Die Berliner Troublemaker Mitte Karaoke haben ihr eigenes Label. Wie was wieso warum hier.
Text: Sascha Kösch aus De:Bug 83

Von Ultras und Inzest
Mitte Karaoke sammelt Traumpaare

Mitte Karaoke war schon immer ein guter Name. Warum? Weil Mitte eigentlich immer schon eine Karaoke-Bar war. Alle dachten immer, hier spielt die Musik. Aber gesungen wurde immer woanders. Gesamtbundesdeutsche Betten wurden vollgeheult, weil irgendwer mal das Gerücht verbeitet hat, da, und nirgendwo anders in Deutschland, ist es nicht provinziell. Aber tatsächlich war Mitte, seitdem der Stadtteil Berlins sich aufgemacht hat zu einem Phantasma für Jugendkultur und Aufschwung (igitt), so durch wie die Weißwurst am Potsdamer Platz und mindestens so verklüngelt wie das Brüssler Viertel in der Domstadt.

Mitte Karaoke konnten deshalb die besten Tracks über das Überleben im Nachtleben dieser Stadt machen und permanent jeden Berlinhype zu einem Witz umfunktionieren, weil Feed und Dominik, im Gegensatz zu 90% der anderen gefeierten Berliner, auch aus Berlin kommen. Nehmt z.B. das Logo. Der Berliner Bär schnappt sich den Fernsehturm als Mikro und denkt, er wäre Elvis Presley. Oder Tracks wie “Panda Bär”, eine Ode an die Augenringe der standhaftesten Raver der Stadt, für die ein Wochenende immer zu kurz sein muss. Mitte Karaoke waren und bleiben Berliner Bilderbuchausgehhelden, die jeden kennen, alles wissen und daraus lieber einen Stabreim machen als einen Hype. Ihre Fangemeinde, die MK Ultras (siehe http://www.de-bug.de/2347.html) erfinden wahlweise sturzbesoffen neue, noch debilere Songtexte, fahren auf dem Tourbusgepäckträger nach Cottbus, bis sie blau werden (als wenn sie es nicht schon wären), oder randalieren rum, als wäre die wirkliche Heimat von MK Croydon. Die klüngeln nicht nur, die knuddeln.

Kein Wunder, dass aus der Idee, Liveacts (schnarch) nicht mehr einfach so auftreten zu lassen, sondern regelmäßig zum Mitte-Karaoke-Battle zu zitieren, wo sich die Helden hinter den Knöpfchen dann nicht mehr verstecken können, sondern ordentlich anpöbeln, um herauszufinden, wer in diesem Mitte-Gerangel denn heute noch weiß, wie man Bestform schreibt, irgendwann ein Label werden musste. Und der Name lag auf der Hand: Inzest. Jeder mit jedem. Keine neue Superberlinette-Züchtung, sondern ein Volk von Sklaven der Nacht, die vors Mikro müssen, so lange sie noch stehen können und Namen bekommen, die auch zwei Longdrinks sein könnten. Bastarde all das. Für die ersten Releases wurden die Märtini Brös und Thaddeus Herrmann zu Karaoke Brös und Herrmann Karaoke umgetauft. Klar, wer Inzest macht, der kommt aus dem Taufen nicht raus, und das muss begossen werden (schon wieder, uff). Mit im Boot und bald: Plastique Mitte Crowd, Asteroh Karaoke und unter den Ultras kursieren: Mitte Blome, Jelinek Karaoke, Selector Schmiere … da blickt doch keiner mehr durch. Aber die Wege der Nacht sind eh unergründlich und man weiß nie, in wessen Armen die MK’s und ihre Ultras am nächsten Morgen aufwachen und ob das DAT nicht vielleicht doch unter dem Tresen wegging, noch bevor es den langen Weg zum Vinyl geschafft hat. “Sex im WMF” aber, das hat Feed mir versprochen, erscheint dann doch noch dieses Jahr.

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Elektronische Lebensaspekte.