Trost für schmerzvoll einsame Großstädter kommt von Owen Ashworth aka Casiotone aus Seattle. Technischer Lo-fi als Methode wird zur charmanten Herausforderung mit Humor, die das unwiederbringlich Verlorene zelebriert.
Text: Verena Dauerer aus De:Bug 66

Owen Ashworth ist ein Einsamer daheim allein in Seattle. Selbstgewählt: “Ich kann nur allein arbeiten, sonst gibt es zu viele Kompromisse.” Begleitet von seinen 24 trauerklößigen Casio- und Yamaha-Keyboards und einer schnoddrigen Beat Box singt er verzweifelte Love Stories auf seinen AB: “I should have known how this would end/you’re not even my friend/some things aren’t worth mending/some messages aren’t worth unsending.”
Er ist Casiotone For The Painfully Alone, hoffnungsvoller Lo-Fi Electronic Poet, dessen Stimme so deprimiert klingt wie Anfang 40, unrasiert und seine peinvollen Erfahrungen wie den Bierbauch vor sich herschleppend. Dabei ist er Mitte 20, sieht aus wie ein bebrillter Teddybär im Sweater und betrachtet die Dinge aus der Distanz des Schreiberlings: Er hatte mal sein eigenes Zine “Wyatt Riot”, studierte Film und hat als Journalist gearbeitet. Seit einer Weile hat er sein Label “Cassingle USA”, auf dem, und jetzt endlich bei uns, sein Debüt “Answering Machine Music” zu haben ist. Ein Albumtitel, der Lou Reed und seinem “Metal Machine Music” mal so zuwinkt.
Die Aufnahmen wurden auf einen AB, ein Vierspurgerät und einen Cassettenrecorder gespielt und weiden sich in heiserer Rauscheligkeit, voll mit eierndem plinky plonk Minikeyboardfiepen und stapfenden Beats. Auf Lo-Fi steht Owen nicht aus nostalgischer Verzückung, es ist “eine Herausforderung, die Limitierungen des Equipments auszuloten. Sich auf das einzustellen, was das Medium hergibt”, sagt er und ist ein Kultivierer, der das Hippe am Lo-Fi, das Billige ausreizt. Mit dessen Bastelcharme hebelt er leicht jedes Gegenargument aus und verhindert gleichzeitig leidvoll pathetisches Sich-Beweinen. Sich selbst sowieso nicht. Owen: “Die Lyrics stammen nicht von meinen Tagebüchern, es sind Geschichten um mich rum. Ich möchte die Zeit reflektieren, in der wir uns befinden. Als Zeitdokumente.”
Seine elf Nachrichten auf dem Album gehen an “sexuell frustrierte Bohemians”, so sieht das zumindest die Miami New Times und vergleicht ihn gerne mit den Mountain Goats. Die traurigen Liebeslieder mit und ohne Bitterkeit sind gespickt voll trocken zerbröselter Ironie an Klebmelodien von sehnsuchtsvollen oder gebrochenen Herzen. Was vom schmerzhaft Unwiederbringlichen bleibt, ist ein Achselzucken mit der Attitüde “Shit happens”. Owen: “Meine Songs sind nicht traurig, sie haben Humor. Wenn man Geschichten von anderen hört, fühlt man sich nicht mehr so allein. Ich kann stundenlang im Auto sitzen und Hank Williams zuhören. Nur live verwechseln das die Leute oft. Nach einem Konzert klopfte mir jemand auf die Schulter und wollte mir Mut zusprechen.” Trost spendet er selber, auf seiner Website dürfen ihn Einsame kontaktieren. Aber was soll man schon fragen zu liebevoll schnörkeligen Texten wie: “I want to drink rice milk with you/I’ll be your one and only/so we won’t be so lonely.”

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Elektronische Lebensaspekte.