Text: Moritz Sauer aus De:Bug 67

Push Button Publishment For The People

Wenn 2002 ein Internet-Phänomen besondere Aufmerksamkeit auf sich gezogen hat, dann waren das Weblogs oder verniedlicht genannt: Blogs. Diese ermöglichten einer stetig wachsenden Zahl von Mitteilungssüchtigen, ganz einfach Content auf der eigenen Website mittels Mini-Redaktionssystem upzudaten, ohne immer neu Hand an den Code zu legen. Vor allem der kostenlose Service führte zu einem wahren inflationären Flächenbrand an Blogs.

Guckst du meins, guck ich deins

Schnell wurde da von einer Revolution gesprochen. Und tatsächlich haben sich neben den vielen Freundeskreis-Weblogs eine Schar von ambitionierten Communities gebildet, die mittlerweile auch als öffentlichkeitswirksame Netze wahrgenommen werden. Derartige Weblogs, oftmals monothematisch um ein Sujet kreisend, eignen sich meist hervorragend zur alternativen Wissenserweiterung und bieten Unterhaltungkultur auf hohem Niveau. Ob nun Politik (siehe Bericht von Nico Haupt in der Debug-Dezemberausgabe), Wissenschaft, Technik oder auch Pop, die E-Zines vermitteln aktuelles Wissen, das man in dieser reichhaltig spezifizierten Form oft niemals bei großen Zeitungen und Magazinen findet.

Teilweise haben einige Blogs als Opinion-Leader mittlerweile eine solche Schlagwirkung, dass sogar ein großer Verlag wie Suhrkamp sich nach seiner voreiligen Weblog-Abmahnung schnell versöhnlich zeigte, als die Negativ-Publicity sich ausbreitete – über Blogs natürlich. Der Verlag erließ dem “Schockwellenreiter” schließlich die angemahnten 1200 Euro, ihr angesetztes Bußgeld für den Link auf eine Kopie des Walser Romans “Tod eines Kritikers”, das auf einem amerikanischen Server zum Download bereit lag.

Außerdem provozierten die konservativen Medien in den USA die Intellektuellen durch fehlende Kritik. Das führte unweigerlich zu einer Leser- und Schreiberschwemme abseits des Mainstreams. Die eingeforderte alternative Berichterstattung rüttelt gerade mächtig die Medien durch und die Zahl der Blogs, die sich mit 9-11 beschäftigt, ist endlos. Ob es was bringt, zeigt die Zukunft. Jedoch werden Tools wie das exzellente Movable Type nicht mehr wegzudenken sein und weiter die Schreibwut anstacheln und mit System unterstützen.

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Elektronische Lebensaspekte.