Er ehrt die ehrliche Leere im Minimal-Techno mit dem Buzzcocks-Cover"Hollow inside". Er mag die Hamburger, weil sie einen auffangen, und die Berliner, weil sie einem beim Absturz applaudieren. Er kann rappen wie kein Zweiter. Und geht es um den human touch, dann ist er die Style-Instanz für eine bessere Gesellschaft.
Text: Gerd Ribbeck aus De:Bug 91

Rap for good

JAKE

Jake ist und hat eine imposante Gestalt. Das geht vom Körperlichen schnell über ins Herzliche hinein in eine Haarlichkeit, die das Samson-artige segnet. Als Jude und Amerikaner ist er nicht nur eine Realität in Deutschland, sondern auch ein Flüchtling. 1990 wollte Jake Amerika im Golfkrieg I aus einer anderen Perspektive sehen. Er kam nach Hamburg und besuchte Demos.
”Die Leute waren damals viel härter zu mir als Amerikaner, viel linker und politischer. ‘I don’t like your culture’ haben die mir ins Gesicht gesagt. Heute sagt das niemand mehr.“

Sein gestalterischer Drang mündete in ein Kunststudium an der HfbK in Hamburg, was seinen Talenten nicht geschadet hat, denn er war über Jahre der bullige Barkeeper und DJ vom Tempelhof, von dem es hieß, er hätte lebensbedrohliche Steven-Seagal-Moves drauf, ohne sie jemals geübt zu haben. Ein paar hundert Tätowierungen, Trickfilme, Tags und ein Diplom später fand er sich als Kreativer der New Economy wieder. Da war er Boss von Mad Maxamom, der ihm viel bedeutet. Bei ihm hat er über das Freestylen gelernt, was er inzwischen richtig gut kann. Doch eigentlich ist Jake ein Writer und Perfektionist.
”Ich habe da meine Theorie über die ‘Five Pillars of Rap’. Das sind Stimme, Rhythmus oder auch Flow, Reim, Metapher und Inhalt. Ich würde gern mal alle fünf Säulen beherrschen. Vielleicht schaff ich das eines Tages, vielleicht nie.”

Obwohl ihn eine kurze Banderfahrung in jungen Jahren mit Chad Channings und Ben Shepard eines Besseren hätte belehren können, entschied sich das Multitalent erst vor zwei Jahren bewusst für die Rolle des Musikers. Das war, als Freund Paul Snowden die Kampagnen-Kanone feuerte, die Jake bekannter machen sollte.
”Musik klappt, seitdem ich mich mit ihr identifiziere. Ich heiße Jake und habe meinen Namen nicht geändert. Was ich jetzt mache, ist wie eine Tätowierung, sehr permanent eben.”

Nicht, dass er in der Zwischenzeit musikalisch untätig gewesen war. Als Live-MC Eye und Jake-The-Gast-Rapper, als Mitglied von ”No Berlin No“ und den “Anaerobic Robots” ist seine Bühnenerfahrung ebenso vielseitig wie die Koalition der Willigen auf seinem Debüt-Album “Jake the Rapper”. Sieben Gäste mischen mit und vom einmusikalischen Elektropophit über basslastiges Stolpern mit Lawrence, Pimp-My-Dreirad-Styles von Viktor Marek und Skilliges aus dem Trainingslager ist musikalisch alles drin. Jake selbst macht gerne in Techno und bei Stücken wie ”Sadness“ kann es schon mal so klingen, als hätte er einen klappernden Köhncke gefrühstückt.
”’Jake the Rapper’ ist eine Rap-Platte, die keine ist. Vielleicht mach ich nicht unbedingt etwas Neues, aber ich breche sehr viele Schubladen gleichzeitig auf. Ich bin alt, fett, bärtig und ehrlich. Ich mache HipHop, Elektro, Techno und Zeugs, ich rappe, singe und teile mich mit. Es gibt Fans, Freunde und Combination Records, die genau dieses Potenzial interessiert. Das ist toll.”

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Elektronische Lebensaspekte.