Nicht jedem Menschen schmeckt die Tatsache, in der
Text: Björn von Thülen aus De:Bug 41

Die Freiheit des Andersdenkenden
IWF Proteste im Netz

Immer wieder bestätigen interne Äußerungen, die an die Öffentlichkeit gelangen, die schlimmsten Befürchtungen über den Internationalen Währungsfond. In ihrem Buch “Kredit und Dogma” veröffentlichten S.George & F.Sabelli beispielsweise folgende eklatante Äußerungen des US-Finanzministers Summers: “Ich war schon immer der Meinung, dass unterbevölkerte Länder in Afrika in hohem Maße unterverschmutzt sind. Deren Luftqualität ist wahrscheinlich im Vergleich zu Los Angeles oder Mexiko-Stadt ausgesprochen uneffizient hoch”. Einige Menschen der “besten aller Welten” nutzen deshalb das Netz, um Protest und Ärger gegenüber obigen Äußerungen loszuwerden. Während der IWF-Gipfel in Seattle oder Prag sammelte man sich beispielsweise zu – teilweise auch gewaltsamen – Protesten, und eine wichtige Rolle bei der Organisation spielte das Internet. Hier ein kleine Auswahl:

prague.indymedia.org
Eine großartige Seite zum IWF-Treffen in Prag ist unter http://prague.indymedia.org/ zu finden. In mehreren Sprachen finden sich dort Artikel zu den unterschiedlichsten Themen rund um den Internationalen Währungs Fond, die Weltbank und die Proteste vor Ort. Darüber hinaus sind Bilder, Videos und Audiostreams der Proteste aus Prag und anderen Städten auf dem Server abgelegt. Daten und Termine können ebenfalls auf dem Server abgelegt werden.

http://www.zmag.org/. Eine schier unüberschaubare Menge an Artikeln zu den unterschiedlichsten gesellschaftlichen Themen von den Protesten in Prag und Analysen der Weltwirtschaft über Biotechnologie, AIDS bis hin zu kulturellen Auseinandersetzungen.

radiojeleni
Ein Broadcast-Radio findet man unter http://www.radiojeleni.cz/, die zu ihrer Motivation Folgendes schreiben: “We find the state of media in the Czech Republic to be seriously lacking in outlets for alternative expression. In journalism, influence of corperate interest and the government are so pervasive that little room is left for civic debate and the voices of those left out of the system. These same corperate and government interests also direct Czech attention to very mainstream sources of information and culture. CNN and MTV, for example. A local, ‘free form’ alternative with information and culture not available or even acknowledged by these sources is necessary.”

Die Vielfalt der Auseinandersetzung im Netz gerät immer stärker unter Druck. Kinderpornografie und seit kurzem Nazipropaganda dienen als Brückenschlag zur Akzeptanz der Kontrolle. Vorsicht ist jedoch deshalb geboten, weil eine Kontrolle, die in diesen beiden Fällen auf ungeteilte Zustimmung trifft, erst einmal installiert, sich problemlos auf weitere Gebiete ausweiten lässt. Andy Müller-Maguhn, der sich derzeit um einen von fünf Direktorposten beim Icann bewirbt, sagte in der Computerzeitung CT: “Das Netz darf meiner Meinung nach nicht zur ‘Brave New World’ werden, einem reinen Schaufenster für tolle, liebe Menschen, die Superlaune haben, Superprodukte verkaufen und einen Wahnsinnsspaß am Konsumieren haben.” Diesem Zitat ist nichts weiter hinzuzufügen.

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Elektronische Lebensaspekte.