Breakcore-Platten müssen nicht wie Breakcore-Platten aussehen. Die kalifornische Künstlerin Jen Ray hat für Jason Forrests Album "Post Disco Crash" ein Cover gezeichnet, das Jugendstil, Comic und 70s-Amazonen-Glam vereint. Sie erzählt in unserer Rubrik Coverlover, wie's kommt:
Text: Jan Joswig aus De:Bug 105

Coverlover

Glam-Amazone vor Terror-Geknüppel
Jen Ray zeichnet Breakcore-Cover

Als ich das Cover für Jason Forrests ”Post Disco Crash“ zeichnete, war ich sehr an barocken Formen interessiert. Ich liebte Alberto Vargas Pin Up auf dem Cars-Cover. Natürlich ist es sexistisch, auf eine Weise. Deshalb wollte ich es in eine andere Richtung drücken, der Frau in meiner ”gesampelten“ Version mehr Stärke geben.
Jason Forrest nutzt so viele verschiedene Quellen für seine Musik. Also fühlte ich mich auch frei, mich für sein Album nicht strikt an der harten, wirklich sehr harten Musik zu orientieren. Ich bin zuerst Künstlerin, dann Designerin. Ich glaube nicht, das Cover exakt die Musik reflektieren sollten. Musik ist sehr mehrdeutig, dann können es meine Cover auch sein. Ich schätze an Breakcore die aggressive Energie. Aber ich lasse mich nicht zu sehr davon verleiten beim Entwerfen meiner Cover. Es raubt der Zeichnung ihre spezifische Energie. Die Cover von Hipgnosis aus den 70ern zum Beispiel haben absolut nichts mit der dazugehörigen Musik zu tun, mit Led Zeppelin oder Wishbone Ash. Sie sind viel weiter, sehen schon so nach 80s aus.
Breakcore ist eine sehr männlich dominierte Musik. Ein Mann wird meine Zeichnung vielleicht nur als Voyeur sehen. Aber ich fühle mich dieser Pin-Up-Frau zugehörig. Sie erobert einen Teil der Macht zurück. Mittlerweile wähle ich Frauen in viel machtvolleren Posen aus. 70s Style, Amazonen und Glitterrock. Geschlechtergrenzen brachen nie so rasant zusammen wie damals. Guck dir alte Fotos von den New York Dolls an. Wie konnten diese Rocker sich trauen, solche Klamotten zu tragen, Rüschenblusen zu Hot Pants? Amanda Lear in Leder mit der Peitsche auf dem ”Sweet Revenge“-Cover ist gerade eine meiner Lieblingsreferenzen. Sie ist sexy, aber sie hat auch die Macht, die Peitsche und die Stimme. Andererseits ist nicht wirklich geklärt, ob sie nicht eigentlich ein Mann ist, right? Oder Grace Jones, sie ist ein Pin Up als Männerschreck. Frauen wie Joan Jett, Pat Benatar, Nina Hagen oder Siouxie Sioux haben ganz eigene visuelle Posen entwickelt.
Ich liebe den dekadenten Stil in der Musik, das Süße und Zuckrige, gleichzeitig aber Satanische. Als visuell ausgerichtete Person nehme ich dabei aber eine Beobachterposition ein, ich hocke nicht Backstage und ziehe mir Tonnen von Drogen rein. Aber ich bin fasziniert von der Macht, die von diesem Lifestyle ausgeht.

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Elektronische Lebensaspekte.