Erwartungen spielen eine große Rolle für Jamie Jones. Das erahnt man auch beim Titel seines neuen Albums "Don't You Remember the Future", das in diesem Jahr auf Crosstownrebels / Kompakt erschienen ist.
Text: Nikolaj Belzer aus De:Bug 135

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Bild: Rob Low

London im Sommer 2009. Regenwolken liegen über South Clapton. Ein wenig trostlos schaut es hier aus, dort, wohin abseits des U-Bahn-Netzes immer mehr Kreative den horrenden Mieten entfliehen. Umso überraschender ist der Eindruck, den Jamie Jones’ Wohnzimmer und Studio von innen machen. Frisch renoviert, dunkles Holz, eigene Terrasse. Wenn man es nicht besser wüsste, könnte da draußen glatt Süd-Spanien liegen. Angenehm entspannt, so einer ist auch Jamie selbst, der im Gespräch seine Leidenschaft für Science-Fiction-B-Movies und Notorious B.I.G. gesteht.

Zehn Jahre ist es jetzt her, dass der heute 28-jährige Waliser zum Studieren nach London zog. Bereits im ersten Sommer ging es ab nach Ibiza zu den frühen Electro-House-Nächten im Manumission-Hinterzimmer, wo er als Resident Labelbosse wie Dan Ghenacia oder Damien Lazarus kennen lernte. Inzwischen sind fast ein Dutzend 12″s erschienen auf so unterschiedlichen Labels wie Get Physical, BPitch, Freak’n’Chic oder Crosstown Rebels.

Schwer war es, wie Jamie offen zugibt, sich beim Album für ein Label zu entscheiden. Dass es schließlich Lazarus’ Crosstown Rebels geworden ist, hat vor allem damit zu tun, dass ihm deren Sound für sein Album ein wenig mehr zusagte und es schließlich doch ein britisches Label sein sollte.

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“Don’t you remember the future“ ist ein Konzept-Album – hier verweist Jamie mit einem Schmunzeln noch einmal auf Biggies “Life After Death“ – mit ganz klaren Bezügen zum Elektro-Future-Hype der frühen 80er. Die Metamorphose zum Zukunftsmenschen oder “Extraterrestrial“ galt damals irgendwie als notwendiger Teil des Gesamtkonzepts, sei es als Rechtfertigung oder andersrum als Staffage für die neue, elektronische Musik.

Auf kommerzieller(er) Ebene ging es vor allem darum Kontinuität zu schaffen, Electro-Funk war die Brücke zwischen gestern und heute in einer Zeit, in der man bei Motown so langsam registrierte, dass der Soul-Zug abgefahren war und Neuerfindungen wie die Dazz Band – Jamie: “Wicked!“ – auch marketingtechnisch ganz gut ins Konzept passten. Eine Phase, so Jamie, “in der Synthesizer, 101s etc. billig wurden und plötzlich auch für junge Afro-Amerikaner erschwinglich waren“, die ihre musikalischen Wurzeln auf diesem Weg fortsetzten.

Der konkrete Bezugspunkt des Albums heißt “Elektro“, wobei man zwei Namen beispielhaft herausstellen kann: zum einen Juan Atkins’ Cybotron Band – irgendwo im Schatten von Afrika Bambaataa, aber besser, weil wesentlich tiefsinniger. Schließlich Egyptian Lover, ein Luke Skywalker mit guten Manieren, der schon in den frühen 80ern Elektro-Tracks produzierte, die es in weiser Vorausicht verstanden, Hedonismus und Klangästhetik in Einklang zu bringen.

Jamie-Jones_2http://www.crosstownrebels.com

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