Wenn Manchester jemand aus der krümeligen Westentasche kennt, dann Jeff Noon. Der inzwischen nach Brighton migrierte Autor gab der Science Fiction die literarische Qualität zurück, machte Manchester zum Zentrum der englischen Zukunftsvisionen und erklärte Hunde glattweg zu Polizisten. One for the Bestsellerliste. SciFi at its best. Jetzt schreibt er über Musik.
Text: sascha kösch [bleed@lebensaspekte.de] aus De:Bug 37

/buch Strings Of Life Needle in the Groove, das neue Jeff Noon Jeff Noon ist unser Mann. Als Science Fiction Autor hat man bei uns gute Karten. Vor allem, wenn alles, was man schreibt, so klingt, als hätte man es auf Esspapier drucken müssen, um es, wenn man mittendrin Hunger bekommt, auf die Drogen, um die es geht, auf die Worte, auf den Text, das, was darin lebt, auf die Ideen oder auf was auch immer, dann könnte man… Nach einer handvoll extrem guter Bücher wie Vurt, Pollen, Automated Alice, Pixel Juice und Nymphomation, kommt nun endlich sein “Musikbuch”. Musik war immer schon überall in Jeff Noon Büchern. Genau wie Drogen, Manchester, Städte im allgemeinen, Zwischenwelten, DJs, Tiere, Clubs usw. gehört Musik zu den elementaren Teilen des Jeff Noon Universums. Wäre man Indie, würde man sagen, Jeff Noon macht immer den gleich Song. Ob die über eine Feder die Grenzen zwischen Manchester und Vurtwelt vermischende Droge, die nicht ganz Droge ist, Alice, die nicht ganz Alice ist, das Reich der Pollen, durch das ein Taxifahrer fährt, oder das Glück in den Knochen eines alles aufsaugenden Spiels von Viren, Mathematik und Medialität. Jeff Noon würde in Needle In The Groove sagen, er macht immer den gleichen Remix. Ich weiss, man kann das nicht mehr hören, Remix, pfui, Samplewelt, igitt, ein weiteres Wort in der Reihe der “alles ist relativ” Banalitäten usw. Aber nein, Jeff Noon ist anders. Er ist einer der Guten. Wenn er eine “Band” erfindet, dann besteht sie aus Turntablistin, Drummer, der spielt wie eine Drummachine, Sängerin und tumbem Basspieler als Hauptperson, die nur dazu da ist, geremixt zu werden. Nicht von sich selber oder wem anders, sondern von dem neuen Tool. Ein Tool, das man sich auch spritzen kann, in dem die Vergangenheit steckt, die Vergangenheit dieser Stadt, die Manchester zu einer Musikstadt macht mit Ian Curtis Lane und Happy Mondays Boulevard, und in der in dieser Zeit alles zusammenläuft, was in der letzten Nacht eines legendären Punkclubs mit den Buzzcocks und wie sie alle hiessen geschah, zusammentraf, rausgesamplet werden kann, auch von vorher gehörten Geschichten einer dichten Verzahnung von allem, ob Skiffle, Groove, Nadeln oder Türsteher. In Needle in the Groove ist jede Bewegung unterkellert, jede Person durchlässig für die Geschichte, die man austrägt. Geschüttelt, geremixt, Musik, Resonanz. Jeff Noon ist sowas wie ein Atom Heart der Literatur. Nicht mal ein blöder Vergleich, auch wenn er blöde klingt. Diesmal nebenher Stringtheoretiker. Eines der Bücher, die man lesen muss.

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Elektronische Lebensaspekte.