Mit ‘2 Million And Rising’ gibt Influx UK einen Verweis auf die Arbeitslosenzahlen in den UK-Städten. Seine Tunes wollen sagen, Raver aller Länder vereinigt euch.
Text: Felix K. aus De:Bug 92

Influx UK
Working Class Hero

2005 ist ein großartiges Jahr für Drum and Bass. Mit Influx UK schickt Formation sein derzeit stärkstes Zugpferd ins Rennen um die Goldmedaille für das beste Album … die Chancen stehen gut. “2 Million and Rising” heißt es und hat seinen Schatten weit voraus geworfen. Influx UK hat schon in den späten 80ern HipHop und House mit einem Vier-Sekunden-Sampler und einem Boss-Effekt produziert. Die Sachen waren aber nicht gut genug für einen Release, da es ihm damals an Erfahrung und vor allem dem nötigen Kleingeld für weiteres Studioequipment fehlte. Mittlerweile ist das anders. Man kann alles mit dem Computer machen. Influx UK als Hälfte von Influx Datum kann auf eine stolze Liste von Releases auf Formation, Hospital, Renegade Recordings, Headquarters, Phuturistic Bluez, Identity usw. zurückblicken und lässt seine Erfahrung auf allen Ebenen in das Album einfließen. Der Albumtitel spielt dabei keine unwichtige Rolle. Es geht um das, was Drum and Bass immer schon ausgemacht hat. Es geht um Underground und die Working Class als musikalischen Entwurf für den Dancefloor: “Ich habe das Album ‘2 Million And Rising’ genannt, weil Underground Dance Music immer schon eine Erfindung der Working Class war. Bei der letzten Zählung gab es in den Städten von UK etwa zwei Millionen Leute, die unter der Armutsgrenze leben, Tendenz steigend.”
Der klassische Rave ist nach wie vor Treffpunkt einer bestimmten Einkommensschicht und allen, die irgendwie dazu gehören wollen. Damit hat Influx UK eine Verbindung geschaffen, durch die er auch Leute außerhalb der Drum-and-Bass-Kreise erreicht und vereint. Das schreit nach einem Masterplan, um Drum and Bass wieder im großen Stil dahin zurückzubringen, wo es einst groß war, und verkündet zugleich, dass es letztlich doch auf die Qualität der Tunes ankommt. “Ich stell mir immer vor, wie der Track funktionieren wird, wenn ich ihn laut spiele. Er braucht Energie und Vibrancy. Ich stelle mich selbst als Raver vor, der den Track zum ersten Mal hört mit all den Rauchgeneratoren und den Lasern. Ich brauche dieses Hektikgefühl. Ich fange dann immer mit einer Idee an. Vielleicht ein Sample, das ich verwenden will, ein Basskicksound, Softsynths, die sich wicked anhören oder ein Vocal. Die Idee für den Track ist der Schlüssel für mich. Ansonsten wäre es nur irgendeine eine Bassline mit irgendeinem Synthie-Geräusch, ohne Ziel.”
2 Million & Rising wagt sich musikalisch aus den derzeit sicheren Vocal-Dub-Schemata heraus und experimentiert mit editierten Beats, die trotz aller Ecken und Kanten mit einer unsagbaren Lässigkeit zerfließen. Influx UK beweist, dass man auch als Minimalfan etwas härter werden darf. Die Bässe knarzen ordentlich, werden aber eher dezent eingesetzt und verbreiten eine Funkyness, bei der man nicht weiß, ob man die Augen schließen soll, oder lieber mit den anderen mitschreit. Neben einer gewissen hypnotischen Dubbiness erzeugen die melancholischen Synthie-Melodien dabei Euphorie ohne Ende, welche nur von den Vocals überboten werden. Irgendwie muss man dabei an die Zeit denken, in der man zum ersten Mal das Video von Goldies “Inner City Life” im Fernsehen gesehen hat, mit den blassgrauen Neubauten der Vorstadt und wenig Perspektive. “Ich hab wirklich einfach meine Lieblingstracks der letzten Jahre ausgewählt. EinigeTracks sind von 2002 wie ‘Souls Unite’ oder ‘Do Right Do Wrong’, andere wurden erst wenige Tage vor dem Mastering im Dezember 2004 fertig. Ich hab aufgepasst, keinen der Tracks an andere DJs zu geben mit einer oder zwei Ausnahmen. Fabio hat mich ein Jahr lang gelöchert, ob ich ihm das Album geben kann. So sehr habe ich die Tracks unter Verschluss gehalten. Ich wollte nicht, dass sie schon abgenutzt und alt klingen, wenn sie herauskommen. Viele haben mir gesagt, dass sie die “Oldschool”-Anspielungen heraushören, von denen ich mir tatsächlich keine Vorstellungen gemacht habe. Die meisten mögen das Album, aber es sind eher die älteren Heads, die es richtig gut finden. Ich denke, ich mache Musik für die älteren 30+ Raver, hahaha.”

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Elektronische Lebensaspekte.