Techno macht Mode Teil 2
Text: Dennis Dorsch aus De:Bug 103

Ellen Allien hatte schon immer Sinn fürs Visuelle. Von Anfang an hat sie sich von den schmucken Jungs der Pfadfinderei das schmucke Artwork für ihr BPitch-Label entwerfen lassen. Jetzt hat sie sich mit Markus Stich, der einen Hälfte des eingestellten, aber ehemals schwer renommierten Herrenmode-Labels Soto/Stich, zusammengetan, um ihre Linie ”Ellen Allien Fashion“ auszuhecken. Ellen zeichnet, Markus Stich prüft am Körper von Ellen nach, vorm Spiegel wird gemeinsam zurechtgeformt, bis es sitzt.

Welche Attribute passen zu eurem Mode-Label?
Unkompliziert, weiblich und verspielt.

Welche Attribute passen überhaupt nicht zu eurem Mode-Label?
Streng, funktional.

Warum gibt es in der Techno-Welt so viele Mode-Muffel?
Weil die Musik sich größtenteils im Kopf abspielt. Allerdings würde ich deine Frage/These sofort widerlegen wollen, da die Technokultur doch maßgeblich für Veränderungen im Bereich Mode verantwortlich ist. Mode wurde dabei schon immer als Spiel verstanden, als Möglichkeit einer chiffrierten Darstellung des Selbst. Es gibt Menschen, denen ist nicht wichtig, was an ihrem Körper hängt, da hört dann die Kreativität auf. Das Alltägliche wird hier zur Routine. Kleidung gewinnt keine Aufmerksamkeit, da sie ein alltägliches Tool ist, das nur schützen soll. Es gibt Menschen, denen ist es einfach nicht wichtig. Mir ist wichtig, wie sich das Material auf meiner Haut anschmiegt und auch, ob die Kleidung das ausstrahlt, wie ich fühle, oder wie ich sie benutze, damit eine bestimmte Aura entsteht. Mode muss nicht teuer sein, es kommt darauf an, wie sie kombiniert wird.

Ist Kleidung mehr Spiel oder mehr Ernst?
Das kommt darauf an, was der Mensch damit vorhat. Ich selber spiele damit. Mode ist für mich immer eine Möglichkeit, diese Dichotomie zu umgehen. Und sag’ mal ehrlich, ist Debug bei Mode ernst? (Ich sag’ nur das “Made with Hate”-T-Shirt in der 100. Debug …)

Welche Gesellschaftsgruppe setzt gerade die entscheidenden Mode-Impulse? Das Militär, die Pariser Grandes Dames, die britischen The-Bands, schwule Cowboys, Cary Grant …
Es ist immer die Straße, die Impulse gibt. Meistens junge kreative Menschen, die Spaß haben, mit Kleidung zu spielen, sie kombinieren. Und es wird kopiert. Musik ist hier ein Motor, da Musik ein Lebensgefühl, eine Meinung ausdrückt, die sich dann in der Mode widerspiegelt.
Mode ist genauso vielschichtig geworden wie die Styles in Musik, Kunst, Lebenskultur. In der ”Zeit“ von letzter Woche stand, dass es allein in Deutschland 400 (kein Witz) verschiedene Jugendkulturen gibt. Und das zeigt sich auch in der Mode. Selbst wir als Thirtysomethings sind doch irgendwie immer noch connected mit einem Lebensmodell, das auch die Jüngeren teilen.

Chanel gilt als die Befreierin vom erdrückenden Plüsch in der Frauenmode. Als was will ”Ellen Allien Fashion“ in die Mode-Welt eingehen?
Ja, Chanel hat die Frau befreit. Jil Sander auch … es gibt ja extrem viele männliche Designer, die ihre Feen-Welt kreieren oder die super sexy Bitch … hehehehe …
Für mich ist wichtig, wenn frau das Kleidungsstück anzieht: Es soll weiblich und bequem sein und auch einfach in den Koffer geschmissen werden können, es darf nie gebügelt werden.
Es soll die Dame frisch aufhellen lassen, ohne sich dumme Schminke ins Gesicht schmieren oder die Haare färben zu müssen. Kleidung kann extrem betonen oder dich verändern. Es ist das Spiel der Möglichkeiten. Das Spiel der Möglichkeiten ist für mich der Reiz an Mode, Musik, Livestyle.
Ich will letztendlich Grenzen verwischen, z.B. zwischen der DJ- und der Modewelt. Das Thema ”Grenzen aufbrechen/verwischen“ wird doch auch in der Kunst schon lange unter Begriffen wie Bricolage oder Crossover diskutiert.

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Elektronische Lebensaspekte.