IRC steht für Internet Relay Chat und ist einer der ältesten Dienste des Internets. Entwickelt1988 vom finnischen Programmierer Jarkko Oikarinen war der Dienst seit jeher die Anlaufstelle für neue Computerprogramme, Hacks oder Cracks, Spielcodes, Porno, Musik- und Videodateien. Er ist eine Kontaktbörse und ein Hort für kontroverse Propaganda jeder Art. Seit dem Zusammenbruch des E-commerce hat der IRC eine neue Renaissance durchlebt.
Text: nico haupt | nicohaupt@gmx.li aus De:Bug 53

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Im Netz des IRC

Auch wenn IRC eine Welt für sich ist – für seine Benutzung bedarf es keinerlei großen Aufwands. Unter http://www.mirc.com kann man sich die bekanntesten PC-Clienten herunterladen: Pirch, BitchX, Ircle oder MircX für andere Betriebssysteme. Mit Hilfe der FAQ-Sektion ist man schnell auf einem Server und kann sich dort mit Hilfe des /list-Befehls je zehntausende von Channels auflisten lassen und besuchen (/join #room). Weitere Hilfe findet sich auf irc.pages.de, http://www.irccentral.com oder http://www.irchelp.org. IRC lässt sich mit Hilfe von Java-Applets auch auf Webseiten einbauen.

Zwischen Spielen, Hacks und Porno
Der IRC ist ein Konglomerat aus verschiedenen Netzwerken. Zu den populärsten zählt das EFNET, DALNET, Undernet und einige unabhängige Networks. Für die einzelnen Netze gibt es keine nationale Trennung. Zwar gibt es beispielsweise das ZANet für South Afrika, dies heißt aber nicht, dass jeder Server dort stehen muss. Da der IRC auch eine populäre Anlaufstelle für Hacker oder sogenannte Script Kiddies ist, muss man sich desöfteren schützen, besonders wenn man mehrere Channels gleichzeitig besucht. Es gibt sogenannte Addon-Scripts, die das Programm gegen diesen IRC-War schützen und noch dazu etwas komfortabler erscheinen lassen. Besuche in den Red Distrikt Channels sind trotzdem nur auf eigene Gefahr zu empfehlen.
In Zeiten politischer Krisen ist der IRC oft die Informationsstelle No.1, wenn man das Glück hat, einen offenen Raum zu erwischen, etwa den Kosovo oder jüngst das Afghan-Net. Natürlich kann man sich nicht völlig sicher sein, ob man es mit einer authetischen Quelle zu tun hat, da verhält sich das IRC nicht anders als die analoge Welt – recherchieren muss man immer. Man kann zwar die Identitäten mit Hilfe des Befehls WHOIS überprüfen, das ist aber auch kein zwingender Beweis, woher der andere stammt.

Die Innere Sicherheit
Da viele Kanäle zeitweise stark überfüllt sind, herrschen sogenannte Battles oder technisch bedingte Netsplits im IRC. Script Kiddies versuchen manchmal in mafiöser Manier populäre Räume zu übernehmen, indem sie sich beispielsweise als Helfer anpreisen. Dies geschieht nach verschiedenen Prinzipien: Mal sind es ungeschützte Ports, über die sie sich sogenannte Operator-Funktionen zueigen machen und danach in einen invisible Mode springen, um weitere Besucher herauszukicken oder sogar auf Dauer zu bannen. Hat ein Besucher keine Firewall oder keinen Antitrojaner installiert, so kann dies im übelsten Fall auch ein Worm sein, den man wochenlang mit sich herumschleppt und der gar andere Trojaner – etwa Sub 7 oder Netbus -installiert, die dann langsam aber sicher den Rechner übernehmen.
Einige Operator versuchen daher Channels besser zu schützen. Die Maßnahmen dafür können je nach individueller Regelgebung oder Netzwerketiquette unterschiedlich sein. Manche Channels haben eigene BOTS, die sich um bestimmte Aufgaben kümmern. Etwa gegen Flooding (übermäßige Texteingabe), Rude Words (bestimmte Kommentare oder Wörter), Trolls (Streitsucht), Spamming (unaufgeforderte Werbung), Invading (unbemerktes Versenden von Befehlen, die den Server oder Channel sabottieren) oder Multiproxies (ausgewechselte IP-Adressen). Im IRC ist ein Tag übrigens eine Ewigkeit. Manchmal wird ein Channel einfach neu übernommen, besonders für Spielcodes, neue Hacktools oder Porno. Er existiert am nächsten Tag dann einfach nicht mehr.

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Elektronische Lebensaspekte.