Der Schweizer Kutti MC hält nicht viel von Neutralität. Mit seinen Battlesprüchen hat er schon triumphal die Amerikaner verblüfft. Sein Berndeutsch ist eben nicht von Pappe und der Geist des großen Meerschweinchens immer mit ihm.
Text: Clara Völker aus De:Bug 93

Itz lueg mau – Kutti MC

Kutti MC hat letztens seine erste Platte rausgebracht, auf der er auf Berndeutsch zeigt, dass aus der Schweiz der frischere Rap kommt. 2003 wurde er zum U.S. National Battle Champion, als er Sage Francis mit den Worten “If you don’t understand my language, you have to learn my language, bitch!” besiegte. Außer als Rapper ist Kutti MC als Dichter und Performance Poet unterwegs.

Erklär dem unwissenden Leser doch mal, was Kutti-Funk ist.
KUTTI MC: “Kutti-Funk” ist die schlafende Shake-your-Kutti-Liebe, die jeder Mensch, ohne dies zu Wissen, in sich trägt, und die nur ich, der King of Realness, zum Erwecken bringen kann. Auf dass eine neue Unverkrampftheit auf den Dancefloors dieser Welt gedeihen möge.

In welcher Beziehung stehst du zu dem Meerschweinchen, in dessen Begleitung man dich oft antrifft?
KUTTI MC: Das ist so: Mein Meerschweinchen Fritzli ist kurz nach meinem achten Geburtstag gestorben und nur noch im Geiste mit mir. Ich umgebe mich aber oft mit Meerschweinchenmodels, da ich den Gangster-Rap und das Tierreich in Einklang bringen möchte, ein Lebensprojekt, eine Hommage an meine große Liebe Fritzli. R.I.P. Brother!

Was hat deine Platte mit Jugend & Kultur zu tun?
KUTTI MC: Der Titel meiner Platte ist “Jugend & Kultur”, ein programmatischer Titel, doch habe ich kein Programm, nur Liebe, you know. Und Fritzli sagte mir, Jugend und Kultur im Alpenstaat Schweiz … das repräsentiere einzig ich. So bin ich zur Erkenntnis gekommen: Right, brother!

Seit wann, warum und worüber rappst du?
KUTTI MC: Ich rappe seit dem 23.6.1980, mein Geburtsdatum. Ich erblickte das Licht der Welt und meine ersten Reime waren: “Aha-yeah!” – Ich vereine Humor und Ernsthaftigkeit. Die großen und die kleinen Dinge sind meine Themen. “Jugend & Kultur” ist meine erste Platte. Die Welt hat nicht auf mich gewartet, ich aber auch nicht auf sie!

Du schreibst ja auch Gedichte. Das machen unsere heimischen Rapper meistens nur unter der Bettdecke. Ist HipHop in der Schweiz lockerer?
KUTTI MC: Ich und HipHop in der Schweiz sind mehr oder weniger zwei paar Schuhe. Die Szene, an deren Rand ich mich nur bewege, hat mein Album mehr mit Irritation als mit Begeisterung aufgenommen. Die Schweizer HipHop-Szene ist wohl noch nicht allzu bereit für meine Liebe … Gedichte, das ist etwas anderes, ich bin ein variabler Sprachkünstler, Gedichte schreibe ich unter meinem bürgerlichen Namen Jürg Halter, in Hochdeutsch, es ist eine andere Sprache, nicht Pop. Vor kurzem ist mein Debüt “Ich habe die Welt berührt” (Ammann Verlag) erschienen, mit dem ich momentan auch auf Lesetournee bin.

In welcher Relation stehen Rap und Poesie?
KUTTTI MC: Ich kann nur von mir sprechen. Der Unterschied zwischen Kutti MC und Jürg Halter ist vor allem die Sprache. Gedichte schreibe ich in einer Fremdsprache, dem Hochdeutschen, die Gedichte kommen ohne meine Stimme aus, es ist Literatur. Die Rap-Texte schreibe ich auf Berndeutsch, in meiner Muttersprache, die Rap-Texte haben für mich ohne meine Stimme und die Musik keine Gültigkeit, sie brauchen meine Stimme, den Flow, die Musik. KUTTI MC ist Teil der Popkultur. Jürg Halter touchiert diese nur. Und so wandle ich fröhlich auf den Kippen dieser Welt und maskiere und demaskiere mich.


(Folgendes bitte anders layouten)

Drei von Kutti MCs persönlichen Lieblings-Lines seines Albums:

“Itz lueg mau di Junge, di tüä de no konzetriert drögäle ja, ja die Junge u da chöme sie jäh!“ (“Jetzt schau mal die Jungen, die können noch konzentriert Drogen konsumieren, jetzt schau mal die Jungen, da-da ko-kommen sie ja.”)

“Du bisch so ne säubschtbewussti, urbani Singelfrou, wo Handtäschäne mit Stärnemotiv i Clinschtuflage neiht u se nächher säuber ids Kulturbüro treit, das finge i heiss!“ (“Du bist so eine selbstbewusste, urbane Single-Frau, die Handtäschchen mit Sternenmotiven in Kleinstauflagen näht, und sie nachher selbst zu Markte trägt, das finde ich h-heiss.”

“Ds Läbe isch äs Meersöili u nachhär stirbsch“ (“Das Leben ist ein Meerschweinchen und danach stirbst du.”)

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Elektronische Lebensaspekte.