Die kleine Schwester muss nicht mehr auf den Strich
Text: Sascha Kösch aus De:Bug 114


An Jamba kamen wir bis jetzt gut vorbei. Aber nun kommt ihre Music Flatrate. In Zukunft wird man ihnen vielleicht seine Handy-Musikdownloads anvertrauen.

Jamba ist ein merkwürdiges Phänomen. Angefangen bei dem “Niemand, den ich kenne, kennt jemanden, der schon mal …”-Phänomen, das einem merkwürdig bekannt vorkommt, bis hin zum moralisch entrüsteten PfuiPfui, das nicht wenige Leute, denen sonst solche Gesten fern liegen, bei der Erwähnung des Namens an den Tag legen, könnte man meinen, Jamba wäre ein Grundpfeiler digitaler Ethik und negativer Selbstdefinition. Man könnte sogar glauben, dass sie immer noch Klingeltöne verkaufen.

Jamba ist so polarisierend, dass sie sogar der heimischen Bloglandschaft Ende 2004 via Spreeblick den nötigen Schub in die heutige Popularität versetzen konnten, Stefan Niggemeier hat es mit einer Neuauflage damals sogar in die FAZ geschafft. In digitalen Kreisen herrscht immer noch der urbane Mythos, dass jugendliche Nichtsnutze (bei denen es im Oberstübchen klingelt) von Jamba so arg in die Schuldenfalle getrieben werden, dass sie für den Rest ihres Lebens ihre kleine Schwester auf den Strich schicken müssen. Dabei zahlten einfach nur sehr, sehr viele ein wenig für normalerweise ziemlichen Schund. Ungefähr so wie bei der Kulturflatrate. Nur mit kapitalen Vorzeichen.

Daneben aber ist Jamba eins der bundesdeutschen Startup-Wirtschaftswunder, das selbst dunkelste Börsenkrisen mit einem Achselzucken überlebte, seine Kundschaft quer durch alle Generationen findet, mittlerweile zu einem der weltweit größten Unternehmen in Sachen Handyservices herangewachsen ist, letzten Herbst von Murdoch übernommen wurde (Wer MySpace sagt, gehört längst selbst zur Jamba-Familie, die übrigens mittlerweile auch eine Web2.0-Community mit Jambazoo geworden ist. Vielleicht kein Wunder, denn eine Etage über Jamba sitzt MySpace), und sich auf bestem Weg befindet, zum Standard für Musikdownloads auf Handys zu werden.

Auf die wartet man nämlich zur Zeit in bezahlbarer Form immer noch. Nicht zuletzt, weil der große Preisverfall für UMTS irgendwie ein paar Monate verschoben wurde. Und das Schwergewicht Jamba hat speziell zusammen mit Debitel eine Lösung, an der sich wohl in Zukunft alle messen müssen. Javaclient fürs Handy, der sich mit sonstigen integrierten Handy-MP3-Playern vergleichen lässt, quergeschaltet und synchronisiert mit dem Rechner, so dass man sich (falls man es braucht) teure Datentransferraten sparen kann. Dazu eine akzeptable Musikdatenbank (1Million Tracks) im Rücken, in der man ohne weiteres z.B. den ein oder anderen Aphex-Twin-Track findet und Musik, die nach knapp 15 Sekunden UMTS-Hinundher noch während des Downloads spielbar ist. Kurzum, die Jamba Music Flatrate (wie sie so schön heißt) ist eigentlich wie Napster, die ja auf merkwürdige Weise das Abo-Modell wieder hoffähig gemacht haben, nur eben auf dem Handy. Und kostet incl. 1,5 GB Daten bei Debitel ca. 15 Euro (2 Jahresvertrag, den Rest des durchaus typischen Kleingedruckten erspare ich euch) 10 für Jamba, 5 für die 1,5 GB. Für nicht Audiophile (die sind unter Musikabonnenten eigentlich aber eh nicht zu finden) und eh zu Musikabos Neigende dürfte das durchaus mit klassischen Netzangeboten auf gleicher Höhe konkurrieren.

Die Qualität auf dem Telefon ist mit 64kBit AAC (auf dem Rechner sind es 192kBit WMA) allerdings etwas oldschool, so dass man wohl zunächst halbwegs zurecht die neuen “Jambaopfer” hinter den Kids vermuten wird, die ihr Handy zur Boombox auserkoren haben, sollten sie aber ihre kleine Schwester auf den Strich schicken, dann definitiv nur, weil sie kurz vor der EU-Regulierung im Sommer auf den Kanaren unbedingt noch mal nach Hause telefonieren wollten.
http://www.jamba.de/music

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Elektronische Lebensaspekte.