Die Emulations-Welle geht weiter. Der Oscar von 1983 war und ist ein heiß begehrter Gehimtipp in Analogkreisen. GMedia, die uns schon das MTron beschert haben, machen mit der Sofware impOSCar das alte Teil nun wieder verfügbar.
Text: Benjamin Weiss aus De:Bug 80

Gmedia impOSCar

Na ihr kennt das ja, mal wieder gibt es einen “legendären Analogsynth” in der virtuellen Auferstehung, diesmal ist es der OSCar, ein ziemlich klobiger Kasten, der von der britischen Firma OSC (Oxford Synthesizer Company) 1983 rausgebracht wurde und alles andere als ein Hit war zu seiner Zeit. Nichtsdestotrotz haben sich über die Jahre eine ganze Menge Leute für das Teil interessiert und es auch benutzt, da es ein paar sehr eigene Soundfeatures besitzt.

Übersicht
Der impOSCar kommt mit zwei Oszillatoren, die je 10 Wellenformen anbieten. Neben den allseits bekannten Standards und der Pulsweitenmodulation gibt es hier aber auch ein paar ungewöhnlichere Kandidaten aus der Digitalfraktion wie “Gritty” oder “Strong Lead” und zwei selbstdefinierbare Wellenformen zur Auswahl. Die eigenen Wellenformen lassen sich auf einem Grafikdisplay mit der Lautstärke von 24 Harmonischen definieren. Die Filtersektion (eigentlich das einzig wirklich analoge Element der Hardware-Version) kommt mit zwei 12 dB-Filtern, die parallel oder in Serie geschaltet werden und wahlweise Tief-, Hoch- oder Bandpass-Charakteristik haben können. Als Spezialität gibt es für den Filterbereich einen Drive-Regler, mit dem sich der Filter sattestens verzerren läßt und die Möglichkeit bietet, per Separation den Cutoff des zweiten Filters bis zu 24 Halbtöne zu verschieben. An Effekten gibt es einen einfachen, aber recht gut klingenden Chorus sowie ein Stereo-Delay, das bei Bedarf auch unabhängig pro Kanal eingestellt werden kann und synchronisierbar ist. Per LFO können Tonhöhe und Filterfrequenz moduliert werden. Hier stehen als Wellenformen die üblichen Verdächtigen sowie zwei Patternwellenformen zur Verfügung und wer möchte, kann auch eine der Hüllkurven als LFO Wellenform nutzen. Als Hüllkurven stehen jeweils eine ADSR für Lautstärke und Filter bereit. Durch die umfangreichen Trigger- und Repeat- Funktionen lassen sich daraus auch interessante Modulationsmöglichkeiten basteln. Schließlich besitzt impOSCar noch einen Arpeggiator, der die Standards wie Up/ Down/ Up & Down sowie Random und eine Holdfunktion zu bieten hat.

Performance, Bedienung und Sound
Der Vergleich mit dem “Original” ist (wenigstens für mich) müßig, da ich es nicht besitze und leider auch noch nie ausprobieren durfte. Schön aber für diejenigen, die im Besitz von Sounds für den Original OSCar sind, ist die Tatsache, dass sich alte Soundbänke via Sysex importieren lassen, sogar der Import via Tape ist möglich, wofür aber ein kleines Zusatzprogramm benötigt wird. Fest steht, dass der impOSCar eine sehr eigene, vor allem im Bassbereich zuweilen recht roh, dick und dreckig daherkommende Soundästhetik hat, die auch in der Verzerrung prima klingt. Aber auch schneidende und sägende Höhen sind kein Problem, der impOSCar ist ein sehr vielfältiger Synth, der sich in allen Frequenzbereichen durchzusetzen weiß. Die Oberfläche ist weitestgehend selbsterklärend und alle, wirklich alle Drehregler können schnell und bequem mit Midicontrollern versehen werden. Die Performance ist im Verhältnis zum Sound sehr gut und auch der Preis ist angemessen: alles in allem sehr empfehlenswert!

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Elektronische Lebensaspekte.