Wenn man in Chicago aufgewachsen ist, kann man viele klassische House-Sounds nur noch als Klischees hören. Steve Hitchell benutzt die Acid-Peitsche deshalb nur, um Dubtechno auf Vordermann zu bringen.
Text: Sascha Kösch aus De:Bug 94

Jacks Echo – Soultek

Es dürfte in Chicago zur Zeit wohl kaum einen aktiveren Musiker geben als Soultek. Mittlerweile benutzt er sechs verschiedene Pseudonyme für seinen Output und seine Kollaborationen, darunter Radius, Vivace, Echospace und Spaceecho und Empathy Boxx. Er ist ständiger Gast auf Iron Box Music, Mitgründer von Komputemusik, hat ein 7″-Label namens Soultek Recordings, sein neustes Label heißt Souldubsounds und er wird wohl in Kürze auf jedem Label der neuen Guerillafunk/Disco-Inc-Familie releast haben.
Steve Hitchell, wie er heißt, ist mit 28 alt genug, um die letzten großen Chicago-Jacksound-Zeiten irgendwie noch mitbekommen zu haben, hat sich aber in Chicago (Southside) lange Zeit einen Namen als Partypromoter gemacht. Seit Anfang der 90er war er mit verantwortlich für ein paar der größten Undergroundraves in der Stadt, u.a. die legendären “EartchQuake”, “Dee-Day”, “Twister” und “Stomp”, Mitte der 90er verlagerte sich sein Interesse aber immer mehr von Partys und DJen weg und er wurde erst Bandmitglied, später dann Producer und als er ’99 mit Matt Nee zusammen Kompute gründete, war auch der Ort für seinen Output da, und seine große Liebe: Dub.
Kein Wunder, dass er Basic Channel als seinen größten Einfluss zitiert und für den Schnitt seines neusten Labels zu Dubplates & Mastering gehen musste. Während auf Kompute manche seiner Tracks vielleicht noch in das Schema passen könnten, drehen sich seine letzten Releases aber längst nicht mehr, diese Zeiten von Dubtechno sind wohl endgültig vorbei, um Echo, mehr Echo und einfache Grooves mit ein paar verhallenden Pianosounds, sondern sind komplexe, dichte Monster, in denen digitale und analoge Sounds in einer melodischen Tiefe arbeiten, die das ganze Genre aus der Stagnation befreien könnten. Soultek, das sagt schon der Name, steht für Soul und Technologie und will Chicago Blues, Jazz und Jack ebenso sein wie Musik an der technologischen Grenze. Und da es Dub ist, dürfte man sich auch nicht wundern, dass sein Output an Remixen den eigenen noch übertrifft.
Sein neuestes Projekt, Empathy Boxx, das er zusammen mit Josh Werner macht und von dem man – Chicago eben – hätte erwarten können, dass es so Oldschool ist, wie man es von den tausenden deutschen Imitaten kennt, zeigt die Dichte der Einflüsse deutlich vor allem aber, was man alles nicht macht, wenn man in einem Sound aufgewachsen ist, der plötzlich wieder modern ist. Man kann dann einfach viel zu viel nicht mehr hören und produziert lieber davon ausgehend in eine ungewisse Zukunft. Dass dabei dennoch Acid rauskommt, ist schon fast ein Wunder und einer der Gründe, warum man wirklich noch beim 303-Revival dabei ist, auch wenn es mittlerweile das 5te oder so ist.
Für Souldubsounds geht er nochmal andere Wege und releast erst mal fünf EPs von dem Schweden Unai (die erste unter dem Namen i), einfach weil ihn seine Tracks so begeistern, und so wie wir ihn kennen, wird er drumherum seine Vorliebe für Remixe ausleben, die das Zentrum von Dub ausmachen. Deshalb gibt es auf der ersten EP auch gleich 6 Versions. Mit seinem kommenden Album “What Dreams Are Made Of”, das im Herbst erscheint, und seinem Remix von Phutures Klassiker “We are Phuture” dürfte er dann wohl endlich auch hierzulande bekannter werden. Wir sind schon jetzt gespannt, ob es nach Acid dann ein Dubtechno-Revival gibt.

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Elektronische Lebensaspekte.