Text: Ingrid Arnold aus De:Bug 19

Im Kino 2000-1 Ingrid Arnold arnold@dwelle.de Die schönste Zeit des Jahres mit all den Rückblicken (die fünf Lieblingsfilme der Autorin, falls das jemanden interessiert, waren Starship Troopers, The Big Lebowski, Hana Bi, Gummo und Live Flesh) bietet sich auch an, um voller Vorfreude einen Blick auf das kommende Jahr zu werfen. Und das Jahr fängt gut an: “23” von Hans-Christian Schmid ist ein guter Film und aus Deutschland, sowas gibt’s É neue Hoffnung keimt auf für all die verhinderten Regisseure hierzulande, die dachten, sie müssten dann wohl irgendwann Filme wie Kai Rabe machen. Diese Verfilmung eines realen Falls von Computerspionage ist schön paranoid und suggestiv erzählt, die Ausstattung authentisch braunstichig: Wenn man in den 80ern in Westdeutschland aufgewachsen ist, kann man sehr melancholisch werden; bei den Bildern von Brokdorf-Demos und Letraset Buchstaben kamen mir die Tränen. Die emotionalen Qualitäten dieses Films sind also hinreichend belegt. Der junge Karl Koch glaubt, beeinflußt von dem Frühachtziger-Kultroman “Illuminatus” von Robert A. Wilson, dass die politischen Machtzentren der Welt von diesem Geheimbund kontrolliert werden. Karls Wahnvorstellungen werden schlimmer, je besser er durch seine Hacks für den KGB die Bedeutung weltweiter Vernetzung wahrnimmt, und er entfernt sich immer mehr von seinen eigenen Moralvorstellungen. Obwohl “23” eben kein Hackerfilm ist, sind die entsprechenden Sequenzen gut geworden (und “autorisiert” aufgrund einer Beratertätigkeit des CCC). “23” startet am 14. Januar. Horror, Thriller und Science Fiction Die Horror-Thriller-Science-Fiction-Onkels aus USA bedenken uns 1999 reichlich, es gibt John Carpenters Vampires, Soldier von Paul Anderson (sein Event Horizon war ein Lieblingstrashfilm 1998) und Impostor, in dem die Menschen eine Geheimwaffe gegen Aliens finden müssen, die dann aber von einem ebensolchen entwickelt wird É Matrix, der neue Film der Wachowski Bros. (Bound) mit Keanu Reeves, klingt erstmal einfach nur vielversprechend. Bei Cosm erfährt man leider auch noch nicht, worum es geht, aber die Besetzung, Angela Bassett und Dustin Hoffman, erinnert irgendwie an Sphere. Apropos: In Deep Blue Sea bekommen die Bewohner einer Unterwasserstation (u. a. Samuel L. Jackson) Probleme mit zu Jagdzwecken gezüchteten Haien. In The Faculty, endlich wieder von Robert Rodriguez – dem besseren Tarantino – kommen wieder mal die Körperfresser: Highschool-Schüler entdecken, dass ihre Lehrer Aliens sind; das Drehbuch stammt von Scream!-Autor Kevin Williamson. The Astronaut’s Wife ist dagegen wahrscheinlich so öde, wie er klingt (mit Johnnie Depp). Ernsthaft wirklich gut Abgesehen von gutem Trash gibt es ja auch immer Filme, die ernsthaft wirklich gut sind. Pleasantville ist wahrscheinlich so einer, sozusagen die Truman Show des kommenden Jahres: Zwei Teenager aus den 90ern sind gefangen in einer 50er Jahre Sitcom. Und Spike Lees He got Game (Soundtrack wieder von Public Enemy), mit einem unglaublichen Ray Allen als Basketballstar “Jesus”. Bulworth von und mit Warren Beatty kennt man schon vom Soundtrack (“Ghetto Supastar”), soll aber eine gute Wahl- und Medien-Satire sein É Auf den ersten Film von Terrence Malick (Badlands) nach 20 Jahren, den Kriegsfilm THE Thin Red Line mit Sean Penn, darf man auch gespannt sein. American History X zeigt den Versuch eines Ex-Neonazis (Edward Norton), seinen kleinen Bruder (Eddie Furlong) davor zu bewahren, seine Fehler zu wiederholen. Und in David Cronenbergs eXistenz programmiert Jennifer Jason Leigh ein Computerspiel, das in die Gehirne der Spieler eindringt (hallo “Snow Crash”?). Remakes Zwei Remakes guter Filme stehen ins Haus: Gus van Sants eins-zu-eins Nachverfilmung von Hitchcocks Psycho kann man sich eigentlich sparen, aber You’ve got Mail klingt noch schlimmer: In einem diesen – für Hollywood Studio-Bosse so verwirrend modernen – Zeiten angepassten Remake von Ernst Lubitschs The Shop around the Corner bringen nun E-Mails statt Briefe zwei Menschen, natürlich Meg Ryan und Tom Hanks, zusammen. Highlights Kommen wir zu den beiden Highlights, den Filmen mit den größten Erwartungen, den meisten Vorschußlorbeeren und den geschicktesten “Geheimhaltungs”-Strategien: Star Wars I und der neue Kubrick. Eyes Wide Shut, ein Psychothriller nach der “Traumnovelle” von Arthur Schnitzler, mit Tom Cruise und Nicole Kidman, wurde ein Jahr lang in London gedreht, und Goldie wurde mit dem Soundtrack beauftragt (ist er jetzt auch Scientologe?). Über EWS wurden im Vorfeld derart abstruse Gerüchte und Theorien verbreitet, dass die Dokumentation dessen länger würde als das Drehbuch. Es wurde viel über “perverse” Sexszenen und ausufernden Drogenkonsum der Protagonisten gemutmaßt und darüber, warum diverse Nebendarsteller, u. a. Harvey Keitel und wieder Jennifer Jason Leigh, wegen angeblich mangelhafter Qualität ihrer schauspielerischen Leistung ausgewechselt wurden (das erklärt dann zu einem Teil auch die lange Drehzeit É). Kubrick plant mittlerweile bereits seinen nächsten Film, den Science Fiction “A. I.”. EWS startet im Spätsommer. Das Lieblingsprojekt von George Lucas, doch noch die restlichen sechs aller neun Teile der Star Wars-Saga zu verfilmen, nimmt konkrete Züge an, Teil I ist fertig. Man kann sich Ewan McGregor zwar nicht als jungen Obi-Wan Kenobi vorstellen, aber bitte, geben wir dem Film eine Chance. Erzählt werden wird wohl, wie es sich bei einem echten Teil I gehört, die Geschichte, wie alles begann É Wagt man schon den Ausblick auf 2000, dann sieht man da zunächst viele weitere Star Wars-Folgen (uns blühen noch fünf!) sowie die erste Zusammenarbeit von Steven Spielberg und Tom Cruise in dem “futuristischen Thriller” Minority Report. James Cameron plant Avatar, das klingt gut. Tim Burton dreht Superman Reborn mit Nicolas Cage (!). Und wir werden dann endlich sehen, ob Christian Bale (der Journalist aus VELVET GOLDMINE) nun die Hauptrolle in der Verfilmung von Bret Easton Ellis’ American Psycho spielt, nachdem Leonardo di Caprio abgelehnt hat. Disclaimer: Leider haben es Filme, für die Produktionsfirma und zukünftiger Verleiher nicht schon quasi bei Drehbeginn anfangen können, die Werbetrommel zu rühren, naturgemäß schwer, in so eine Vorschau hineinzukommen. Der Mainstream hielt so wieder ungehindert Einzug in die de:bug, und manch einer oder eine mag sich in seinem oder ihrem Verständnis von Film als Kunst betrogen fühlen. Aber seien wir ehrlich, die besten Filme sind eben die, die am besten unterhalten. ZITAT: Wagt man den Ausblick auf 2000, dann sieht man viele weitere Star Wars-Folgen – uns blühen noch fünf! Websites: 23 http://www.dreiundzwanzig.de/ Eyes Wide Shut http://www.corona.bc.ca/films/details/eyeswideshut.html http://www.darkhorizons.com/1998/eyeswide/eyesn.htm http://www.eyeswideshut.com/ Star Wars I http://www.starwars.com/

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Elektronische Lebensaspekte.