucopia of information linked to the Internet” aufmerksam. BILD AL GORE Januar 1993 ¥ Die National Science Foundation (NSF) gründet das Inter-NIC zur Verwaltung bestimmter Internet-Dienste, die auf drei Firmen verteilt werden: AT&T, Network Solutions und General Atomics. ¥ Anfang des Jahres beginnt Dave Raggett mit der Entwicklung des Arena-Browsers, der später der Referenz-Browser am CERN wird. Februar 1993 ¥ Das National Center for Supercomputing Applications (NCSA) veröffentlicht die erste Alpha-Version von Marc Andreessens Mosaic for X, dem späteren Navigator. ¥ America Online und Delphi bieten Internet-Zugriff an. März 1993 ¥ Das “Internet Talk Radio” sendet via MBone, die ersten Zuhörer sind von der erstaunlich hohen Qualität überrascht. ¥ Auf derOnline Publishing ’93 in Pittsburgh demonstriert Tim Berners-Lee das WWW. ¥ Der Student Matthew Gray programmiert den ersten “Web-Wanderer”, ein Programm, das automatisch Hyperlinks verfolgt und die gefundenen Seiten sammelt. ¥ Lou Montulli veröffentlicht an der Universität von Kansas die Version 2.0a vonLynx. April 1993 ¥ Das CERN-Direktorium gibt bekannt, dass die WWW-Technologie für jeden frei zugänglich und kostenlos sein soll. ¥ Die Library of Congress geht online. ¥ Marc Andreessen und Eric Bina veröffentlichen Mosaic 1.0 for X. ¥ Thomas R. Bruce entwickelt an der Cornell Law School (Ithaca, New York) mit Cello einen Browser für MS Windows. Juni 1993 ¥ Das Weisse Haus geht online (www.whitehouse.gov), Bill Clinton und Al Gore sind als president@whitehouse.gov und vice-president@whitehouse.gov per E-Mail erreichbar. ¥ Tim Berners-Lee und Daniel Connolly veröffentlichen die ersten HTML- Spezifikationen als Internet-Draft. ¥ Der MTV-Moderator Adam Curry registriert die Domain “mtv.com” und sorgt damit für den ersten Streitfall über Domain-Namen. Juli 1993 ¥ John Browning stellt in “Wired” das WWW erstmals in einer kurzen News-Meldung vor. ¥ Ari Luotonen stösst am CERN zum WWW-Projekt. Luotonen implementiert den passwortgeschützten Zugang zu Web-Seiten. ¥ Der New Yorker publiziert einen Cartoon von Peter Stein: On the internet, nobody knows you’re a dog. August 1993 ¥ O’Reilly veranstaltet den ersten WWW Wizard Workshop in Cambridge (USA). September 1993 ¥ Das NCSA veröffentlicht die ersten funktionsfähigen Mosaic-Versionen für Macintosh undWindows. ¥ Präsident Clinton unterzeichnet den “National Information Infrastructure Act”, mit dem der Ausbau eines “network of networks” eine der Hauptaufgaben der Regierung wird. Oktober 1993 ¥ Zusammen mit dem CERN und der Fraunhofer Gesellschaft startet die Europäische Kommission WISE, das erste Web-basierte Projekt der EU. Ziel ist es, “die Beschaffung und Verbreitung von Informationen zu Forschungsaktivitäten in den Bereichen der fortgeschrittenen Telekommunikationstechnologien und -dienste sowie der Telematikanwendungen in der Europäischen Union zu unterstützen”. November 1993 ¥ David Raggett entwirft HTML +, eine sehr leistungsfähige Weiterentwicklung des von Tim Berners-Lee entwickelten HTML. Dezember 1993 ¥ Es erscheinen erste längere Artikel über das WWW in “The New York Times”, “The Guardian” und “The Economist”. ¥ Der IMA-Award geht an das WWW. ¥ Version 2.0 von Mosaic für X erscheint; Version 1.0 für Macintosh und Windows. Ausserdem: ¥ Die Vereinten Nationen sind via Internet erreichbar. ¥ O’Reilly & Associates startetGNN – Global Network Navigator, das erste im Internet erscheinende Magazin. ¥ IUMA, das “Internet Underground Music Archive”, startet im Web. Zahlen & Daten ¥ Im Januar gibt es rund 50 HTTP-Server, im Oktober sind es 200. ¥ Im März macht der WWW-Verkehr 0,1 Prozent des gesamten NSFNET-Backbone Traffics aus, im September bereits 1 Prozent. ¥ Im Juni zählt Matthew Grays Web-Wanderer 130 Websites, im Dezember sind es 623. ¥ Im Februar 1993 laufen 24 Milliarden Datenpakete pro Monat über den NSFNET-Backbone. ¥ Es gibt mehr als 1,5 Millionen Hosts im Internet. ¥ 1993 werden folgende Länder an das NSFNET angeschlossen: Bulgarien (.bg), Costa Rica (.cr), Ägypten (.eg), Fiji-Inseln. (.fj), Ghana (.gh), Guam (.gu), Indonesien (.id), Kasachstan (.kz), Kenia (.ke), Liechtenstein (.li), Peru (.pe), Rumänien (.ro), Russland (.ru), Türkei (.tr), Ukraine (.ua), Vereinigte Arabische Emirate (.ae), US Virgin Islands (.vi) http://www.w3history.org/

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