Jenna G ist in vielen musikalischen Sparten zu Hause. Nun hat sie die Creme de la Creme aktueller Drum-and-Bass-Producer zusammengeholt, um dem Drum and Bass den Soul einzuhauchen, mit ihren Vocals.
Text: Felix Krone aus De:Bug 95

Soul ohne Diva
Jenna G

Irgendwie scheint der Gedanke an Soul in Verbindung mit Drum and Bass nicht recht zu passen. Vielleicht weil Drum and Bass gerade in der Zeit von Technodarkstep doch ziemlich in die Richtung Stadionrave ging und es in den wenigsten Playlists Raum für Jazz, Funk oder Soul gab. Das hat sich ja zum Glück wieder geändert. Irgendjemand meinte zwar erst neulich wieder ganz sentimental, ihm sei alles zu soft geworden. Naja, jetzt sind es eben mal die anderen, die an ihre good old – in diesem Fall – harder days denken. Jenna G gehört jedenfalls nicht dazu und so ein echtes Soul-Album mit dem Namen “People”, das mit allem drum und dran daherkommt, gibt es von ihr auch. Und das kommt nicht etwa auf Hospital oder Soul:R heraus, sondern auf Bingo, dem Label von DJ Zinc, mit dem auch ein großer Teil des Projekts realisiert wurde. Was die beiden abgeliefert haben, ist kein klassisches Produceralbum mit verschiedenen Vocalparts, sondern umgekehrt ein Vocalalbum mit verschiedenen Produzenteneinflüssen. Als gäbe es nichts Leichteres, haben sie sich hingesetzt und mal eben alle Producer, die Jenna G sich für das Album vorgestellt hat, wie Total Science, A.I., D-Bridge, Friction, Commix, Nu:Tone, D.Kay, A-Sides, Chase & Status, Shy FX, Stresslevel & TC1, Krust, Kabuki und Catch 22 gefragt, ob sie jeweils einen Tune für das Projekt beisteuern würden. Weil zur Überraschung der beiden die Resonanz sehr groß war, nahm das Unternehmen überirdische Dimensionen an, was zusätzlich zu dem Album nur noch mittels mehrerer Singleauskopplungen bewältigt werden konnte. Dabei wollte Jenna G ursprünglich nur ein paar Songs im Drum-and-Bass-Genre schreiben, weil sie die Freiheit und die Flexibilität dieser Musik liebt, sonst aber vor allem außerhalb davon zu Hause ist. “Drum and Bass ist ein gewaltiger Schmelztiegel mit unterschiedlichen Styles und Einflüssen. Das betrifft sowohl die Musik als auch das wirkliche Leben. Die Vielseitigkeit zeigt sich in den Arbeiten von Producern, von Promotern, aber auch durch die Kultur, die dadurch global geschaffen wird. Die Szene ist klein, aber wert unterstützt zu werden, und ich liebe es, ein Teil davon zu sein.” Und jemand wie Jenna G kennt Drum and Bass von der Pike auf. Natürlich hätte man die Zeit auch anders verbringen können, als Geld in Jungle Slammer & Hysteria Tape Packs anzulegen, sich mit lokalen Ragga/Jungle MCs die Nacht um die Ohren zu schlagen und sich mit gerade mal fünfzehn Jahren auf Raves zu schummeln. Dann hätte es vielleicht nie einen R’n’B-Song unter einem Pseudonym, das sie nicht verraten will, in den Top10 der englischen Kiss Radio Network Charts gegeben. Und Projekte mit Uncut auf Metalheadz und Wired, mit Total Science auf C.I.A, mit M.I.S.T. auf Soul:R und kürzlich wieder mit Goldie auf Metalheadz hätte es wohl auch nicht gegeben. “Mir ist es wichtig, ehrlich zu sein”, erzählt Jenna. “Ich schreibe über persönliche Themen und Erfahrungen mit verschiedenen Menschen. Ich versuche dabei die Erfahrungen so weit wie möglich mit meinen Gefühlen zu beschreiben. Das funktioniert auch als Selbsttherapie, wenn man andere mit Gefühlen identifiziert. Mir hilft das, um mich nicht so allein zu fühlen. Das, was an einem bestimmten Tag passiert ist, versuche ich in meinen Texten so auszudrücken, wie ich das in der Situation empfand, und mir ist letztes Jahr viel passiert. Ich hab mich verliebt, ich hab Freunde verloren, mich allein gefühlt, war traurig, glücklich, usw. Ich denke, das ist alles mehr oder weniger das, was in den Songs reflektiert wird.” ” Welchen Einfluss hattest du auf die Producer? Konntest du zum Beispiel A.I. sagen, was sie machen sollen?” “Das variierte natürlich. Die meisten hatten bereits eine kurze Loop-Idee, die sie mir geschickt haben. Manche haben mir auch ganze Skizzen geschickt, damit ich etwas aussuchen kann. Ich habe dann die Vocals geschrieben, arrangiert und bei Zinc aufgenommen, die wir dann zu den Leuten zurückgeschickt haben. Es war ein langwieriger Prozess, der ziemlich nervenaufreibend war, weil ich oft dasaß und überlegen musste, was die jetzt davon halten, ob sie was damit anfangen konnten oder nicht. Lustigerweise kam später heraus, dass sie genauso nervös waren wie ich.”

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Elektronische Lebensaspekte.