10 Jahre De:Bug: 10 elementare Bücher
Text: Thaddeus Herrmann aus De:Bug 115


Jeff Noon
Falling Out Of Cars
2002

Was macht eigentlich Jeff Noon? Der Autor, der aussieht wie ein gealterter Ian Curtis und der seit 1993, seit seinem ersten Roman “Vurt”, die träumerische, verwischte Seite von Science Fiction revolutionierte, nicht nur, weil er im Gegensatz zu seinen klassischen Kollegen tatsächlich in der Lage ist, seine Ideen auch sprachlich adäquat umzusetzen. Vielleicht sogar zu ambitioniert.

Ich erinnere mich, dass ich 1995 bei Kodwo Eshun zum Tee eingeladen war. Das Gespräch kam auf Jeff Noon und ich gab zu bedenken, dass ich dem englischen Original von Vurt nur sehr bedingt folgen könne. Eshun winkte ab: “Me neither! That’s the beauty of it!” Von Roman zu Roman disziplinierte sich Noon immer mehr, “Falling Out Of Cars”, sein bisher letztes Buch, liest sich schon fast traditionell und so kann man sich voll und ganz auf die großartige Geschichte konzentrieren, muss nicht mehr angestrengt zwischen den Zeilen lesen.

Es ist die Geschichte von Marlene, Henderson und Peacock, die kreuz und quer durch das England der Zukunft unterwegs sind, um die Teile eines zerbrochenen Spiegels einzusammeln, ohne den die Welt nicht zum Besseren gewendet werden kann. Kalt, surreal und gespenstisch kommt England daher, eine Realität, die man nur auf Droge ertragen kann. Die ungleiche Truppe schleppt sich von Stadt zu Stadt, trifft die absurdesten Typen und wird immer wieder mit den Folgen einer auseinander gebrochenen Gesellschaft konfrontiert.

Ein großes Buch, das Jeff Noons Qualitäten aus Utopisten nicht nur unterstreicht, sondern festigt wie kein anderer seiner Romane. Seitdem ist es still geworden um Noon. Theaterstücke und Hörspiele hat er gerschrieben … auf sein nächstes Buch warten wir noch heute.

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Elektronische Lebensaspekte.