Birminghams finest, Broadcast, sind nur noch zu dritt. Scheinbar brauchen sie auch immer genau drei Jahre für ein neues Album. Und auch bei “Haha Sound“, dem neuen Album, kam ihnen wieder einiges dazwischen. Gelohnt hat sich die Warterei allemal.
Text: René Margraff aus De:Bug 74

Broadcast haben die Retro-Bremse etwas angezogen und scheinen allzu offensichtliche Sixtiesreferenzen inzwischen eher zu meiden. Dennoch ist es immer noch hörbar, dass sie mit “elektronischer Musik” eher Platten vom BBC Radiophonic Workshop oder Raymond Scott meinen und nicht den neusten Minitrend überproduktiver Computerkids oder das, was ihr Label Warp veröffentlicht. Broadcast liefern auf “Haha Sound” vor allem klassische Songs ab, wobei eine gewisse Folkyness nicht von der Hand zu weisen ist. Die raueren, angezerrten und verhallten Sounds der im Mai erschienen “Pendulum” EP sind hier in hypnotischen Songs untergebracht.

Die Kirche als Studio

Von der fünfköpfigen Ur-Besetzung übrig blieben Tim Felton, Trish Keenan und James Kargill. Ein unlösbares Problem ist es für Broadcast, einen festen Drummer zu finden. Der erste ging zu den befreundeten Pram, der zweite wollte auch nur kurz einspringen. Broadcast lassen sich allerdings nicht unterkriegen. Beim neuen Album machten sie aus der Sessiondrummer-Notlage eine Tugend. Neil Bullock spielt vor allem in Jazzbands um Birmingham, wusste aber genau, was zu Broadcast passt. Engagiert! Auch in anderer Hinsicht wurde das Schicksal beim neuen Album positiv gewendet. Nachdem Broadcast ihr altes Studio schließen mussten, produzieren sie nun zu Hause, was aber spätestens bei den Drums zu Problemen mit den Nachbarn führt. Nach etwas Sucherei fand sich schließlich ein recht hoher Raum in einer benachbarten Kirche, wo Neil Bullock dann inklusive dem feinsten natürlichen Hall aufgenommen wurde.

In Japan bedeutet Haha Mutter

Broadcast packen all die unschönen Dinge, die ihnen seit 2000 widerfuhren, in ihre beste Platte und gaben ihr diesen komischen Titel. Tim erklärt: “Wir hatten eine Liste mit möglichen Albumtiteln und ‘Haha Sound’ war von Anfang an ein Favorit aller, da er so schön kurz und irgendwie schnippisch ist, nicht so schwer und traurig daherkommt. Seit 2000 hatten wir wenig Spaß, haben unser Studio schließen müssen, Rob von Warp starb, dann das Personalkarussell namens Drummer … Wir wollten aber immer noch eine positive Platte machen und ‘Haha Sound’ erschien uns da dann doch recht passend.” Nach einer kurzen Pause fügt er lachend hinzu: “Ok, die ursprüngliche Bedeutung kam für uns von einem Buch über die japanische Kinokultur. In Japan bedeutet Haha Mutter. Da wir jetzt aber schon ein paar Mal nach der Bedeutung des Titels gefragt wurden, fielen uns auch immer mehr Gründe ein, warum er so gut passt.”

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Elektronische Lebensaspekte.