Die Niederländer "The Books" machen Musik zum Köcheln knackigen Gemüses, die den Unterschied zwischen grünem und schwarzem Tee vertont. Jau, sie sind eine Lebensmittel-Band! Und als solche kümmern sie sich mit ihrem folky Cutup-Pop um die elementaren Dinge des Lebens in aller fortschrittlichen Konservativität.
Text: René Margraff aus De:Bug 75

Schöner essen

Farbenfroh wie in der Herbstsonne getrocknetes Laub klingt die Melange aus Akustikgitarren, Celli und Vocals, die “The Books” auf ihrem zweiten Album für Tomlab zusammengerührt haben. Nick Willscher Zammuto und Paul De Jong haben einige Zeit gemeinsam in einem alten Haus in North Adams, Massachusetts verbracht und schicken uns nun einen herbstlichen Küchensoundtrack. Das Rezept ist eigentlich simpel, aber hier schmeckt alles besonders gut. Man nehme drei Befehle am Computer, nennt sie Cut, Copy & Paste. Nimmt akustische Instrumente auf, baut sich eine Samplebank und sorgt für einen vollen Magen, dann klappt das mit dem folky Cutup-Pop. The Books berichten von Essen, ihrer Zusammenarbeit und was sie sich erhoffen …

We’re not a punk band, we´re a food band
Die ganzen platten Küchen-Metaphern seien mir bei The Books verziehen, denn schließlich nannte sich ihr erstes Album aus dem Jahr 2002 “Food for Thought“. Es ist eines dieser Alben, die Tomlab gerade eben nachpressen lassen musste. Schön, dass so etwas auch 2003 noch passiert. Der Titel des neuen, “The Lemon Of Pink“, kommt vitaminreich und positiv bei mir an. Sind The Books eine Lebensmittelband?
Nick und Paul: “YES! Wir sind eine Lebensmittelband und wären auch gerne als solche bekannt. Es wäre uns nämlich lieber, bei Konzerten für die Gäste zu kochen als ihnen unsere Musik zu präsentieren. Essen ist essentiell, da gibt es wohl keine Zweifel. Wenn einer von uns im Studio arbeitet, steht der andere in der Küche. Wir bevorzugen einfaches und gesundes Essen, dunkelgrünes Gemüse, Kartoffeln, guten Käse, Vollkornbrot, süße reife Früchte, Mandeln, Pilze und etwas Rotwein.“

Hör mal
Das eigentliche Ziel von The Books war Pop. “Das hat nicht wirklich geklappt, aber Spaß hatten wir allemal.“ Eine gemeinsame Freundin hat die beiden miteinander bekannt gemacht und nachdem die gemeinsame Leidenschaft für komische Sounds entdeckt war, begannen sie auch gleich mit ihrer Zusammenarbeit. Und die klappt prächtig, obwohl die beiden auf den ersten Blick aus unterschiedlichen Ecken kommen und Tom Steinle ihnen immer wieder Termine setzen musste. Paul De Jong komponiert sonst Musik für die städtischen Bühnen in Rotterdam, gibt klassische und zeitgenössische Konzerte, komponiert Scores für Tanz- und Bühnenstücke und bringt den Kids in Manhattan bei, wie sie mit ihrem Cello umgehen sollen. Nick Willscher Zammuto ist der Koch in der Band, hat aber auch Kunst unterrichtet und sich mit “Soundskulpturen“ beschäftigt. Einiges davon ist unter dem Namen Zammuto auf Apartment B und dem Netaudiolabel No Type erschienen.
The Books ist für beide etwas Spezielles und Neues: “Es geht hauptsächlich um die Zusammenarbeit. Wenn die nämlich klappt, passieren magische Dinge, das Ergebnis ist dann viel größer und schöner als die einzelnen von uns beigesteuerten Teile. Es ist das beste Gefühl, dass wir kennen und gibt uns einen guten Grund, hier auf diesem Planeten zu sein. Wenn die Musik ‘funktioniert’, verwandelt sie sich in etwas eher Universelles. Inspiriert werden wir dabei von allen Dingen, die unseren Weg kreuzen (Musik, Filme, Literatur, Geschichte, Familien, Freunde, Wetter). Unsere Musik ist unsere Art, all das umzudrehen und etwas zurück zu geben. Im Zentrum steht dabei das Hören. Richtiges Zuhören hat aber weniger mit den Ohren zu tun als man glaubt. Die Technik, die es uns ermöglicht, so zu arbeiten und zu komponieren, ist einfach wunderbar. Wir können so wirklich zuhören und den Klang komplett aufsaugen. Hoffentlich hört man das unserer Musik an, vorsichtiges Zuhören und eine Leidenschaft für Sound.“

My definition of …
“Food for Thought” wirkte in der Soundauswahl unterschiedlicher, nervöser und auch unentschlossener. Auf “The Lemon Of Pink“ sind sowohl Sprache als auch Akustikgitarren und Celli weiter ins Zentrum geschoben.
Sind The Books absichtlich noch “folkier” geworden?
Nick und Paul: “Hmmm … die beiden Alben sind eher wie schwarzer Tee versus grüner Tee. ‘Folky’ ist momentan ein so oft gelesenes Wort. Es geht bei The Books ganz sicher nicht um ’Twang-Twang Folk’. Für uns bedeutet ‘folky’ eher seltsam, aber ehrlich, offen, aber persönlich, zugänglich, aber eigen, verwurzelt, aber nach vorne schauend, irgendwie konservativ, aber zugleich fortschrittlich. Es wäre schön, wenn dies auf unsere Platten zutreffen würde.“

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Elektronische Lebensaspekte.