Das grafische Instrumentarium der vier Designer von ITF (In true friendship) akquiriert sich aus Pop, Kultur und Architektur. Sie arbeiten für so unterschliedliche Auftraggeber wie Global Player Daimler-Chrysler und die Anti-Globalisierungs-Houser von Dial. Aktuellstes Projekt ist die Gestaltungder Architekturzeitschrift "Archplus". Eine Sonderausgabe zum Thema "Pop, Ökonomie, Aufmerksamkeit". Passt.
Text: Michael Siegle aus De:Bug 86

In True Friendship | Design zwischen Pop und Architektur

Sieht man sich die Arbeiten und Auftraggeber des Designerkollektivs ITF an, fällt gleich auf, dass sie eine Vorliebe für architektonische Themen pflegen. Ob für den architekturtheorieaffinen Buchladen pro qm oder in der Gestaltung für die Zeitschrift “Anarchitektur”, ITF rollen Grafikdesign mal von einer anderen Seite auf, als eine Art Architektur auf Papier. Woher kommt denn dieses besondere Faible? Till Sperrle von ITF sieht das so: “Architektur hat Grafikdesign voraus, dass dort viel stärker inhaltliche Debatten geführt werden, die gesellschaftlich relevant sind. Unter Architekten ist es in viel größerem Maße üblich, das eigene Tun in politische, ökonomische und gesellschaftstheoretische Zusammenhänge einzuordnen und zu hinterfragen – das vermisse ich etwas im Grafikdesign.”

Strategien der Architektur
Bei der Gestaltung von der Sonderausgabe der “Archplus”, einer Architekturzeitschrift, die in den 80er-Jahren von der Typolegende Otl Aicher designt wurde, war das gemeinsame Anliegen, eine Form zu finden, die die Themen des Hefts reflektiert, ergänzt und erweitert. In Anlehnung an die klassisch-reduzierte Linie des brillanten Vorgängers strukturiert das Layout Texte, die einen weiten Bogen spannen: von der Rekonstruktion der subversiven Strategien der KLF-Foundation über die Verwendung des Klonens als architektonische Technik bis hin zu einem Interview mit Diedrich Diedrichsen über Pop und Architektur. Auf der Bild-Ebene der “Archplus” dominiert eine Illustrations-Strecke, die als eine Art Band am unteren Rand des Heftes entlangläuft und so eigene Aufmerksamkeit fordert. In collagenhafter Manier gehen hier Fotografie und Schrift, Vektorgrafik und Reminiszenzen an “Mad”-Comics aufeinander los und ringen um Fläche und Raum. “Die Bildebene funktioniert für uns als zweite Inhaltsebene, sie erweitert den Text um ergänzende und kritisierende Aussagen”, erklärt Axel Pfänder ihre Gestaltung. “Das Grafikband folgt einem anderen Rhythmus als der Rest des Hefts – es ist die zweite Autorenschaft der Grafik.” Inhaltliche Mitarbeit an den Projekten anstelle affirmativer Produktion von Oberfläche ist für die vier Designer ein wichtiges Kriterium der gestalterischen Praxis.

Pop & Design
Der Zusammenhalt der Gruppe erfolgte eher auf der Basis einer erprobten Freundschaft und gemeinsamer Studienvergangenheit an der Weißenhof-Kunstakademie (Stuttgart) als über eine Corporate Identity. Anforderungen an das eigene Tun stellen die vier, die heute verstreut in Berlin, Stuttgart und Zürich leben, dennoch: “Wir legen Wert darauf, dass individuelle Arbeit erklärbar und kritisierbar für die anderen bleibt.” Gegenseitiges Remixen ist eine beliebte Methode in der Gruppe, mit der man die eigene Arbeit um zusätzliche Blickwinkel erweitert. Für ein Team, das sich derart gerne und ausgiebig mit Musik umgibt, ist es eigentlich nicht weiter verwunderlich, dabei auf ein popmusikalisches Prinzip zurückzugreifen. Die Gestaltung von Plattencovern für Dial und Ladomat, Internetauftritte für Musiker wie die Beautiful Crew oder die Entwicklung visueller Erscheinungsbilder für das Medienbüro “Superschool” und den Buchladen “pro qm” unterstreichen ihr besonderes Verhältnis zu Pop. Speziell für letztere Arbeit hat ITF viel Lob geerntet: Dem Erscheinungsbild der thematischen Buchhandlung “pro qm” mit ihren Schwerpunkten “Architektur, Kunst, Pop und Politik” liegt ein grafisches Raster zugrunde, aus dessen Elementen sich ebenso die visuellen Motive zur Wiedererkennung des Shops zusammensetzen wie sich auch Stadtlandschaften, Partyflyer oder die Schengen-Grenzen daraus entwickeln können. Ein blockiger Schriftzug und elegante, dreidimensionale Räume, die mal Assoziationen an eine Brückenkonstruktion hervorrufen, aber auch abstraktere Raumkompositionen bilden, prägen Plakate und Flyer und unterstützen damit das inhaltlichen Anliegen der Buchhandlung.

Das Wurstbrot
Als verbindendes Element in der gestaltenden Arbeit spielt auch Humor eine wichtige Rolle: Das gemeinsame Herumspinnen spiegelt sich im Titel-Schriftzug der Zeitung “An Architektur” mit seiner humorvollen Brechung des Versuchs, ein “Über”-Logo zu gestalten, oder in dem “Superschool”-Erscheinungsbild. Für die Film- und Medienkünstler haben ITF ein Logo entworfen, das einerseits konstruiert und pictogrammhaft wirkt, andererseits bewusst den Vorwurf der Infantilität herausfordert, da es dem Alltime-Schrecken aller Schulkinder nachempfunden wurde: dem Wurstbrot. Dass das Verhältnis zum eigenen Output kein allzu verkrampftes ist, stellt auch Axel Pfänder unter Beweis, der auf die Frage nach der besonderen grafischen Sprache von ITF Grafikdesign mit einem Augenzwinkern antwortet: “Lean Maximalism.”

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Elektronische Lebensaspekte.