Der Schwede Jeff Bennett findet vom Discopool über Jamaica zum Technodub. Der Mann wirft Tracks aus wie Ed mit den Scherenhänden Frisuren. Bennett muss aber nicht ins Exil, sondern findet Obdach bei so renommierten Labeln wie Poker Flat, Treibstoff oder Konvex-Konkav.
Text: Anett Frank aus De:Bug 55

Elch links, Workaholic in der Mitte, Elch rechts
Jeff Bennett

Jeff Bennett ist der Mann aus dem hohen Norden, der 1994 zusammen mit seinem Weggefährten Jim Groovy den ersten elektronischen Plattenladen in Malmö eröffnet, der bei Erscheinen dieses Artikels bereits verkauft sein dürfte. Aber Jeff, der ja eigentlich immer noch Mike Pung heißt, zückt im Januar sein neues Album und erzählt damit eine weitere “Episode” auf gleichnamigem Label aus seinem durchaus flexiblen Produzentenstübchen.
DeBug: Stichwort: Neues Album, das im Januar auf Episode erscheinen wird.
Jeff Bennett: “Ich persönlich freue mich natürlich sehr auf das Release. Es wird einen guten Einblick in meine Musik verschaffen, die von tiefen Tracks wie meiner Konvex-Konkav 12″ bis hin zu stärker pumpendem Tech-House reicht. Es werden aber auch eine Menge Dub-Einflüsse auf eine technoid/ housige Art und Weise repräsentiert. Ein Album, das mich musikalisch wirklich wiederspiegelt.”

Über Väter & Brüder
Bereits bei den ersten Grundübungen 1993 verhakte sich Jeff dermaßen im musikalischen Reich der Möglichkeiten, dass von da an Tonkunst sein Leben umgibt und es ihn auch nicht mehr loslässt. Damals noch, als er mit seinem elektronischen Hab und Gut im Schlafzimmer die Gerätestecker einstöpselte, um seine Old School-Helden Juan Atkins, Derrick May und Kevin Saunderson im Hinterkopf Revue passieren zu lassen, hat er den Tech House in referenzieller Anlehnung entblättert. Da war auch noch gar nicht daran zu denken, auf “Konvex-Konkav”, “Treibstoff”, “Audio Beyond”, “Poker Flat” oder eben auf “Episode” mal kurz vorbeizuschauen, seine Visitenkarte per 12″ abzugeben, um geschäftig weiter eigene Tracks zu veröffentlichen. Jeff dazu: “Etwa 1993 habe ich angefangen, zu Hause mit meiner ersten Drum-Machine (Korg S3) ein paar Monate rumzuspielen, aber erst 1997 fing dieser Soundbrei an, nach so etwas wie Musik zu klingen. Musik zu produzieren ist das Einzige, was ich tun will.”
Doch hat er nicht nur durch die “Belleville Three” den “Future Shock” aufgesogen, sondern ist auch vom Plus 8 Labeloutput musikalisch angestachelt. Nicht zu vergessen sind neben anderen Reggae und Dub-Künstlern Augustus Pablo, Andy Horace und King Tubby. Auch Produzenten aus Europa wie beispielsweise Tikiman, 808 State, KLF und Terry Lee Brown Junior sowie Labels wie Svek, Plastic City und frühe Network Releases prägen musikalische Vorlieben und den Stil.

Thank God it’s Friday
So veranstalten Jeff und Jim ein Jahr nach der “Cosmic One” Plattenladen-Eröffnung ihre ersten eigenen Parties. Man gibt sich jetzt musikgeschmackstechnisch freizügiger und flirtet sowohl mit Vocal-House als auch mit jazzig angehauchtem Drum & Bass von Künstlern wie LTJ Bukem & dessen Umfeld. Jeff ist dann über ein Jahr lang fast jeden Freitag als DJ in einem Houseclub mit der Partyreihe “Thank God it’s Friday” anzutreffen. Das Motto lautet: “Dress for Success” and dance to “100% pure House Muzique”. Man spielt die geliebten Platten und testet ein bisschen aus, was so geht. Und das ist bei Jeff immer noch der Raum zwischen Deep-, Phunky- und Tech-House. Mit Jim zusammen gehen sie 1996 mit ihrem gemeinsamen ersten Label an den Start. “Azurite” läuft unter Eigenangabe als Techno-Label, wo sich Mono-Funk-Spezialisten, acidelische Techno-Freaks und technoide Tief-Trance-Liebhaber wohlfühlen durften.
DeBug: Wie siehst du Azurite?
Jeff: “Nun, der Stil von Azurite war ein Mix aus tiefem, tribalem, detroidem und progressivem tiefen Trance und Techno. Es fällt mir nicht leicht Azurite in Worte zu fassen, aber so in etwa passt es wohl und so wollten wir es auch.”
1998 gründet Jeff dann sein eigenes Label “Maskros”. Hier veröffentlicht er vorwiegend seine eigenen Ideen als Mike Pung bzw. als Mike J.M in schwedischer Tech-House-Manier mit dubbig-funkigen Variationen. So lassen sich auch Dirk Diggler, “Bedroom” und “Minilogue” mal blicken. Die “Sonkite”-Jungs von “Minilogue” bspw. bereichern die Tech-House-Strecke mit tribalem Funk. Zwei Jahre später entsprießen zwei weitere Labels, “Phunctional” und “Kung Fu Dub” der schwedischen Seele.
Jeff dazu: “Momentan sieht es so aus, dass nur meine eigenen Tracks auf den beiden Labels erscheinen. Das hängt aber hauptsächlich damit zusammen, dass ich mich bis dato kaum um andere Künstler gekümmert habe.”
Das “Kung Fu Dub” ist, wie der Name auch schon vermuten lässt, ein reggaegeswingtes Dub-House/ Tech-Label mit dem Plus an jamaikanischem MC-Flavour. Über die “Phunctional”-Linie ist hingegen bis dato eher minimalhousig-pumpender Basslinepop erhältlich.
Jeff auf die Frage hin, wie er seinen Stil beschreiben würde: “Ich fühle, dass ich bereits Tracks produziert habe, die ich auf eine gewisse Art wirklich verkörpere, obwohl diese auch immer noch sehr weit davon entfernt sind, wonach ich suche – das ist eine Art Selbstfindungsprozess. Man findet eine Menge entlang des Weges.” Es scheint, als ob für jeden nur möglichen Output in Form von bereits markierten Labels Plattformen geschaffen worden sind, die je nach Lust und Laune nur noch bestückt werden müssen. Na, denn mal los und weitermachen.

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Elektronische Lebensaspekte.