Nach iTunes, iPod, iTrip kommt hier einen weiteren real existierenden elektronischen Lebensaspekt vor. iPAL, das tragbare Mono-Zwergradio mit Schnittstelle zum iPOD, entworfen von der Audio-Legende Henry Kloss. Ein Zwiegespräch mit dem kleinen weissen Freund.
Text: Rikus Hillmann aus De:Bug 89

iPAL: Ich Tarzan, du POD.

iPAL, wie würdest du dich charakterisieren?

iPAL: Ich bin ein Outdoor-Radio mit iPod-Anschluss. Ich habe eine interne und eine schwenkbare Teleskop-Antenne, dicke Akkus und trotze Spritzwasser. Dazu besitze ich einen ziemlichen Wumms, den mir mein Vater, Henry Kloss, verpasste.

Ziemlicher Wumms? Wie soll denn das mit nur einem Lautsprecher gehen?

iPAL: Nun ja, Dad war einer der bekanntesten Audio-Erfinder und -Designer Amerikas. Er starb 2002 mit 72 Jahren. Man hat ihn sogar in der Consumer Electronics Hall of Fame für seine Entwicklungen geehrt. Während er in den 50er Jahren am Massachusetts Institute of Technology studierte, hat er mit ein paar Studienkollegen den ersten Acoustic-Suspension-Lautsprecher entworfen, der High Fidelity Sound in der uns bekannten konsumfreundlichen Form erst möglich machte: Ein Lautsprecher passt in ein Bücherregal und erzeugt dazu einen tiefen Bass. Das gab es vorher nicht. Er hat dann die Uni beendet und 1952 seine erste Firma “Acoustic Research” gegründet, um mit seinem Kupel Edgar Villchur noch mehr und bessere Lautsprecher zu bauen. Dann hat er seine zweite Firma KLH aufgemacht, die 1961 mit dem “Model Eleven” die weltweit erste Stereokompaktanlage herausbrachte. Die Mutter aller Kompaktanlagen, wenn man so will. 1971 stellte er das erste Tapedeck mit Dolby Noise Reduction vor, das Advent 201. Er gehört zu den Vätern der HiFi-tauglichen Audio-Cassette und des Videobeamers. Man sagt über ihn: “Vor Henry hatten alle ordentlichen Stereo-Anlagen Lautsprecher wie Kühlschränke.”

Gegen einen Kühlschrank wirkst du wie die formale Antithese. Braucht man dieses Design, um in den Jobs-Clan einzuheiraten?

iPAL: Hmm, ich denke schon, immer hübsch das Apple Family Face wahren, aber eben mit Kloss’schen Genen. Ich selber bin ja mehr der kalifornische Albino einer Familie, die gerne stilvoll Farbe zeigt. Dad selbst war allerdings total immun gegenüber Mode, dennoch wusste er sinnvolle Familienstrategien zu entwickeln. Er liebte es, seinen Schlips mit Büroklammern am Hemd zu befestigen und seine ungeteilte Aufmerksamkeit seinen Kindern zu schenken: Model One, Model Two, Model Three, SongBook und PAL. Wir sind kompakt, simpel und elegant, fangen dir mehr Stationen ein als andere, stellen klanglich jeden anderen Sound-Zwerg in die Ecke und haben uns in den USA schon über 20.000 mal verkauft.

Dein Selbstvertrauen zeigt amerikanische Prägung … Wie kommst du mit den Signalen klar, die dir dein kleiner digitaler kalifornischer Sportsfreund herüberschickt?

iPAL: Wir müssen uns immer ein wenig eintunen. Wenn Freund Pod zu laut eingestellt ist, kommt die Bassdrum mit etwas zu viel Wumms, ist er zu leise, wird’s bei mir in den Tiefen und Mitten etwas dünn. Die Kalifornier sind eben etwas launisch, Surfer eben, die auf Surf-Sound stehen. Das lässt sich aber meist durch eine andere EQ-Einstellung beim iPod beheben. Dazu kommen Qualitätsschwankungen aufgrund der verschiedenen MP3-Kompressionsraten. Allein als Radio beglücke ich mit vollem Sound bis zum Anschlag.

Ihr seid beide Portables. Wer hat die länger haltenden Batterien?

iPAL: Na rate mal … Dad machte keine Anfängerfehler!

Zum Preis: Du bist nicht billig. Hier hat man den Eindruck, ihr Amerikaner hättet den Währungsumrechner falsch herum bedient …

iPAL: Dad sagte mal: “Wir leben in Zeiten, in denen die Sachen so billig sind, dass man sich alles kaufen kann, was gefällt. Gefällt’s mir nicht mehr, kaufe ich eben was Neues. Es wird nicht mehr überlegt, ob die Anschaffung lange hält und funktioniert. Die Menschen kaufen keine guten Radios, weil sie nicht wissen, dass es sie gibt.” Er propagagierte Nachhaltigkeit. Ihr Europäer werdet das verstehen …

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Elektronische Lebensaspekte.