Mit "last.fm" stürzt sich das definitive Online-Radio ins krisengeschüttelte Netz. Mit einem einfachen "Skip"-Button kickt man die Tracks, die man nicht mag, aus seiner Playlist und baut sich so Schritt für Schritt sein persönliches Online-Mixtape, Breitband sei Dank.
Text: Astrid Zander aus De:Bug 73

Click and change
Online-Radio last.fm

Auch wenn man bereits verschiedene online Radioshows für sich entdeckt hat, last.fm ist einfach um Ecken besser. Im Web ist diese Radioshow nun seit letztem September zum Reinhören und Rumbasteln präsent. Wie der Name bereits sagt – last.fm – “the last radio you’ll ever need” -, sind sich die Gründer einig, dass ihr Programm das letzte ist, das wirklich Sinn macht. Gleichzeitig ist es aber auch das erste, was es in dieser Form gibt. Debug wagt mit last.fm-Member Martin Stickel einen Blick hinter das Programm und die verzweigten Geschmäcker der last.fm-Hörer.

Online Radioshows, das kennen wir schon. Bei last.fm nun funktioniert das alles ein bisschen anders: Ähnlich wie früher bei Napster das Browsen des Userfolders möglich war, gibt es bei last.fm die Idee des ”Profile-Surfens”. Jeder User, der sich einloggt, bekommt sein eigenes Profil. Sobald ich meine Adresse eingebe, beginnt das Programm Tracks abzuspielen. Wenn ich einen eingespielten Track nicht mag, kann ich ihn mittels Change-Button aus meinem Programm und so auch aus meinem Profil verbannen. Das Prinzip ist so einfach wie genial: Man hört, was man mag, und skipped, was man nicht mag. Nach einiger Zeit stellt das last.fm-Programm eine persönliche Favourite- und Spam-Liste zusammen. So weit, so gut – und auf Dauer langweilig. Deshalb vergleicht last.fm nach einiger Zeit meine Lieblingstracks mit den Listen anderer User und deren Profilen. Vom Prinzip her läuft das dann so: 2 User haben z.B. jeweils 100 Lieblingstracks. 80 davon sind gleich und bei den 20, die nur einer von beiden hat, ist die Wahrscheinlichkeit sehr groß, dass der andere diese auch mag. Daraufhin werden diese 20 Tracks in die Online Record Collection des jeweils anderen Users kopiert. Unsere beiden User hören dann zwar nicht das Gleiche, da man nicht in das Programm des anderen reinhören kann, ihre Profile aber verschränken sich nach einiger Zeit durch den Abgleich der Lieblingstrack-Listen. So bilden sich neue Geschmäcker und weit verzweigte Schnittstellen.
Entscheidend dabei ist, dass es auf die Motivation eines jeden Users ankommt, sich nach und nach eine schöne Plattenkollektion zu erarbeiteten bzw. zu erklicken. Click and change. Ist ja auch nicht schwer.
Martin Stickel : ”Unser Ausgangspunkt war immer: Wie kann man gute Musik entdecken, die man nicht kennt? Daher kam uns die Idee des profile surfens. Und zwar ohne DJ, der einem irgendwas vorspielt, das sich dann jeder anhören muss. Deshalb wäre es beim profile surfen kontraproduktiv, wenn du dir genau den Track anhören kannst, den ein anderer gerade hört. Interessanter ist es, neue Musik zu finden. Das Profil ist sozusagen der Schlüssel zur Musik!”
Den Gründern von last.fm ist es darüber hinaus wichtig, eine Plattform zu schaffen, die über die bloße Musik hinausgeht. Musik – im traditionellen Sinne – verbindet, wie wir alle wissen. Und zwar überall. Man identifiziert sich über sie, findet ”music mates” oder kann mit bereits vorhandenen Freunden und Bekannten über Musik diskutieren. Aus diesem Grund wollen last.fm auch Parties und Konzerte organisieren. Last.fm basiert eben nicht auf einer üblichen Broadcast-Struktur, sondern ist unicast. Man kann sich prima auf seinen eigenen kleinen Spezialbereich begrenzen oder diesen mehr und mehr ausbauen und über seine Grenzen erweitern. Auch ganz direkt: über den eingebauten Chatroom. So macht man auch mal Bekanntschaft mit coolen Japanern, die man zuerst bei insine.net beim Uploaden ihrer Tracks verfolgen konnte.
Insine.net ist so etwas wie der Vorläufer von last.fm. Es ist eine Plattform für unbekannte Künstler, die nach einer guten Output-Möglichkeit suchen. Was dort veröffentlicht wird, findet sich garantiert auch bei last.fm wieder. Insine.net funktioniert sozusagen als grober Vorfilter für die Radio Show. Last.fm dagegen konzentriert sich insgesamt mehr auf den Label-Support als nur auf einen speziellen Künstler, wie es bei insine der Fall ist. Denn letztendlich wird bei last.fm von Bob Marley über Iggy Pop bis hin zu Farmers Manual alles gespielt und der User evaluiert selbst, was davon für seine Ohren bestimmt ist.

About The Author

Elektronische Lebensaspekte.