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Text: sven von thülen aus De:Bug 31

/DRUM AND BASS Breakbeats für Leonardo Di Caprio: J. Majik Eine der Drum and Bass-Zentralfiguren und Besitzer des Infrared-Labels, J. Majik, stösst die nächste Tür auf: Drum and Bass-Soundtracks für Hollywood. Leonardo Di Caprio und J.Majik als das kommende Traumpaar des Kinos. Denn elektronische Musik lässt sich gerne und ständig von den Motiven und der Atmosphäre, die in Soundtracks generiert werden, inspirieren. Das ist nichts Neues. Aber für Ewigkeiten war das Privileg, den “Original Motion Soundtrack” zu einem Film zu liefern, entweder Soundtracklegenden wie John Williams oder abgehalfterten Popgrössen wie Prince oder Tina Turner (remember Mad Max?) vorbehalten. Da blieb einem nichts anderes übrig, als sich seinen Walkman auf die Ohren zu klemmen und die heimische Umgebung zur Kulisse des ganz persönlichen Films zu morphen. In Zeiten, in denen Musikvideos zu einer Kunstform entwickelt worden sind, deren Impulse man in der Filmindustrie so langsam zu begreifen scheint und kommerziell auszuschlachten versucht, ist das natürlich endlich anders. Ein guter Soundtrack ist mittlerweile ein gewichtiges Marketinginstrument. Nicht zuletzt deshalb treten immer mehr Produzenten an, das Kinoerlebnis in ein audio-visuelles Statement über den Einfluss von Dance Music auf die Filmbranche zu transformieren. Mit J.Majik hat jetzt auch eine der zentralen Figuren der Drum and Bass Szene seinen Fuss in die Tür der Filmbosse geschoben. Dass er aus einer Familie stammt, die in der Filmbranche arbeitete, dürfte ihm dabei nicht ungelegen kommen. Nebenbei hat J.Majik gerade auf seinem eigenen Label Infrared mit “Nightvision” eine mit prominenten Namen wie Goldie und Photek besetzte Compilation veröffentlicht, deren Tracks in London quer durch alle Szenen rauf- und runtergespielt werden. COVERENDE 1.7 ABER DA FÄNGT DAS INTERVIEW AN, LEIDER. GEHT DAS ODER ZU KURZ? de:bug: Ich habe gehört, dass du am Soundtrack für den neuen Danny-Boyle-Film mit Leonardo Di Caprio arbeitest, wie bist du dazu gekommen? J.Majik: Mein Sound war schon immer sehr soundtrackbeeinflusst, sehr atmosphärisch mit vielen Strings und so. Goldie fragte mich dann, ob ich mit ihm an einem Track für “The Jackal” arbeiten wollte, und ich sagte zu. Es ist sehr schwer, einen Fuss in die Tür der Filmindustrie zu bekommen, aber wenn man erstmal drin ist, kommen die Dinge von alleine auf einen zu. de:bug: Wie läuft das? Bekommt ihr das Script zugeschickt, mit dem ihr dann arbeitet? J.Majik: Wir hatten einen dreiminütigen Preview des Films, mit dem wir arbeiten konnten. de:bug: Sind die Tracks, die du für die Soundtracks produziert hast, eher downbeat-orientiert – wie die Sachen, die du unter dem Namen Innervisions machst? J:Majik: Also der Track, den wir für einen anderen Soundtrack (“The Beach”) gemacht haben, ist ein Drum and Bass Track. Zur Zeit arbeite ich gerade an einem Stück mit Björk. Sie war in Indien und hat dort ein paar Brahmanen beim Predigen in einem Tempel aufgenommen und dann darüber gesungen. Sie hat mir die MiniDisc vor kurzem geschickt, und es hört sich echt fantastisch an. Daraus werden wir wohl einen Downbeattrack machen. de:bug: Arbeitest du für die Soundtracks auch mit deinem Partner zusammen? J:Majik: Ja, mit Danny Jay. de:bug: Für den Soundtrack zu “The Jackal” hast du mit Goldie zusammengearbeitet, oder? J:Majik: Ja, für “The Jackal” haben nur ich und Goldie zusammengearbeitet. Mit Danny hab ich die Musik für eine Dokumentation über Extremsportarten, die auf HBO (einem amerikanischen PayTV-Sender) gesendet wird, gemacht. de:bug: Hast du Pläne, noch mehr für die Filmindustrie zu machen? J:Majik: Definitiv. Zur Zeit arbeiten wir an der Musik für einige Szenen in einem grossen Hollywoodfilm mit Val Kilmer, der nächstes Jahr im Sommer in die Kinos kommen soll. Wir wissen nicht, wo die Tracks, die wir machen, im Film vorkommen werden, aber wir schicken ihnen unsere Ideen und sie schicken uns neue Szenen. Das läuft ganz gut. Ausserdem hoffe ich, dass wir nächstes Jahr noch für ein, zwei andere grosse Filme etwas machen werden. Zur Zeit verhandeln wir gerade mit den Machern der Verfilmung von “Tomb Raider”, die nächstes Jahr in die Kinos kommen soll. Wir versuchen einfach, einen Fuss in die Tür zu bekommen und mit so vielen Menschen aus der Filmindustrie wie möglich in Kontakt zu kommen. de:bug: Glaubst du, dass in Zukunft die meisten Soundtracks von Leuten kommen werden, die aus der Dancemusik kommen? Beispiele dafür wären die Arbeiten von David Holmes für “Out of Sight” oder die der Dust Brothers für “The Fight Club”. J.Majik: Ich glaube schon, denn Dance Music und Clubkultur ist mitlerweile so gross, dass auch die Leute in Hollywood die Verbindung eines Tracks von Massive Attack oder Björk zu Soundtracks sehen, ausserdem haben sie auch begriffen, dass das jüngere Publikum davon angesprochen ist, wenn DanceMusic-Produzenten an einem Soundtrack mitarbeiten. de:bug: Wie siehst du den Zustand der Drum and Bass Szene zur Zeit? J:Majik: Durch das, was ich durch das Deejayen mitbekomme, würde ich sagen, sie ist in einem sehr, sehr guten Zustand, weltweit. Vor allem in Amerika explodiert die Szene gerade. Drum and Bass verkauft dort mitlerweile mehr als Techno oder House. Eine Weile war Drum and Bass nur Kickdrums und Snares, aber Breaks kommen zurück, und sobald Leute wie Grooverider und Andy C. diese neuen Tracks spielen, werden alle anderen mitziehen. de:bug: Dann glaubst du, dass, obwohl die Drum and Bass Szene mittlerweile eine weltweite ist, auch in Zukunft die grossen DJs aus London den Sound vorgeben werden? J.Majik: Ich denke, dass sich das niemals wirklich ändern wird. HipHop hat auch eine weltweite Szene, aber englische HipHop-Produzenten werden wohl auch nie als Trendsetter angesehen werden. Die Puff Daddys und Jay Zs dieser Welt werden immer herausstechen. Die Menschen, die HipHop hören, werden ihnen immer zuhören, denn HipHop kommt aus Amerika, und genauso ist es mit Drum and Bass. England ist einfach der Ursprungsort, und Grooverider und Andy C. haben schon Drum and Bass aufgelegt, als der Grossteil der Welt noch nicht einmal wusste, dass es diese Musik überhaupt gibt. Gleichzeitig ist es auch so, dass ein DJ, der aus dem Land kommt, wo ein bestimmter Sound seine Wurzeln hat, für das Publikum immer etwas besonderes ist, denn sie spielen die neusten Tracks, an die DJs aus Deutschland oder Amerika zugegebenermassen nur sehr, sehr schwer herankommen. Da werden englische DJs einfach immer einen Vorteil haben, ob das nun fair ist oder nicht. de:bug: Denkst du denn, dass sich die englische Szene mehr öffnen wird und es einen grösseren Austausch zwischen den einzelnen Szenen geben wird? J.Majik: Ja, definitiv. Ich möchte unbedingt Produzenten aus anderen Ländern dafür gewinnen, auf Infrared zu veröffentlichen. Überhaupt wird es sehr viel mehr Austausch geben. Das Internet eröffnet da wirklich grosse Möglichkeiten. Egal, wo du wohnst, du kannst dir Tunes von überallher anhören, und wenn bei dir in der Nähe kein Plattenladen ist, in dem du Drum and Bass Platten kaufen kannst, bestellst du dir sie im Internet. Die neuesten Dubplates sind innerhalb von kürzester Zeit als Audio Files im Netz zu hören, und du musst nicht in London wohnen, um mitzubekommen, was dort gerade passiert. Die Szene wird noch mehr wachsen und multinational werden. Amerika, wo ich gerade war, ist das beste Beispiel. Die Kids dort kennen die neuen Tracks schon, bevor sie überhaupt als Testpressung oder Promo veröffentlicht sind. Es ist nicht mehr so, dass England vormacht und alle anderen drei Monate später folgen. Die Szene wird dadurch mehr zusammenwachsen. de:bug: Wenn dein Fokus so auf die Filmindustrie gerichtet ist, findest du da noch Zeit zum Auflegen? J.Majik: Auf jeden Fall. Ich lege mehr denn je auf und ich kann sagen, dass ich es liebe. Ausserdem habe ich zusammen mit Adam F ein kleines Showcase entwickelt, bei dem wir back to back mit drei MKs und zwei Mixern auflegen. Wir waren damit auch auf dem Montreux Jazz Festival dieses Jahr. Ich denke, wir werden demnächst auch mal zu zweit nach Deutschland kommen.

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Elektronische Lebensaspekte.