Leise Songs machen viele, doch nur wenige schaffen es, wie Finn aus Hamburg durch Nicht-Außergewöhnliches so außergewöhnlich zu sein, Großartigkeit im Kleinen, nur durch Stimme, Gitarre, Synthie und Drumcomputer zu vermitteln und dabei alle anderen klammheimlich in dieTasche zu stecken.
Text: Thaddeus Herrmann aus De:Bug 76

Nichts Außergewöhnliches, egal, schön

Kaum eine Platte hat mich dieses Jahr so beeindruckt wie Finns Album “Expose Yourself To Lower Education”. Soviel mal vorneweg, auch wenn das niemanden was angeht. Eigentlich. Dabei wird hier kein Rad neu erfunden, aber bei Finn passiert etwas Außergewöhnliches, was vielleicht am ehesten so beschrieben werden kann, dass eigentlich gar nichts Außergewöhnliches passiert. Finn schreibt Lieder, spielt Gitarre, hat einen Synthesizer und lässt einen Drumcomputer dazu laufen. Die Stimme klingt dabei ein bisschen nach Radiohead und die Synthie-Sounds erinnern mich an die Quarks (diese Streicher, das sind doch dieselben, oder Finn?) Aber das ist es alles nicht. Und wahrscheinlich bekommt man das auch nicht geklärt in diesem Text. Was es denn nun ist. Vielleicht ist es einfach was Persönliches.
Finn holt mich im Büro ab, das Konzert am Abend zuvor hat der Schreiber verpasst, Musik spielt einfach zu spät in der Stadt. Finn fand es aber super und noch toller war wohl, dass er nach dem Konzert eine Kneipe fand, in der man bis morgens um 9 bedient wird. Das ist in Hamburg offenbar nicht möglich. Da kommt Finn nämlich her. Da macht er Musik und malt nebenher; eine größere Ausstellung in der Hansestadt ist angedacht. Die Kneipe, die nie zumacht, lässt uns dann erstmal Kaffee bestellen und Finn erzählt, wie das so alles losging mit der Musik und Bands und der Entscheidung, auch alleine Musik zu machen, nur so für sich, und was er früher alles so gehört hat und wie alles zusammenkam. Das ist alles interessant, aber irgendwie auch nicht wichtig. Wichtig ist nur die Platte mit ihren großen, unglaublich leisen Songs, die einen so wahnsinnig berühren, die Frage, warum alle so unglaublich müde aussehen (“Like A Radio Antenna”) und ob dieses Wesen auf dem Cover mit den tollen Augen, die einen auf der Website dann auch noch so freundlich anlächeln, ob das denn nun Finn ist oder nicht. Ist es nicht wirklich, aber wenn die Leute das denken … auch gut. Finn steckt eh’ alle in die Tasche, diese ganzen Bands mit leisen Liedern sowieso, aber auch alle anderen. Ohne, dass sie es merken würden, natürlich. Vielleicht macht das Finn zu Finn. Und vielleicht zieht er diese Stärke und dieses Vertrauen aus Hamburg und der Zuversicht, dass man sich hier umeinander kümmert und Leute immer wieder an denselben Orten auftauchen, selbst, wenn man sie länger nicht gesehen hat. Man nie alleine sein muss, wenn man nicht will. Vielleicht ist das aber auch ganz anders und die Platte ist einfach aus ihm rausgepurzelt, wie das Platten manchmal so machen, und morgen sieht alles anders aus. Aber wie gesagt: Darum geht es gar nicht. Denn die Platte ist da und wird bleiben. Tschüß, Finn, mach’s gut.

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Elektronische Lebensaspekte.